spuren
"hallo kinder
bitte glaubt mir
erwachsensein ist nicht so witzig
seid vernünftig
lasst die finger
vom erwachsensein"
http://www.japanischekampfhoerspiele.de/texte.php
Die Vorstellung von erwachsen-Sein wie sie im Dritten Reich gepflegt, idealisiert, propagiert und umgesetzt wurde, war eine, die unter den gegebenen Umständen und Vorzeichen durchaus als durchdacht und konsequent beschrieben werden kann.
Die glücklicherweise ebenfalls zu diagnostizierende Crux dieses Verständnisses wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die in ihrem eigenen Sinne als erwachsen geltenden Propagandisten, Akteure und zum erwachsen-Sein Anleitenden ihrer eigenen Infantilität blind gegenüber standen.
Das mit dieser Blindheit Hand in Hand gehende Radikalisieren infantiler Impulse und der daraus folgende Fanatismus hatte primär das zur Folge, was als Dritter Weltkrieg und Holocaust als trauriges Kapitel in die Menschheitsgeschichte Einzug gefunden hat.
Der sekundäre Effekt davon ist, daß die zwei politische Ära später geborenen Kinder als erwachsener betrachtet werden können, als die Erwachsenen, die das während des Dritten Reiches als gültig betrachtete Ideal von erwachsen-Sein umzusetzen gewillt waren. Offen bliebe hierbei allerdings, inwieweit das lediglich dann als zutreffend erscheint, wenn die damals gesetzten Ideale weiterhin als gültig betrachtet werden; und sei es lediglich teilweise.
Die Gemeinsamkeit der Kinder von heute mit den Erwachsenen von damals ist, daß beide nicht mehr zu einem Modus von Kindlichkeit zurückkönnen und konnten, der noch vor dem Dritten Reich Gültigkeit hatte. Es ist davon auszugehen, daß sich mit dem Wandel des Verständnisses von erwachsen-Sein das Verständnis von Kindlichkeit ebenfalls verändert hat.
Jener Veränderung wird bei derzeitigen bildungsolitischen Fragen und Entscheidungen zu wenig bis garkeine Rechnung getragen.
Sollte die moderne Pädagogik hierzu weiterführende Erkenntnisse bereithalten ließe es sich als ihre Pflicht betrachten, sie in den derzeit stattfindenden Diskurs über Bildung und Familienpolitik klarer und entschiedener einzubringen.
Man könnte den über die Nazi-Zeit Deutschlands aufklärenden Strömungen nicht ohne Grund bescheinigen, daß sie sich bei ihrem Bemühen die Schrecken von Damals zu verarbeiten zu sehr auf den fremdenfeindlichen und rassischen Aspekt dieser Form von Staatlichkeit zugewendet haben. Mit dem sichtlichen Erfolg, daß die Angst vor dem Anderen und Fremden besser verstanden wird und als Triebkraft einer Kultur deutlicher in's Blickfeld gerückt ist.
Inwieweit jene Herrangehensweise -einerseits- dazu beigetragen hat, die Angst vor dem Eigenen zu verstehen und -andererseits- zu einer weniger manischen Umgangsweise mit dem Eigenen befähigt muss an dieser Stelle offen bleiben.
Die Unterdrückung der eigenen Infantilität und der daraus resultierende Fanatismus jedenfalls wurden im Bemühen, das zu Begreifen, was damals wirklich passiert ist, bislang überhaupt nicht oder zumindest entscheident zu wenig berücksichtigt. Im öffentlichen Diskurs finden solche Aspekte überhaupt keinen Platz.
So betrachtet wäre es illusorisch zu erwarten, daß sich über kleine und kleinste Anzeichen eines herrannahenden Vierten Reiches nicht gewundert wird.
K. Atze |
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