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Bühnenpolitik

2006/11/10

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ich frage mich,
welchen unterschied es macht,
wenn ich vor einer bühne stehe
und einem künstler zuschaue,
der kunst präsentiert
und
wenn ich vor einem podium stehe,
und einem politiker zuschaue,
der politik präsentiert.

da stoße ich auf freiwilligkeit,
vorher noch nicht.

das, was der politiker präsentiert,
kann ich mir nicht aussuchen. selbst wenn ich es
mir nicht oder mir etwas anderes, eine utopie anschaue.
die bühne, vor der ich stehen will mit samt dem,
was es darauf zu erleben gibt,
kann ich mir aussuchen.
ich kann in ein anderes land ziehen.
sofern es mir erlaubt ist.
mir wäre es, rein rechtlich, erlaubt.
dadurch ändert sich allerdings nichts an dem,
was politik eigentlich ist.
es erscheint lediglich in veschiedenen
schattierungen, farbintensitäten,
ausrichtungen, wurzeln,
bewegungen, stillständen,
prioritäten und egalismen.

die prinzipen von
podium und bühne allerdings
sind eng miteinander verwandt.
so eng,
daß ich mich in dem zusammenhang manchmal frage,
fast schon fragen muss,
ob der dargebotene inhalt wirklich
den entscheidenten unterschied macht.

klar macht es einen.
ob ich vor einem podium mit adolf hitler stehe
oder vor
einer bühne mit anne sophie mutter.
der unterschied wiederum
erscheint eher ort und zeitgegeben als
der sache immanent.

die sache wird, wo es um eine solche art der freiwilligkeit geht
oft garnicht wahrgenommen.
freiwilligkeit,... das bezieht sich meist eher auf
fast schon banale bereiche menschlicher alltäglichkeiten.
und eine freiwilligkeit,
die keinen unmittelbaren nutzen nach sich zieht,
dieser eindruck lässt sich jedenfalls gewinnen,
hat derzeit einen schweren stand.

was sie aber eigentlich schon immer hatte.
nur deswegen konnte 'freiheit' in dem sinne
immer schon
als etwas erscheinen, was erkämpft werden will.
deswegen wäre eine pazifistische gesellschaft aber noch lange nicht unfrei;
wenn allerdings
grundlegende abhängigkeiten
als
eine freie entscheidung überhaupt erst bedingend
betrachtet werden
verschiebt sich das verständnis von 'freiheit'
von ganz alleine:
die absolute freiheit wird dann zu einer weiteren alltäglichkeit.

es ließe sich auch als
demokratisierung der monarchie
beschreiben.
ähnliches meint wohl
'geiz ist geil!':
einen 911er fahren, aber einen polo bezahlen.
obwohl das wesentliche fahrgefühl nicht vom fahrzeugtyp
abhängt. ich kaufe einen 911er weil ich es kann.
nicht weil ich es will. einen polo fahre ich,
weil ich muss, weil ich es wollen muss.
eigentlich eher: weil ich es wollen können muss.

eine andere seite davon
ließe sich als
aristoraktisierung des volkes beschreiben:
'der kunde ist könig!'.
die kunst
eines königs ist allerdings:
'gerecht' zu seinen untertanen sein.
dazu muss ich ein könig sein,
dessen selbstverständnis wenig mit dem
eines kunden in einklag zu bringen ist.
ein solcher könig braucht, um zu geben.
ein kunde hat um zu brauchen - eigentlich eher:
braucht, um zu haben.

das empfinde ich als
die eigentlichen unterschiede.
gegen oder mit bzw. für
welche licht und farbintensität,
welche wurzeln,
welche richtung,
welche inhalte und wie damit umgehen,...
das ist im wesentlichen ohnehin grundverschieden.
und durch die wesentlichkeit des
'absoluten unterschieds'
erscheint es als die
wesentlichste gemeinsamkeit.

die frage ist für mich weniger:
absolute freiheit? ja oder nein?
als mensch kann ich mich garnicht
gegen die absolute freiheit entscheiden.
dann entscheide ich mich gegen mein
mensch-sein - und damit gegen mein so-sein.
was ich tun kann ist,
verstehen und nachvollziehen. um
als mensch mit der erde
verbunden zu bleiben,
um mit dem im einklang zu bleiben,
was nicht ich bin, was nicht mensch-sein
ist.

aus solchem denken
'rekrutiert' sich mein handeln.
ein solches denken fordert
den kampf für meine freiwilligkeit -
den kampf meiner freiwilligkeit.
kampf eher als ein
frei sein
für
gewaltfreie lösungen.
und weniger als ein
frei sein
von
gewaltlosigkeit verhindernden,
meine freiwilligkeit bedingenden umständen.
mein handeln wird bestimmt von
ort, zeit und verstehen,
daraus folgt -
mehr oder weniger automatisch -
nutzen und unterlassen,
gelingen und scheitern
sich bietender möglichkeiten,
sich anbietender wahrscheinlichkeiten.
mit und ohne freiwilligkeit;
absolut und/oder relativ.
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