Ich bin du - eine zauderhafte Bestandsaufnahme
Imgrunde hab ich ja nix dagegen, wenn mich Leute so sehen wollen weil ich ja auch meine, nachvollziehen zu können wie sie 'drauf kommen - es ergiebt sich ja schon beim leisesten Gespräch über was auch immer. Ich könnte nicht mal sagen, daß es mich nerven würde. Jedenfalls nicht in dem Moment selbst. Genervt fühl' ich mich dann meist erst hinterher.
Weil mir die Welt, wie sie wirklich ist, nicht genug ist. Und das auch schon vorher und währenddessen so war.
Das hat dann ja aber nichts mit den Leuten selbst oder damit zu tun, daß sie mich so sehen
wie sie es eben tun. Das ist jetzt in gewisser Weise ungerecht den Leuten gegenüber. Aber auch nur in gewisser Weise.
In gewisser Weise nämlich auch wieder nicht. Aber das verklicker denen mal. Wenn es denn überhaupt soweit kommt, daß sie es gerne wissen wollen würden. Meistens gehen beim leisesten Hauch eines Gefühls dazu ja schon die Rollläden 'runter und die Türen zu; Klingeln werden ab und Telefone ausgeschaltet. Und auf Klopfen kann derjenige, der nicht zu Hause ist, ja garnicht antworten. Es würde sie soweit nach vorne katapultieren, daß sie den Eindruck bekämen, sie wären wieder in der Steinzeit oder noch früher angekommen.
Und weil mir die Welt, so wie sie wirklich ist, nicht genug ist kann ich ja überhaupt nur dazu kommen, daß ich mich in der Situation damit einverstanden erkläre. Ich müsste es nicht - auch das ist mir klar. Ich entscheide mich ja auch nicht dafür oder dagegen.
Ich bin einfach so.
Das vergessen die Meisten wenn sie berechtigterweise meinen mich so sehen zu dürfen wie sie mich sehen.
Der Unterschied ist eben:
Komiker meinen es nicht so. Und sind ja auch durchaus in der Lage, als Letzte lachen zu können. Sie hassen ihr Publikum. Und sie sind ihm dankbar.
Diese Fähigkeit macht sie überhaupt erst zu Komikern.
Da braucht man sich imgrunde auch garnicht mehr fragen, warum sie in allerjüngster Vergangenheit solch einen enormen finanziellen Erfolg haben konnten, welche Gesellschaftlichen Rahmenbedingungn dazu führen konnten und was einem das Leben damit sagen will. Das ist dann mehr als offensichtlich.
Es war ja nicht ihr Talent witzig zu sein. Das ist ja nur eine Folge davon.
Mich würde bei der Gelegenheit schon mal interessieren, wer sich darüber im Klaren ist.
Bei einem, der mir jetzt so aus dem Stehgreif einfällt, ist es offensichtlich. Alle anderen geben sich mehr Mühe damit zu verbergen daß sie wissen was sie wissen. Und dieses Verhalten enthebt sie in gewisser Weise aus dem Stand ihres Komikerdaseins und macht sie zu einem Arbeiter in der Unterhaltungsindustrie; Fachbereich Witze, Zoten und zerstreuende Anektoden.
Ein zweiter würde mir noch einfallen. Aber der war nie wirklich Komiker und hat im Laufe der Zeit auch einfach nur gelernt, seinen Frust für sich arbeiten zu lassen.
Von wegen die Welt ist mir nicht genug - imgrunde verlange ich ja nicht viel oder gar zu viel. Ich verlange einfach nur anderes von der Welt. Man könnte meinen, das ist ein ziemlich 'böser Wunsch' und ich solle eigentlich froh darüber sein, daß er sich nicht erfüllt.
Allerdings wünsche ich es mir garnicht. Ich bin einfach nur der Meinung, der Welt würde es besser zu Gesicht stehen, wenn sie sich ein bischen mehr so zeigen würde, wie sie in Wirklichkeit ist anstatt so, wie sie wirklich ist. Das wunschhafte dieser Meinung ergibt sich daraus, daß ich mich den größten Teil meiner Zeit mit dieser Meinung als alleine dastehend erlebe und mir etwas mehr Gemeinschaft, dann eben schon, ... ja, wünsche.
Diesen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen liegt aber auch wieder an mir. Ich könnte meine Meinung etwas deutlicher und offensiver vertreten;
sie einfach mal desöfteren behaupten.
Das ist aber nicht ganz so einfach; ein bischen wie mit dem berühmt gewordenen Sponti-Spruch:
fighting for peace is like fucking for virginity.
Die Leute, die wissen, wie es in Wirklichkeit ist, behalten es für sich. So ist die Welt wirklich.
Wobei man auch nicht sagen kann, sie würden es komplett für sich behalten. Das tun sie ja nicht hunderprozent. Damit wären sie eine Gefahr für sich selbst und zudem näher an dem dran, wie die Welt wirklich ist als an dem, wie sie in Wirklichkeit ist.
Sie entsprechen der Wirklichkeit einfach. Ohne dem Unterschied tatsächlich Rechnung zu tragen. Würden sie das, wären sie näher an der Wirklichkeit als an dem, was wirklich ist.
Ich seh's ja an mir selbst.
Sobald ich mich zu nahe an der Wirklichkeit fühle wollen meine Beine einfach nur noch soweit laufen, bis nichts mehr geht. Daß ich dann nicht das tue sondern mich hinsetzte und mich statt dessen innerlich an den Rand der Erschöpfung bewegen lasse, ist ein anderes, allzu persönliches Thema. Worum es hier hier ja letztlich die ganze Zeit ging.
Wenn ich jetzt aber sage, bzw. schreibe, daß es ein allzu persönliches Thema ist, heißt das ja nicht, daß ich der einzige wäre, der diesem Thema ausgesetzt wäre. Zu so einem Ergebnis zu kommen hieße soviel wie,...
die Unterscheidung zwischen dem wie die Welt in Wirklichkeit ist und dem, wie sie wirklich ist, nicht,... meinetwegen auch: noch nicht vollzogen zu haben. Wobei: imgrunde sträube ich mich ein bischen gegen das 'noch nicht'. Denn so ist es eben nicht bzw. so ist die Welt eben wie sie wirklich ist; aber in Wirklichkeit ist die Welt nicht so. Ich könnte auch schreiben:
man muss diesen Unterschied nicht machen. Dieser Unterschied macht einen. Aber damit wäre ich wieder einen Hauch zu nahe an der Wirklichkeit und damit der Erschöpfung geweiht. Hier sitzen und mich innerlich bewegen lassen tue ich ja schon.
Ich rudere und strauchele und navigiere im Alltag der Wirklichkeit der Welt, geblendet von deren Wirkungen und drifte einer wirklichen Welt entgegen die verspricht, mehr mit der Wirklichkeit der Welt zu tun haben als diese selbst.
Meine Ursachen kann ich hierbei lediglich erahnen, bin unsicher darüber, ob es sich dabei um Ursachen, meine Ursachen, wirkliche Ursachen oder Ursachen der Wirklichkeit handelt.
Sicher erscheint mir nur, daß ich mich nicht länger bewegen lassen will.
Anfangs habe ich geschrieben, daß ich meine nachvollziehen zu können, wie Leute daruf kommen mich so zu sehen wie sie es eben tun.
Dann habe ich mich ein bischen bewegt und bin zu der Ansicht gekommen, daß ich meine, meine Meinung etwas offensiver vertreten zu können.
Mir ist der Widerspruch aufgegangen, der sich darin verbirgt. Und mir ist aufgegangen, daß ich den nicht einzuordnen weiß.
Ist er jetzt Wirkung oder Ursache? Und wenn was, wessen?
Meinem Gefühl stellen sich diese Fragen nicht. Mein Gefühl will ihn einfach fliehen. Und mein vom ungeordnet-widersprüchlichen Gefühl beratener Verstand will ihm standhalten; mit dem Argument, daß der Widerspruch ohnehin Teil der Welt ist und mir überall und immer begegnen wird; sei sie jetzt wirklich oder die Wirkliche. |
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