TV-Tip: Klaus Bednarz - Die Ballade vom Baikalsee
Teil 1 der TV-Reportage von Klaus Bednarz
26.06.2006 um 22:15 auf Phönix
Der Baikal ist der älteste, tiefste und sauberste See der Welt - zugleich einer der schönsten und geheimnisvollsten. Die Einheimischen nennen ihn "Heiliges Meer", "Perle Sibiriens", "Brunnen des Planeten". Der Baikal enthält mehr Wasser als die fünf großen nordamerikanischen Seen zusammen und 1000 Mal mehr als der Bodensee - ein Fünftel des gesamten Süßwasservorrats der Erde. Klaus Bednarz hat den Baikal mehrere Monate im Winter und im Sommer bereist. Er sprach mit Bauern, Fischern, Jägern, mit Förstern, Wissenschaftlern und Ökologen. Im Winter jagen die einheimischen Völker an den Küsten des Baikalsees die Süßwasserrobben, die hier heimisch sind. Oder sie fahren auf das Eis, um durch Löcher zu fischen. Man muss dem See mit Respekt begegnen, wissen sie. Der Grund des Sees ist ein Friedhof - auch von Lkws und Pkws, die jeden Winter dort im Eis versinken. Aufs Geratewohl über das Eis zu fahren, bedeutet immer Lebensgefahr. Es gibt bestimmte Gebiete auf dem See, wo sich unterirdische warme Strömungen befinden. Oder wenn man einen Riss im Eis übersieht und nicht mehr rechtzeitig bremsen kann. Kurzum, wenn man glaubt, man könne sich über das Gesetz des Sees hinwegsetzen, kann es sein, dass man dafür mit dem Leben bezahlt. Seit 1996 steht der Baikalsee als "Weltnaturerbe" der UNESCO unter dem Schutz der gesamten Menschheit. Doch ob ihm dieser Schutz wirklich helfen kann, sich gegen die Gefahren der fortschreitenden Umweltzerstörung zu wehren, wird sich erst herausstellen.
Teil 2 der TV-Reportage von Klaus Bednarz
27.06.2006 um 22:15 auf Phönix
Im Sommer ist der Baikalsee zauberhaft. Sichelförmig erstreckt er sich über eine Länge von 636 Kilometer. Seine Breite reicht bis 80 Kilometer, seine tiefste Stelle misst mehr als 1.500 Meter. Der Baikalsee liegt im Herzen Sibiriens, im Sommer gibt es dort mehr Sonnentage als auf Norderney. Während das Thermometer im Winter auf minus 40 Grad fällt, pendeln sich die Temperaturen im Sommer bei 25 bis 30 Grad plus ein, nur der See erwärmt sich nicht wirklich. Viele Dörfer leben Sommer wie Winter vom Fischfang. Zur warmen Jahreszeit ist die Jagd auf Omul, Renken und Äschen wesentlich einfacher. Die Fischer müssen keine Löcher in die fast Meter dicke Eisschicht hacken, sondern nur das Netz ins Wasser gleiten lassen. Bis zu 12 Stunden sind sie im Sommer auf dem Baikal unterwegs und können bis zu 250 Kilogramm pro Boot fangen. Früher waren sie bei einer Kolchose angestellt, heute ist es ein Privatbetrieb, eine Aktiengesellschaft. Die Fischer verdienen durchschnittlich 2,50 Euro pro Tag. Doch Bargeld haben sie seit Jahren nicht mehr gesehen. Der Lohn wird ihnen in Fisch und Holz "ausgezahlt". Trotzdem fahren sie jeden Tag auf den Baikal hinaus. "Was sollen wir denn machen? Zu Hause rumsitzen?" Der Baikal - er ist ihr Leben. Unzählige Lieder sind ihm gewidmet, seinem Farbenspiel und den sich darin spiegelnden blaugrünen Bergen. "Der Baikal", sagen die Einheimischen, "ist Teil der besten Schöpfung Gottes. Er ist stärker als der Mensch. Und was auch immer geschehen mag: Der Baikal wird überleben." Die Fischer werden wohl recht behalten: Den Sozialismus hat der Baikal fast unbeschadet überstanden und auch dem Kapitalismus scheint er gleichgültig gegenüber zu stehen. Nur die Umweltverschmutzung macht ihm zu schaffen.
Teil 3 der TV-Reportage von Klaus Bednarz
28.06.2006 um 22:15 auf Phönix
"Wir werden wiederkommen", hatte Klaus Bednarz am Ende des zweiten Teils der "Ballade vom Baikalsee" versprochen. Nun hat er dieses Versprechen eingelöst. Noch einmal ist er im Winter und Sommer 1999 mit seinem Team nach Sibirien gereist. Er ist noch einmal auf das Eis des gefrorenen Baikalsees gefahren, hat den Robbenjäger Jura auf der Jagd begleitet und die Fischer besucht, die er ein Jahr zuvor bei ihrer seit Generationen unveränderten Art des Eisfischens beobachtet hatte. Die Försterin Ludmilla hat er auch wieder besucht, für die Bednarz eine Spendenaktion ins Leben gerufen hatte. Mit dem Geld konnte inzwischen das marode Feuerwehrauto des Dörfchens Goloustroje am Westufer wieder flott gemacht werden. Mit den Familien sprach Bednarz über die Veränderungen in ihrem Leben, über ihren Kampf um die bloße Existenz und gegen die zunehmende Umweltverschmutzung. Industrieanlagen wie ein riesiges Papierkombinat werden zur Gefahr für die einzigartige Natur des Sees. Einer, der mehr ökologisches Verantwortungsbewusstsein für das sibirische Gewässer fordert, ist der 77 Jahre alte Bildhauer Jurij Panow, der zehn Jahre in Stalins Zwangslagern zugebracht hat und dann freiwillig am Baikal blieb. Sterben, so meint er, werde der See wohl nicht. Aber er sei schwer krank. Bednarz besuchte auch die Fischer am See wieder: Was wurde aus den Kindern, deren Eltern kein Geld hatten, um sie auf die weit entfernten Schulen zu schicken? Er hat viele Menschen wieder getroffen, die schon in den beiden ersten Filmen zu sehen waren. Noch einmal sind Bilder von einzigartiger Schönheit und Intensität entstanden, poetische Schilderungen von Landschaften und Menschen, die niemand so schnell vergessen wird. |
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Comments on 'TV-Tip: Klaus Bednarz - Die Ballade vom Baikalsee'
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klingt sehr interessant ... leider kann ichs nciht sehen, muss mal schauen, dass es mir jemand aufnimmt;)
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Die Reportage ist wirklich klasse!! Kann ich nur empfehlen, wenn man auch nur den Hauch eines Interesses für Reportagen oder das Land hat!!
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Ja, die Reportage ist wirklich gut.
Aufgrund dieser Sendungen, die auch schonmal vor ein paar Jahren ausgestrahlt wurden, ist mein Schatz damals mit der Transib zum Baikalsee gestartet. Muß traumhaft sein, das live zu erleben....
Diese Reportage ist zeitlos und immerwieder sehenswert!
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