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Neu! Geister in Flaschen!! Nur 9,90!!! - zweiter Teil

2006/10/03
"Oh whoa...
My body's saying let's go
Oh whoa...
But my heart is saying no (no)"

www.Christina Aguilera - genie in a bottle + lyrics.com

Um c) an der Stelle konsequent verfolgen zu können, ließe sich ein interpretatorischer Kunstgriff anwenden; Deduktion:
die Biographie steht ohne größeren Rechercheaufwand nicht zur Verfügung.
Das Lied, mit all den Phänomenen am Rande seiner Erscheinung,
genauer: dessen Text soll in dem Fall als Teil der Biographie dienen.
Es wäre ein weiterer Erzählstrang auf die Gültigkeit bzw. Ungültigkeit dieses Kunstgriffs einen genaueren Blick zu werfen.
Dazu möglicherweise später mehr.

"You're licking your lips and blowing kisses my way
But that dont mean I'm gonna give it away
Baby, baby, baby"

''But that don't mean I'm gonna give it away.''
Was 'it'? Zudem ist sie, so wie sie die Szene schildert, ohnehin nicht diejenige,
die etwas weggibt.
''YOU are licking your lips and blowing kisses my way"
Mit anderen Worten:
du bist derjenige, der mir etwas gibt. Aber erwarte nicht, daß ich dir 'es' auch gebe.
Auch wenn ich das deine annehme.''
Drückt sich darin der pure, gierige Egoismus aus?

''Baby, baby, baby''
Baby, so weiß ich - nur nicht mehr woher, ist - deswegen: angeblich - das meistgebrauchte Wort in Popsongs. Iinwiefern die folgende Interpretation einen abstrakten Charakter für sich in Anspruch nehmen könnte, bliebe zu prüfen.
Im Zusammenhang mit der Egoismus-these sehe ich zwei Möglichkeiten zur Interpretation.

Der erste ist ein extrovertiert misantropischer.
Der zweite ein introvertiert unschüchterner.

Extrovertiert wäre die Anrede 'baby' deswegen, weil sie im gegebenen Kontext in gewisser Weise dazu auffordert sich einer kindlichen, unschuldigen Gier hinzugeben.
Misantropisch wäre sie deswegen, weil sie dem menschlichen Wesen per se, in Form eines 'unschuldigen' Säuglings, die Eigenschaft der Gier zuschreibt.
Da es sich beim ausgewählten Song um einen Popsong handelt lässt sich diese Interpretationsmöglichkeit ruhigen Gewissens ausblenden.
Um nicht zu unkritisch zu werden genügt es hier, diese Interpretationsebene im Hinterkopf zu behalten. Sie könnte, gerade durch ihren 'Hintersinn', Gegenstand weiterer Überlegungen sein.

Introvertiert wäre die Anrede 'baby' deswegen, weil der Angeredete sich selbst, um auf Augenhöhe mit der Anredenden zu kommen, sich als natürlich und kulturell gewachsenes Wesen weitestgehend zurücknehmen müsste um säuglinggleiches Erleben von bislang Unerlebtem zu er-leben.
Unschüchtern wäre sie deswegen, weil sie ihrem Inhalt nach schon darauf verweist, daß hier unbeschrittene Wege begangen werden wollen die eine gewisse Vorsicht gebieten, dies aber mit solch einer Offenheit getan wird, daß von wirklicher Schüchternheit und Zurückhaltung eigentlich keine Rede sein kann.

Der zweite Ansatz scheint mir hier der erfolgversprechendere zu sein. Immerhin haben die paar wenigen Zeilen ausgereicht um glaubhaft verständlich zu machen, daß es sich hierbei um einen waschechten Popsong handelt. Die wiederum handeln nahzu immer von zwischenmenschlicher Nähe und Beziehung. Und sehr oft wählt jene Thematik die kristalline Ausdrucksform; in dem Moment wird der Popsong auch Lovesong.

Der Text spricht offen und unmißverständlich aus, daß es sich dabei vordergründig um pure körperliche Attraktion handelt:

''My body's saying let's go
but my heart is saying no''

Demnach ist es keine reine Attraktion. Genauer:
die Anziehung ist rein körperlicher Natur. Aber das zwischen diesen beiden Menschen Stattfindende ist nicht ausschließlich gegenseitig anziehender Natur.
Es gibt, von Seiten der Akteurin, ebenso eine Abstoßende Komponente innerhalb der Begegnung: but my heart is saying no!
An der Stelle versagt der Kunstgriff seinen Dienst. Lediglich ein Blick in die Biographie der Interpretin könnte Klarheit darüber verschaffen, welche Bedeutung für sie die Einheit zwischen Körper und Herz hat. Unreflektiert und allgemein gesprochen ließe sich sagen, daß sie Basis für ein gesundes Leben ist.
Warum aber die Interpretin an dieser Stelle Herz und Körper als Konfliktpartien sehen wollte und nicht etwa Körper und Geist oder Körper und Seele oder gar Seele und Geist, bleibt hier so ohne weiteres im Verborgenen.

Ähnlich wenig Auskunft gibt sie über die abstoßende Komponente der Begegnung. Wäre das Gemeinsamkeit genug um hier einen Zusammenhang zu sehen?
Zunächst eine Spur zur Begründung ihrer Ablehnung:

''I feel like I've been locked up tight
For a century of lonely nights
Waiting for someone
To release me''

Dem ersten Teil dieser Aussage lässt sich entnehmen, daß sie deswegen vor der Begegnung zurückschreckt, weil sie sich fühlt als wäre sie ein Jahrhundert lang in einsamen Nächten eingesperrt gewesen. Im Verbund damit, daß sie dort auf jemanden gewartet hat, der sie befreit, von ihrer Einsamkeit erlöst.
Die englische Grammatik erlaubt der Interpretin hier sich ebensogut als Wartende zu
schildern. Sie fühlt sich eingesperrt, wartend.
Der weitere Textverlauf macht deutlich, daß sie bereits bereit ist Signale und Kontaktangebote von ausserhalb ihres eingesperrt-Seins zu empfangen.
Sie tut es auch. Ist sich lediglich unsicher darüber, was sie mit den Signalen anstellen will. Ihr Körper sagt:
''let's go!'' Aber ihr Herz sagt:
''no!''

So wie sie die Situation, die ihrer Entscheidung zu grunde liegt, schildert lässt sie damit wieder den ersten Interpretationsansatz in's Gedächtnis zurückkehren.
Für einen kurzen Moment leuchtet die Möglichkeit auf, die Interpretin ahne etwas von dieser Unheil verheißenden Möglichkeit die Welt zu schauen. Die Möglichkeit leuchtet einen kleinen Moment länger auf wenn deutlich wird, daß im weiteren Verlauf des Textes die Möglichkeit besagten ersten Modus des Schauens zum Einsatz zu bringen völlig fehlt.
Unter Berücksichtigung dessen, daß sie sich als Mensch in einer Situation befindet die ihr die Möglichkeit gibt interpretatorisch eine solche Entscheidungssituation zu schildern, scheint diesen Ansatz noch etwas zu verstärken.

''If you wanna be with me, baby
There's a price you pay
I'm a genie in a bottle
You gotta rub me the right way
If you wanna be with me
I can make your wish come true
You gotta make a big impression
I gotta like what you do''

Sie konzentriert stattdessen verstärkt ihre texterische Kraft darauf, zu behaupten daß sie in der Lage ist Wünsche wahr werden zu lassen wenn sie auf die richtige Weise 'angepackt' wird. Als Bewegung gedacht flieht sie vor der besagten, Unheil verheißenden ersten Möglichkeit des Schauens. Sie mobilisiert ihre Erfahungen von eigentlich Unerfahrbaren.
Sie kann sich möglicherweise deswegen soweit vorwagen und das Versprechen geben, Wünsche wahr werden zu lassen, weil sie selbst schon einmal erlebt hat daß und wie Wünsche wahr werden. Nämlich:
wenn sie bloss auf die richtige Weise angepackt werden.

An dieser Stelle wäre es an der Zeit, a) und b) vom vorherigen Eintrag wieder zu berücksichtigen und sich das Verhältnis zwischen Interpret, Produzent und Markt etwas genauer anzuschauen.
Als Zwischenergebnis von Ansatz c) bleibt zunächst stehen, daß die Interpretin textlich auf das Thema zwischenmenschliche Nähe und Beziehung, Liebe, anspielt; selbigem einen persönlichen Ausdruck gibt.
Sie schildert eine persönliche Situation, welche Schwierigkeiten sie damit hat und gibt spurenhafte Andeutungen von den Ursachen ihrer Schwierigkeiten.

Ungeklärt bleibt hier, ob es sich bei dem Text um einen aus innerer Notwendigkeit selbstverfassten, einen unter Anleitung geschriebenen oder einen kühl vorgesetzten handelt.
Um den Glauben nicht gänzlich zu verlieren und um sich dem so andeutungshaft offenbahrenden Sachverhalt mit mäßigem Respekt zu nähern wäre es ratsam, zweiteres anzunehmen. Aus einer weiteren Betrachtung wie oben geschildert würde sich ohnehin ergeben, was ersteres bzw. letzteres genau zu bedeuten hätte.

... to be continued ...
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