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Blog entries: 19. All Blog entries are sorted chronologically.

Russische Seele

2006/09/04
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Tags: russland  ukraine
Die russische Seele - immer wieder wird sie in der Literatur beschrieben und in Liedern besungen. Manche empfinden sie als stolz und unberechenbar, andere als weinerlich und empfindsam. Schwermütig und nahe des Herzens wird sie angesiedelt. Doch für den Westen ist die russische Seele immer noch mit dem Nimbus des Undurchschaubaren und Geheimnisvollen verbunden.

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Auf ein langes Leben ...

2006/09/04
| Comments: 2
Tags: wodka
... Wodka ist nun wirklich kein Getränk für Schwächlinge ... erklärt mir Sascha, ein angestellter des Hauses hier in Kiew und sozusagen ein Kollege von mir. Sein steinalter "Djeduschka" auf dem Land brennt das Getränk in Eigenregie und der muss es wissen.

Um Wodka mit 45% Alkoholgehalt herzustellen, sind drei bis vier Destialltionen erforderlich. Nun ist russischer Wodka weit über seine Grenzen hinaus bekannt und beliebt. Geruch und Geschmack eines guten Wodkas werden beim Ansetzen mit Minze, Senf, Wacholder, Zimt oder Zitrone (und 1000 andere Dinge mehr) verfeinert und variiert. Aber das ist nicht alleine das Geheimnis des russischen Wodkas ... erklärt mir Sascha.

Echter Wodka kann nur aus Russland stammen. Das hat rein biologische und geologische Gründe. Zwar kann man mit Geräten und entsprechenden Technologien in der ganzen Welt Wodka herstellen ... aber niemals einen russischen Wodka. Denn niemand kann das weiche Wasser aus russischen Waldbächen und das unbeschreibliche Klima Russlands künstlich erschaffen, auf dessen Felder das echte russisches Getreide die Ähren treibt. Deshalb ist nur Wodka aus Russland echter russischer Wodka.

Mein Opa aus Slowenien (Djeduschka) ist 83 Jahre alt geworden. Ich kann mich gut erinnern, wie er mit Hilfe eines abenteuerlichen Kupferkessels und Zwetschken, seinen eigenen Slibovic destilliert hat. Junge, junge ... von dem Zeug konnte man echt blind werden. Auf jeden Fall gehören die Slawische Seele und der Schnaps irgendwie zusammen.

Trinken wir auf ein langes Leben ...

Na zdorowje!
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Spaziergang in Lviv

2006/09/02
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Was den Wienern ihr Zentralfriedhof, ist den Lembergern ihr Lytschakiwski-Friedhof (polnisch Janowski-Friedhof). Der Friedhof (so wie die ganze Stadt Lemberg) hat eine sehr bewegte Geschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Lemberg von der Sowjetunion annektiert und die Mehrheit der überlebenden Vorkriegsbevölkerung wurde vertrieben. Damit begann auch der Verfall des Lytschakiwski Friedhofes. Zahlreiche Monumente und Skulpturen wurden zerstört.

Anfang der 70er Jahre machten sowjetische Panzer die Ruhestätte der Lemberger Adler dem Erdboden gleich. Erst 1975 wurde der Friedhof als historisches Denkmal anerkannt und die Entehrung beendet. Seit den spätern 80er Jahren wurde der Lytschakiwski-Friedhof Stück für Stück saniert. Wer die Gelegenheit hat, Lemberg zu besuchen, sollte sich ausreichend Zeit für einen Spaziergang über den berühmten Friedhof nehmen.

Wikipedia: Lychakivski-Friedhof
Wikipedia: Lemberger Adler
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Russischer Kaviar ...

2006/09/02
| Comments: 3
Tags: kaviar  russland
... ist der behandelte Rogen von schlachtreifen, weiblichen Stören aus dem Schwarzen, Asowschen oder Kaspischen Meer. Kaviar kann theoretisch von jedem weiblichen Fisch stammen, dessen Eier nicht giftig sind. Allerdings gilt der Russische Kaviar als der beste Kaviar der Welt und wird zurecht als „schwarzes Gold“ bezeichnet.

In der Ukraine wird der Kaviar auf einen Eissockel angerichtet. Als klassische Beilage werden Sauerrahm und Blinis (das sind kleine Buchweizenpfannkuchen) serviert. In anderen Regionen sind gebutterter Toast, gebackene Kartoffeln oder ganz kleine Kartoffelpuffer mit Creme Fraiche üblich.

In jedem Fall aber sollte die Beilage über keinen starken Eigengeschmack verfügen, wie zum Beispiel Zitronen oder Zwiebel. Sie überdecken den feinen Geschmack des Kaviars und das kann kaum Sinn der Sache sein.

Als passendes Getränk gibt es einen trockenen Weißwein und natürlich reichlich Wodka. Wer mag, bekommt ebenso Champagner oder Krimskoje gereicht.

Außer dem hohen Genußwert hat Kaviar noch andere wertvolle Eigenschaften. Kaviar ist sehr reich an Eiweiß (25 bis 30 Prozent), essentiellen Aminosäuren, Mineralien und Vitaminen ... allerdings auch etwas Fetthaltig (16 Prozent). Darüber hinaus hat es einen hohen Gehalt an Cholesterin. Doch wer ißt schon Kaviar mit dem Suppenlöffel?

Apropos: Um Kaviar zu genießen, benötigt man spezielles Kaviarbesteck aus Perlmut, Horn, Holz oder gar Gold. Auf keinen Fall sollte Kaviar mit Silber oder Edelstahl in Berührung kommen. Silber oxidiert und gibt dem Kaviar einen fischigen Geschmack.

Lasst uns anstoßen ... auf ein langes Leben!
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Comeback in Kiew

2006/08/03
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Es ist gerade einmal zwei Jahre her, da hat der jetzige ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko den prorussischen Politiker Viktor Janukowitsch mit der „Orangenen Revolution“ aus dem Amt gejagt. Nun, gut vier Monate nach der Parlamentswahl will Viktor Juschtschenko seinen „ehemaligen“ Rivalen zum neuen Regierungschef ernennen. Juschtschenko sagte in der Nacht zum Donnerstag nach einem Treffen mit Janukowitsch, dieser habe zugesagt, eine Erklärung zu unterzeichnen, die die prowestliche Reformpolitik des Präsidenten festschreibe. Dennoch steht die Anbindung an den Westen auf dem Spiel.

Der Ankündigung Juschtschenkos waren monatelange Verhandlungen über die Bildung einer neuen Regierung vorangegangen. Um Mitternacht lief eine von der Verfassung gesetzte Frist ab, innerhalb derer der Präsident darüber entscheiden musste, Janukowitsch als Ministerpräsident zu akzeptieren oder das Parlament aufzulösen. Er sei sich bewusst, dass seine Entscheidung für einige Ukrainer nicht hinnehmbar sei, sagte Juschtschenko.

„Aber ich denke, dass dies der Augenblick ist, die Ukraine zu einen“, erklärte der Präsident mit Blick auf die Spaltung des Landes zwischen dem nach Russland orientierten Osten und den westlichen Teilen, die in der „Orangenen Revolution“ offen zu Tage getreten war. „Wir haben eine gute Chance, dem politischen Krieg zu entkommen und uns wieder dem politischen Wettbewerb zuzuwenden.“ Janukowitsch war Juschtschenkos Gegner bei der später wegen Manipulationen aufgehobenen Präsidentenwahl 2004. Die Wiederholung der Wahl gewann der von der „Orangenen Revolution“ getragene Juschtschenko.

Nach stundenlangen Krisengesprächen, in denen Juschtschenko von seinem langjährigen Rivalen Garantien für die Fortsetzung des nach der Orangenen Revolution eingeschlagenen prowestlichen Kurses erwirken wollte, soll nun ein Abkommen mit Janukowitschs Partei der Regionen unterzeichnet werden, das die wichtigsten Linien der Innen- und Außenpolitik festlegt.

Bei den Wahlen am 26. März hatte keine Partei die absolute Mehrheit erringen können. Janukowitsch war von der prorussischen Mehrheitskoalition aus Sozialisten und Kommunisten im Parlament für das Amt des Regierungschefs nominiert worden. Bei der Parlamentswahl im März gewann seine Partei die meisten Sitze und vereint im Parlament rund 240 von insgesamt 450 Abgeordneten, davon stellt die Partei der Regionen 186 Mandate.

Besonders Juschtschenkos Verbündete aus den Tagen der Orangenen Revolution, Julia Timoschenko, hatte sich vehement gegen eine Rückkehr Janukowitschs an die Macht ausgesprochen und stattdessen für eine Auflösung des Parlaments votiert. Juschtschenko äusserte sich zunächst nicht dazu, ob seine Partei sich an der Regierung beteiligen werde. Das Parlament habe nun die Möglichkeit, stabil fünf Jahre lang zu arbeiten, sagte der Präsident.

Mein Kommentar:

Herzlichen Glückwunsch Rinat Achmetow!
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Muss ich nicht kommentieren ... oder? :-))
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Foto (2) Gewitter in Kiew

2006/06/23
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Weil es so schön nass war, noch ein Foto.

Kiew hat nach offiziellen Angaben etwa 3 Millionen Einwohner. Hinter vorgehaltener Hand spricht man von bis zu 5 Millionen Einwohner. Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte.
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Foto (1) Gewitter in Kiew

2006/06/23
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Am Dienstag (20.06.2006) gabe es in Kiew ein örtliches Gewitter von 20 bis 30 Minuten Länge. Die Fotos haben mir Freunde aus Kiew geschickt und man kann das Ergebnis des Unwetters nachvollziehen. Eine kleine Sturmflut. Den Regen könnten die steppenartigen Gebiete im tiefen Osten der Ukraine (z.B. die Region um die Industriestadt Donetzk) weitaus besser gebrauchen. Aber das sagen sich die Kamele in der Sahara auch ...
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Die letzten drei Minuten!

2006/06/16
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Als ich vor etwa drei Wochen loszog, war mein erstes Ziel Berlin (Internationale Luftfahrtausstellung). Von dort bin ich über Warschau nach Kiew gefahren. War mit dem Auto bis Dnjepropetrovsk und schließlich alles wieder zurück nach München. Summa sumsarum an die 5000 Kilometer.

Nun ist die ukrainische Verkehrspolizei berühmt dafür, rasante Fahrer, ausländische Fahrer und die Kombination aus beiden Varianten regelmäßig aus dem Verkehr zu ziehen. Um abzukassieren – versteht sich. Dabei meine ich das in diesem Fall wortwörtlich. Die Verkehrspolizei in der Ukraine lässt sich gerne schmieren.

Ich kann es bis zum heutigen Tag nicht fassen: In der ganzen Zeit hat mich kein ukrainischer Polizist behelligt und das lag ganz sicher nicht an meiner „besonnenen“ Fahrweise. Denn Auto fahren in Kiew bedeutet Straßenkampf und selbst auf den Überlandstrecken kann es sehr robust zugehen. Wer zuerst bremst – der verliert.

Warum erzähle ich das? Gestern Abend, praktisch 3 Minuten von zu Hause weg, bremst mich die deutsche Polizei aus. Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte ... sie wissen warum wir sie angehalten haben? Ja ... 40 Euro Bußgeld und 1 Punkt in Flensburg. Willkommen zu Hause!
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In der Nacht sind alle Katzen grau

2006/05/25
| Comments: 8
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Ich bin mal wieder – gegen jede Vernunft – mit dem eigenen Auto in Kiew. Es gibt gute Gründe die gegen eine Autofahrt nach Kiew sprechen. Der Weg ist lang (von München nach Kiew sind es etwa 1850 Kilometer) und die Straßen in der Ukraine alles andere als eine Einladung. Nur wenige Teilstücke bis Kiew sind als Autobahn (im Sinne von 4 Spuren) ausgebaut. Aber ein echtes Problem sind die zum Teil total kaputten Straßen. So viele Ersatzreifen kann man gar nicht mitführen, wie man es verfehlt, kapitale Schlaglöcher zu umgehen.

Nur einmal „Rumpel“, „Donner“, „Krach“ und ein erster Reifenwechsel ist fällig. Glück, wenn wenigstens die Felge nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. Alufelgen in der Ukraine ... schön aber echt schade drum. Ja nun und weiter? Nix weiter, lediglich würde ich mal folgende Frage aufwerfen: Wer von uns hat eigentlich einen zweiten Ersatzreifen an Bord? Das Problem hatte ich nämlich mal vor zwei Jahren, als ich Nachts die Karparten überwinden wollte. Nach dem Winter sah die Straße aus wie nach einem Bombenangriff. Schlaglöcher ohne Ende! Erster Reifenwechsel ... mit viel Fluchen ... überstanden. Aber als ich mir dann kurze Zeit später beide Vorderreifen aufgerissen und die Felgen total verbogen hatte ... konnte ich erahnen, was Einsamkeit für ein großes Wort ist. Nun gut, zurück in die Gegenwart – denn schließlich habe ich auch diese besagte Fahrt überlebt.

Bei Nacht in der Ukraine kann so eine Fahrt zum russischen Roulett werden. Es ist einfach dunkel, nein falsch ... es ist schwarz. Einfach nur Pechschwarz. Nur das eigene Licht steht zur Verfügung. Aber keine weißen Begrenzungsstreifen oder Mittelstreifen reflektieren das Licht. Als Westeuropäer ist man da anderes gewohnt und so ist doppelte Konzentration von Nöten, um nicht in Schlaglöcher zu fahren oder abseits der eigentlichen Straße zu landen.

Einen besonderen Kick hatte ich auch auf dieser Fahrt. Ich düse mit etwa 120 Sachen durch die schwarze Nacht in Richtung Kiew. Von einer Sekunde auf der anderen macht sich auf meiner Spur ein Hauch von Umriss bemerkbar. Im letzten Augenblick kann ich die Spur wechseln und rausche an einen Lastwagen ohne Rückbeleuchtung vorbei. Sagen wir mal so: In diesen Sekunden ist Bungee-Jumping ein vergleichsweise bescheidener Kick.
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Kiew Live: Die Partnervermittlung

2006/05/16
| Comments: 1
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Die schönsten Geschichten schreibt das wahre Leben, hier erzählt von Anna Kanikowska aus Kiew. Dazu sollten Sie noch folgendes wissen: zum Zeitpunkt dieser Erzählung wurde das ukrainische Volk lediglich durch drei Frauen im Parlament vertreten.

Um den Reiz der Geschichte zu erhalten habe ich die Erzählung von Anna sehr wörtlich niedergeschrieben.

Eines Tages rief mich eine mir unbekannte Frau an. Sie wollte mich treffen, weil sie unbedingt und so schnell wie möglich heiraten wollte. Ich fragte nach ihrem Alter und mit der Antwort war mir sofort klar: das gibt nur Kopfschmerzen – die Frau war schon 51 Jahre alt. Sie schloss das Telefonat mit den Worten: „In 40 Minuten holt Sie mein Fahrer ab!“

Nach 40 Minuten verließ ich meine Wohnung und unten an der Haustür empfing mich wirklich der Fahrer. Mit kühler Höflichkeit vergewisserte er sich, dass ich auch wirklich diejenige war, die es abzuholen galt.

Nachdem das geklärt war, öffnete er mir die Tür und ich durfte auf der Rückbank eines schicken, teuren Autos Platz nehmen. Meine Nachbarn verfolgten die Szene mit großen Augen und der ihnen natürlichen Neugierde. Das war mir im Augenblick nicht bewusst, vielmehr hatte ich die Hoffnung mit dieser Aktion etwas Geld zu verdienen. Wer ein solches Auto fährt, konnte einfach nicht arm sein!

Schweigend fuhren wir ins Zentrum der Stadt. Ich versuchte mir die Frau irgendwie vorzustellen, das Telefongespräch gab aber zu wenig Informationen her. Ich dache an die Ex-Frau eines neureichen Russen oder an eine alternde, kalte Business-Lady. Das Auto hielt an, der Fahrer öffnete mir die Tür. Ich war mehr als überrascht, wir standen vor dem Bürogebäude unserer Abgeordneten der Verhovna Rada (das ukrainische Parlament). Ich trat in das Gebäude ein, musste mein Handy ausschalten und das Akku beim Pförtner hinterlegen. Der Fahrer und ich gingen weiter und wir begegneten sehr vielen Politikern, die man sonst nur vom Fernseher kennt. Ich war sehr gespannt, denn im ukrainischen Parlament gib es nicht sehr viele Frauen. Wer wird also meine Klientin?

Der Fahrer brachte mich bis zur Tür der Abgeordneten. Ich trat in das Büro – dort sah ich viele Leute, aber meine potenzielle Klientin erkannte ich sofort. Eine in der Ukraine äußerst bekannte Politikerin! Sie kam zur Tür gelaufen und deutete mit erschrockenen Augen, das ich im Moment schweigen sollte. Natürlich verstand ich als Frau ihre Situation, aber in diesem Moment fühlte ich mich alles andere als wohl, und das Spielchen begann mich zu nerven.

Sie empfing mich mit den Worten: Guten Tag, sind sie Anna? Haben sie alle Dokumente mit? Ich habe nur gehorsam ja gesagt, und schweigend gingen wir in ihr persönliches Büro. Sie verschloss die Tür und schaltete das Telefon aus. Oh mein Gott, dachte ich - der KGB schläft nie.

Wir setzten uns und sie begann sofort zu sprechen. Eigentlich führte sie einen Monolog, denn ich hatte keine Möglichkeit ein Wort zu sagen. Sicher die Gewohnheit eine Rede zu halten oder einfach nur Arroganz. Sie erklärte mir Ihre Ansprüche: der neue Mann an Ihrer Seite darf nicht älter als 55 sein, nicht kleiner als 1,85 Meter, sportlich, Nichtraucher, kein Alkohol, ohne Kinder, mit Hochausbildung, mit eigenem Kapital, und ein Haus im Süden. Wäre nicht schlecht, wenn er selbst Politiker wäre. Nachdem sie ihre Rede endlich beendet hatte, habe ich nur einen Satz gesagt: „Wenn ich so einen Mann finde, würde ich ihn selbst nehmen.“ In diesem Moment wusste sie nicht, ob sie lachen sollte, oder ob ich das ernst meine. Mir war das selbst nicht klar. Aber bekanntlich findet sich in jedem Witz viel Wahrheit wieder.

Um die Situation nicht abgleiten zu lassen fragte ich nach: „Welche Fremdsprache beherrschen sie?“ Antwort: „Keine“. „Können Sie mit dem Computer umgehen?“ Antwort: „Wozu, ich habe zwei Sekretärinnen.“ „Haben Sie das Wort Internet gehört?“ Antwort: „Ja, ein paar mal von meinem Sohn.“ „Können Sie gut kochen oder backen?“ Antwort: „Das mache ich schon seit 10 Jahren nicht mehr, dafür habe ich Personal und das war für mich nie von Interesse.“ „Haben Sie schöne Fotos, möglichst privat gehalten?“ Antwort: „Alles muss diskret und ohne Fotos laufen.“ Gedankenpause. Ich sah auf die Bilder im Büro und dachte nach.

Dann begann mein Monolog. „Sie haben keine Fremdsprache, wie werden sie mit ihrem Mann sprechen? Sie kennen keinen Computer, aber in ihren Briefen werden sie schreiben, dass sie Top-Managerin sind, das kann kein Mensch im Westen verstehen. Sie haben keine Lust zu Hause zu kochen, von solchen Frauen gibt es in Deutschland mehr als genug. In der Ukraine sind sie Spitzenpolitikerin, aber für einen ausländischen Mann sind sie in seiner Heimat nichts. Außerdem möchte der Mann eine Frau an seiner Seite und keine Politikerin.“

Schweigen. Die Frau Abgeordnete schaute auf mich herab. In Ihren Augen war ich ein Niemand. Sie konnte es sichtlich nicht ertragen was ich gesagt habe, vermutlich konnte die Kritik der Opposition im ukrainischen Parlament kaum härter ausfallen. Schließlich brach sie die erneute Stille: „Möchten sie also nicht für mich arbeiten?“ Ich entgegnete ihr: „Wenn sie ihre Ansprüche auf ein normales Maß reduzieren, dann bin ich bereit.“ Pause. Schweigend wies sie mir die Tür. Genauso schweigend verließ ich das Büro. Nach Hause bin ich mit der U-Bahn gefahren.

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Foto: Anna Kanikowska, Kiew
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Foto-Impressionen: Fussball

2006/05/16
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Das "Respublikanskij Stadion" in Kiew. Die Aufnahmen habe ich vor zwei oder drei Jahren gemacht. Das Polizeiaufgebot hat sich etwa eine Stunde vor Spielbeginn formiert. Gespielt haben Kiew gegen Donetzk ... ungefähr die gleiche Spannung wie bei Niederlande gegen Deutschland. Aber die Fan´s vor dem Stadion (letztes Foto) sehen das (noch) gelassen.

Mal sehen, welches Aufgebot an Sicherheit uns die kommende Weltmeisterschaft zu bieten hat. Wenn es nach einigen "christsozialen" Politikern gehen würde, gingen vermutlich Leopard-Panzer und entsprechende Haubitzen vor deutschen Stadien in Stellung. Bundeswehr hin oder her, auch so dürfte es an grün uniformierten Einsatzkräften sicher nicht mangeln. So ist das zu Gast bei Freunden.

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Foto-Impressionen: Ukraine

2006/05/16
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Diese Aufnahmen habe ich auf dem Rückweg von Kiew nach München gemacht. Eine Strecke - Haustür zu Haustür - von rund 1.850 Kilometer. Im westukrainischen Städtchen "Dobno" - 400 km von Kiew - habe ich Pause eingelegt, um einen Spaziergang mit der Kamera zu unternehmen. Außerhalb der kleinen Stadt befindet sich eine recht große Kaserne mit Militärflughafen. Ansonsten ist die Umgebung landwirtschaftlich geprägt. Bis zur ungarischen Grenze sind es von hier weitere 400 Kilometer.

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Bauer in der Ukraine

2006/05/15
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Ich sehe ein Bild von glücklichen Schweinen: Gut ernährt grunzen sie zufrieden und bewegen sich in freudiger Erwartung auf die Futtertröge zu. Nachdem sie ihre Mahlzeit eingenommen haben, bewegen sie sich träge zurück in ihre Stallungen, wo sie sich in ihrer übersatten Seeligkeit strecken.

Ist es nicht ein bisschen kalt für sie?“ Als Stadtmensch glaube ich, das Schweine im Winter in Ziegelsteinhäuser leben müssten und nicht in Holzhütten auf dem Feld. „Nein, es geht ihnen hier sehr gut“, sagt der Bauer lachend. „Wir ziehen die Schwein nach den gleichen Methoden wie im Westen groß.“

Der Bauer, Leonid Mikhailov, hält im Moment rund 60 Schweine. Er hatte bis vor kurzem mehr als 200 Schweine. Aber, als ihm ein guter Preis angeboten wurde, verkaufte er sie. "Ich habe fast geweint als sie aufgeladen wurden. Aber es war ein sehr gutes Geschäft, verstehen Sie? Ich habe ein wirklich gutes Geschäft gemacht.“

Geschäft ist das Schlagwort. Auch in der Ukraine hat sich der Gedanke entwickelt, das ein laufendes Geschäft gewinnbringend sein sollte. Im Gegensatz zu alten Sowjetzeiten müssen Bauern heutzutage nicht auf Kommandos von der landwirtschaftlichen Obrigkeit warten, was zu tun ist und wann es zu tun ist. Auch müssen die Bauern nicht mehr erklären, wie viele Tiere sie halten oder wie viele sie verkaufen.

Die Bauern wissen heute sehr genau, aus welcher Richtung der Wind weht. Sie beobachten laufend den Markt und geben ihr bestes um gewinnbringende Geschäfte zu machen. Die Rentabilität ist wichtig für beide Seiten: Für den Bauer und für den Verbraucher. Aber freie Bauern sind ein Fluch für die Bürokraten.

Mikhailovs Bauernhof umfasst etwa 20 Hektar Land. Es befindet sich in der Nähe des Dorfes Yalynovka, rund 40 Kilometern von der Stadt Zhytomir entfernt, wo Mikhailov eine Wohnung hat. Es gibt nur wenig landwirtschaftliche Nutzfläche im Zhytomir Oblast, welches den freien Bauern angeboten wird. Was an Land angeboten wird, liegt abseits und ist wenig fruchtbar. Mikhailov kämpfte zwei Jahre um das Recht, ein Stück Land bebauen zu können. Nach langen Kampf vor Gericht überwand Mikhailov den Widerwillen der Zhytomir-Obrigkeit, ihm den Status eines privaten Bauern zu geben. Aber als Rache über seinen Sieg bekam Mikhailov einfach nur ein Stück Moor. Mikhailovs Glück.

Man fühlt, Mikhailov ist eine bemerkenswerte Person, vor allem, wenn ich neben ihm stehe und davon erfahre, was er sonst noch im Leben macht. Ein vorzüglicher Athlet (er nahm an Ruderwettbewerben teil), ein guter Saxophonist, ein ausgezeichneter Fotograf; ein Amateurhistoriker, ein studierter Agraringeneur und vieles mehr. Einige Leute glauben, er ist „zu laut, zu selbstsicher, zu aggressiv", andere lieben ihn gerade deshalb „so klug, so innovativ, so tapfer.“ Ich selbst empfand Mikhailov als ein Hoffnungsstrahl in der dunklen Welt des ukrainischen Ackerbaus.

Der Weg zu privatem Ackerbau

Mikhailovs Weg zum privaten Ackerbau ist sowohl typisch als auch bemerkenswert. Das Verbot privater Landwirtschaft wurde in der Ukraine 1991 aufgehoben. Die progressivsten Anhänger einer Marktreform in der Landwirtschaft erkannten schnell, das die Kolchosen dem Tode geweiht waren. Sie waren auch die ersten, die den Schritt in die private Landwirtschaft wagten. Dafür benötigten die „neuen privaten Bauern“ Land. Die Mächtigen der Kolchosen überließen den „Privaten“ allerdings nur das „Reserveland“. Zumeist sandig und verödet. Aber selbst um dieses Land mussten die Bauern erst kämpfen und alle rechtlichen Mittel ausschöpfen. Denn die Apparatschiks und Betonköpfe der Kolchosen leisteten lange erbitterten Widerstand. Auch ihnen war von Anfang an klar, das eine private Landwirtschaft die Kolchosen in Frage stellen würde.

Ein vereinigter bürokratische Konterschlag zerstörte ohnehin die Illusionen der meisten Anträge für private Landwirtschaft. Privater Ackerbau schien in der Ukraine völlig chancenlos, ja geradezu zum Scheitern verurteilt. Wie kann man mit wenige Kapital, schrottreifen Maschinen, unerträglicher Rechtsunsicherheit, hunderten von beschränkenden Vorschriften und offener Feindseligkeit ein Geschäft aufbauen?

Der ersten Welle von Privatbauern gelang es, Darlehen von staatlichen Landmaschinenherstellern zu bekommen. Die galoppierende Inflation half ihnen dabei, diese Darlehen zurück zu bezahlen. Aber die Inflation war es auch, die eine weitere Gründungswelle verhinderte. Explodierende Preise machten den Kauf von Traktoren, Maschinen oder Saatgut völlig unmöglich.

Trotz all dieser Nachteile zeigten die private Bauernhöfe von Anfang an, dass das Kolchosensystem eine landwirtschaftliche Sackgasse war. Sogar der schlechtere Boden hinderte die privaten Bauern nicht daran, im Vergleich zu den Kolchosen die besseren Erträge einzufahren. Das führte sogar zum massiven Angriff gegen die privaten Bauern. Die Presse machte mit und griff private Bauern mit der Behauptung an, sie würden Maschinen der Kolchosen sabotieren. Es gab Fälle, das Kolchosenbauern die Ernten der privaten Bauern „enteigneten“ um die eigenen Ernteerträge aufzubessern. Einiger private Bauern starben bei der Verteidigung ihrer Bauernhöfe. Schlussendlich durften private Bauern sogar legal Schusswaffen erwerben um sich verteidigen zu können. Dabei hat die Ukraine strikte Gesetze gegen den Besitz von Schusswaffen.

Dennoch waren viele Bauern zum Waffeneinsatz nicht bereit. Ein Bauer, dem der Kuhstall böswillig abgefackelt wurde, erzählte, das er nicht auf alle Mitbewohner schießen könnte, die er für die Brandstiftung verantwortlich macht. Der eigentliche Täter wurde niemals gefunden, nur die Fackel, die benutzt wurde um das Feuer zu legen.

Langsames Tempo

Nach den ersten Gesetzen zur Privatisierung der Landwirtschaft hat der Staat die Bauern schnell vergessen. Offenbar hoffte die Regierung in Kiew auf ein Wunder und alle Dinge regelten sich von selbst. Viele Stimmen in der Ukraine warnten vor einer drohenden Misere in der Landwirtschaft. Viele private Bauern gingen bankrott. Zu hohe Steuern und ein mangelhafte Bereitschaft zur Finanzierung. Welcher Bauer kann schon Sicherheiten vorweisen, außer seinen maroden Maschinen?

Die Verkhovna Rada (das ukrainische Parlament) hat es versäumt, eine ordentliche Landreform zu verabschieden. Denn nur dann, wen die Bauern auch Eigentümer des Landes sind, besteht die Aussicht auf eine langfristige Finanzierung. Was die Ukraine bisher hat, ist nur ein präsidialer Erlass aus dem Dezember 1999.

Trotzdem sind Beobachter der Meinung, das dieser Erlass einen positiven Beitrag zur Entwicklung der privaten Landwirtschaft gebracht hat. Über 1.300 neue private Bauernhöfe sind seitdem entstanden. Aber es ist nicht genug um die ganze Ukraine zu versorgen. Die privaten Bauern liefern nur 7% der gesamten Nahrungsmittelproduktion in der Ukraine. Aber fast 60% der Nahrungsmittel erzeugen die privaten Haushalte auf dem Lande. Jede Familie bestellt ihr eigenes kleines Feld. Und fast keine Dacha ohne ein Kartoffel- und Gemüseanbau. Die meisten Lebensmittel werden für den eigenen Bedarf angebaut. Die Überschüsse auf den am nächsten gelegenen Markt angeboten.

Alles in allem halten die private Bauern nur 19% der landwirtschaftlich Nutzfläche in der Ukraine. Die privaten Bauernhöfe sind im Schnitt 50 Hektar groß und 90% der Betriebe arbeiten gewinnbringend. Die erfolgreichsten Bauern sind jene, die Gemüse, zumeist Kartoffeln, anpflanzen. Fleisch wird zumeist von Kleinbauern und Privatleuten erzeugt.

Nach der Wende schienen private Bauernhöfe ein sicherer Weg zu großen Reichtum und Wohlstand zu sein. Die Hoffnung, freie Bauern würden die landwirtschaftlichen Träume der Ukraine erfüllen, scheiterten am Widerstand der alten Seilschaften. Reformen kommen nur im Schneckentempo voran. Symptomatisch für alle Teilen der ukrainischen Gesellschaft. Trotzdem sind die ukrainischen privaten Bauern keine fixe Vorstellung, kein Mythos - sie sind real existent und sie arbeiten.

Leonid Mikhailov, der Bauer am Anfang dieser Reportage, ist beispielhaft für den ukrainischen Ackerbau. Er weiß sein Land richtig zu behandeln. Auf 5 Hektar werden Kartoffeln angebaut und auf der restlichen Fläche wachsen Gräser und andere grüne Kulturen um Humus zu bilden. Wenn das Land genügend Humus aufgebaut hat, wird er anfangen das Land zu nutzen. In der Zwischenzeit bildet Mikhailov Landwirte aus. Dafür schickt er seine „Schüler“ auch ins Ausland - um Erfahrungen zu sammeln und um Geld für die heimischen landwirtschaftlichen Investitionen zu verdienen. Von solchen Leuten wie Mikhailov bräuchte die Ukraine viel, viel mehr.

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Kiew Live: Das Übersetzungsbüro

2006/05/14
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Ein sehr schönes Beispiel dafür, wie man in der Ukraine "RUSSIAN BUSINESS" macht. Erlebt und erzählt von Anna Kanikowska. Um das "Feeling" der Geschichte zu erhalten, haben ich den Text so wörtlich wie möglich niedergeschrieben.

Ich wollte einen Vertrag von Ukrainisch auf Deutsch übersetzen lassen. Dafür hatte ich einen fertigen Text aus einer Anwaltskanzlei bekommen. Alles wollte ich professionell haben – mit den genauen Redewendungen und Fachausdrücken. Deswegen habe ich gedacht, 20 US$ sparen retten mich nicht und ich investiere den Betrag in ein Übersetzungsbüro und bekomme alles fertig. In Kiew gibt es mehr als 40 offiziell registrierte Übersetzungsbüros. In der Nähe meiner Wohnung gibt es zwei Büros aber ich dachte mir besser in die Stadt fahren, wo es sicherlich die besten Büros gibt. So habe ich ein paar Büros auf Krystschatik angerufen, Preise und Geschwindigkeit waren immer dasselbe. So habe ich ein Büro in Nähe der U-Bahn ausgewählt.

Das Geschäft befand sich mit vielen verschiedenen anderen Firmen in einem historischen Gebäude, alles komplett renoviert und sehr repräsentativ. Ich trat in ein schönes Büro mit modernem Möbel. Der Wachdienst hat mich zur Geschäftsleiterin gebracht. Um das Büro der Geschäftsleiterin zu erreichen, musste ich durch den Raum, wo die Übersetzer saßen. Alle grüßten mich sehr freundlich. Von der Geschäftsleiterin bekam ich Kaffe oder Tee angeboten. Wir besprachen die Aufgabe, und ich sah die Arbeit in guten Händen. Ich war sehr beruhigt und hatte Hoffnung. Den Text habe ich im Büro gelassen und am nächsten Tag sollte ich das Ergebnis bekommen.

Am nächsten Tag – alle begrüßten mich wieder sehr freundlich -bekam ich den Text. In einer Spalte war der ukrainische Text und parallel in der anderen Spalte der deutsche Text. Sauberes Layout und Daten auf Diskette - ich musste eigentlich nur noch bezahlen. Das Geld hatte ich schon in der Hand. Aus Interesse habe ich begonnen zu lesen – ich wollte einfach nur wissen, wie die Profis alle Fachausdrücke übersetzen, denn für mich wäre das sehr schwierig gewesen. Ich habe einige Zeilen gelesen und dachte ich spinne. Das war eine ganz einfache Übersetzung mit einer Übersetzungs-Software. Grob, verdreht und für einen Deutschen entweder völlig unverständlich oder einfach zum totlachen.

Ich steckte mein Geld zurück in die Tasche und die Geschäftsleiterin hatte sofort verstanden, dass sich Ärger unter dem Dach anbahnte. Sie rief nach dem Bewacher. Er kam und stellte sich so in die Tür, dass ich den Raum nicht verlassen konnte. Ohne Übergang sagte Sie zu mir, sie rufe jetzt die Polizei an. Die Situation wurde für mich äußerst beängstigend. Instinktiv machte ich zwei Schritte zurück. Ich kann mir vor wie im schlechten Film, gleich würde ich geschlagen werden.

Ich nahm all meinen Mut zusammen und fragte mit sehr ernster Stimme: „Wer hat das gemacht?“ Daraufhin rief die Geschäftsleiterin einen Mitarbeiter ins Büro – er war ebenso wie der Wachmann bestimmt zwei Meter groß und stellte sich neben ihn in die Tür. Mein Mut war wirklich am Ende, aber aus dem Fenster konnte ich auch nicht springen. Ich spielte mit dem Gedanken zu bezahlen und dann schnell wegzulaufen. Vor mir saß die grimmige Geschäftleiterin und hinter mir zwei Gorillas mit versteinerten Gesichtern. Oh mein Gott, das war die Strafe, weil ich die Arbeit nicht selbst gemacht habe. In meiner Verzweifelung habe ich den Übersetzer auf Deutsch angesprochen: „Was soll das alles?“ Er sah mich mit bohrenden, und schließlich unverständlichen Blicken an und es entstand eine Pause. Dann wandte er sich an seine Geschäftsleiterin und sagte mit grober, emotionsloser Stimme: „Lass sie gehen“.

Ich wollte das Büro verlassen, aber der Wachmann ließ mich nicht so einfach raus, ich hatte noch den Text und die Diskette in der Hand. Er riss mir die Unterlagen aus der Hand, ließ mich aus dem Raum gehen und verfolgte mich schweigend bis zur Ausgangstür. Die Freundlichkeit war vorbei und alle schauten mir grimmig nach. Im Kopf hatte ich eine Szene aus einem alten sowjetischen Film, wo Partisanen erschossen wurden. Es hätte mich in diesem Moment nicht gewundert, wenn die Geschäftsleiterin „Feuer“ befehligt hätte. Endlich, die Ausgangstür wurde krachend hinter mir geschlossen, mit hastigen Schritten verließ ich das Treppenhaus – ich war endlich draußen. Die Geschichte hat aber auch eine positive Seite – ich hatte 20 US$ gespart.

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Foto: Anna Kanikowska, Kiew
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Kiew Live: Die Putzfrau

2006/05/14
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Über das Thema Putzfrauen könnte ich hier viel schreiben, denn ich habe 10 Jahre Erfahrung in der Gebäudereiniger-Branche hinter mir. Vielleicht werde ich eines Tages darüber scheiben, aber jetzt habe ich noch nicht die notwendige Distanz dazu.

Reinigungskräfe in deutschen Büros und Geschäften verhalten sich in der Regel leise und unterwürfig. Eigentlich nimmt man sie vielfach nicht war, denn sie reinigen am Abend oder in der Nacht, wo Büromenschen oder Kunden längst zu Hause sind und den Feuerabend genießen.

Anders meine Erfahrungen in Kiew:

Die Putzfrauen dort sind zumeist am Tage zu Werke. Und im Grunde sind es immer ältere Babuschka’s mit oder ohne Kopftuch. Aber ganz sicher mit Kittelschürze, darunter selbstgestrikte dicke Wollpullover nebst gleichartiger Wollsocken, dazu kräftiges Schuhwerk. Im Sommer fehlt eigentlich nur der Wollpullover. Aber gut. In dieser vollen Montur stampfen und schnaufen die dienstleistenden Damen durch die Geschäftsräume.

Bewaffnet mit einen Metalleimer, einen Schrubber und einen Putzlumpen. Im immegleichen Rhythmus wird der schwarzgraue Putzlappen mit Hilfe des Schrubbers über den grauschwarzen Betonboden geschrubbt. Das einstufige Naß-Wisch-Verfahren wird dann unterbrochen, wenn mit großer Kraftanstrengung der Putzlumpen zum ausspülen in den Wassereimer getaucht und wieder rausgezogen wird. Ich weiß, dasss alles interessiert niemanden. Das fällt auch nur mir auf wegen meiner besagten Erfahrung in dieser Branche.

So ergab es sich, das ich in einem Laden für Elektrozubehör zwei neue Sicherung besorgen wollte. Der Laden war voll mit Kunden, die Auswahl an Waren typisch ukrainisch und eine Babuschka war dabei, den grauschwarzen und ziemlich zerklüfteten Betonboden zu wischen. Sie zog oder drückte mit Gewalt „stampf“ und „schnauf“ ihren zerfetzten Scheuerlappen über die Gangflächen. Mit bösartigen Knurren wischte sie um die Leute herum und kann immer näher in meine Richtung. Kurz vor mir kam die Reinigungskraft, wie eine bremsende Lokomotive, zum stehen. Putzlumpen ausspülen war angesagt.

Plötzlich macht es kräftig „platsch“ und zwar genau vor meinen Füßen. Der Zorn stieg mir ins Gesicht, schließlich waren meine Schuhe und ansatzweise meine Hose jetzt echt versaut. Babuschka hat mir ihren Putzlumpen vor die Füße geschmissen. Herausfordernd stand sie nun da und war bereit, den Weg freizukämpfen. Ich sagte soetwas wie „Scheiße“ aber Babuschka drückte mir mit ihren Besen den Lumpen vor die Füße, ganz nach dem Motto: „Weg da, ich will vorbei“. Instinktiv trat ich einen großen Schritt zur Seite und die jetzt besonders eifrige Babuschka drückte ihren Lumpen, wie ein Panzer, an mir vorbei. Etwas verdattert schaute ich der Putzfrau nach, die allen Dreck der Welt vor sich herzuschieben schien: Sieht man mir etwa an, dass ich selbst eine Horde dieser speziellen Spezies „Putzfrau“ beschäftig hatte? Zuvor jedenfalls hat sie um die Leute herumgewischt.

Die Sicherungen, welche ich dann noch mit viel Hand- und Fußsprache (trotz Muster, welches ich mit hatte) gekauft habe waren übrigens kaputt. Alle Beide.

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Kiew Live: Der Besenhändler

2006/05/13
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Schade, dass ich die russische Sprache nicht spreche. Ich denke, dann würde ich pausenlos Anekdoten und Geschichten schreiben. So kann ich eigentlich nur das wiedergeben, was mir Anna, meine Übersetzerin erzählt oder simultan übersetzt.

Hier ist ein Markt noch ein Markt. Eine riesige Halle beherbergt dutzende von Ständen an denen Lebensmittel aller Art angeboten werden. Obst, Gemüse und Fleisch. Einen Stockwerk höher gibt es Kleidung, Spielzeuge oder elektrische Geräte. Stand an Stand. Der eine bietet Schuhe an, daneben gibt es Hosen und Jacken. Einen Stand weiter finden sich Gürtel, Ledertaschen und so weiter. Die unmitelbaren Stände machen sich keine Konkurrenz. Der nächste Schuhstand ist praktisch im anderen Eck der riesigen Markthalle.

Die Händler stammen aus allen Teilen der ehemaligen gesamtsowjetischen Welt. Dazu mischen sich Türken und Aisaten. An einem Verkaufsstand für Haushaltswaren spielte sich folgende Szene ab:

Eine Babuschka, klein, hager und etwas gebeugt wollte sich einen neuen Besen kaufen. Ein Bündel von Reisigbesen stand zu Auswahl, alle irgendwie aus Reisigzweigen zusmmengesetzt und kunstvoll verzurrt. Nun war der Babuschka der eine Besen zu lang, der nächste zu kurz oder nicht ordentlich gebunden. Nach fast 10 Minuten Lyrik um einen neuen Besen entschied sich Babuschka endlich für ein Modell.

Ein Besen, den sie übrigens 8 Minuten zuvor als zu klein erachtet hat. Nun gut - schließlich war die Entscheidung gefallen und die Babuschka holte ein paar Griwnja-Scheine aus Ihren Taschen hervor. Der Verkäufer – in diesem Fall ein echter Ukrainer – nahm mit erstaunlicher Geduld das Geld in Empfang. Ohne mit der Wimper zu zucken frage er Babuschka trocken: „Soll ich ihnen den Besen einpacken oder fliegen sie gleich davon?“

Ich kann euch nur sagen, Babuschka ist nicht davon geflogen. Aber das Gelächter bei den wartenden Leuten war riesengroß. Schimpfend und drohend mit ihrem neuen Besen fuchtelnd stapfte Babuschka von dannen.

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Karriere auf ukrainisch

2006/05/13
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Tanja, 26 Jahre alt, hat Jura studiert und war dabei zu promovieren. Sie stammt aus Donetzk, einer Bergbau- und Industriestadt im südosten der Ukraine. Tanja spricht neben Russisch und Ukrainisch, fließend Französich und Deutsch. Nach einer Ausschreibung des ukrainsichen Außenministeriums wurde Tanja´s Bewerbung mit Handkuss angenommen. Schließlich ist auch ihr Vater ein anerkannter Professor in der Ukraine.

So wurde Tanja ein Anfangsgehalt von 300 Griwnja (so nennt sich die ukrainische Währung) zugesagt. Umgerechnet etwa 50 Euro. Brutto versteht sich ... nach Abzug sämtlicher Abgaben verbleiben rund 200 Griwnja zum Leben. Nach drei Tagen und drei Nächten im fremden Kiew wurde für Tanja eines klar: Die Karriere im Außenministerium hat einen besonderen Preis.

Eine einfach eingerichtete Wohnung, inklusive Kakalaken, kostet im Endbereich der Kiewer U-Bahn monatlich 150 US$. Dazu die täglichen Fahrtkosten. Was für eine Perspektive bei ca. 60 US$ Bruttogehalt. Als Tanja das Problem beim Arbeitgeber ansprach, wurde ihr ein Platz im staatliche Wohnheim angeboten, zum Preis von monatlich 200 Griwnja.

Auf die Tatsache angesprochen, das Gehalt reiche nicht um in Kiew (über)leben zu können, meinte der Vorgesetzte nur: Für die Ukraine arbeiten zu können kann ein Privileg sein.

Heute arbeitet und lebt Tanja in Paris.

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Einmal Kiew und Zurück (1. Kapitel)

2006/05/13
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Der Flughafen München ist morgens um kurz vor 7:00 Uhr noch weitgehend leer. Ich gehe zum Schalter der Swiss Air um einzuchecken. Die Schlange ist kurz (ich bin der einzige) und die Dame der Swiss Air ist freundlich. Mit meinen verbliebenen Handgepäck wandere ich zur Abflughalle. Passkontrolle und anschließend wird mein Handgepäck auf Bomben und ähnliche Scherze mehr untersucht – allerdings ohne Ergebnis (alles andere hätte sicherlich mehr mich als den Bundesgrenzschutz überrascht).

Pünktlich gegen 8:30 Uhr startet die Maschine nach Zürich. Keine Stunde später erreiche ich Zürich und warte auf den Anschlussflug nach Kiew. Ich vertreibe mir die Zeit erst in dem einen oder anderen Duty-Free-Shop. Sonderangebote ohne Ende: z.B. 8 Tafeln Schokolade für nur 15 Schweizer Franken, also rund 18 DM! Oder: eine (allerdings große) Schuhcremedose voll mit Kaviar für gerade einmal 1800 Schweizer Franken. Ich habe aus früheren Reisen Schweizer Franken bei mir. Allerdings habe ich nicht den Eindruck, als würden mir die Franken einen Loch in die Hosentasche brennen, wenn ich sie nicht ausgebe.

Schließlich finde ich eine Ansammlung Internet-Terminals, die von Compaq kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Eine angenehme Art von Werbung – wie ich finde. Fast verpenne ich den Flug und etwas hastiger als geplant mache ich mich auf den Weg zum Abflug-Gate nach Kiew. Wieder wird mein Gepäck mit Röntgenstrahlen bombardiert. Beim Einstieg ins Flugzeug erfolgt eine zusätzliche Passkontrolle durch Mitarbeiter der Swiss Air. Doppelte Kontrolle sozusagen - schließlich wurde mein Visum schon beim einchecken überprüft. Die Fluggesellschaften müssen sicher gehen, ansonsten gibt es mächtigen Ärger, wenn sie einen Fluggast ohne gültiges Visum in die Ukraine einfliegen. Welchen Ärger ich dabei hätte? Ein Kontrollstempel kracht auf mein Ticket, guten Flug!

Ich sitze im Flugzeug zwischen zwei Russen oder Ukrainer. Beide sind typisch osteuropäisch in Jeans und Jeansjacke gekleidet. Eine Dusche hatten die beiden heute bestimmt nicht gesehen. Aber sie essen wie ich – mit Messer und Gabel. Im Flieger sind auffallend viele Deutsche oder zumindest deutschsprachige Passagiere. Aber nicht die feinen Geschäftsleute, nein es sind biedere Typen in zu normalen Klamotten. Ich tippe auf Heiratstourismus, kann das aber nicht abschließend beurteilen. Sehe ich auch so aus? Ich stecke meine Nase in ein Buch und lese.

Nach gut zweieinhalb Stunden Flugzeit landet die Maschine in Kiew, genauer gesagt in Borispol. Während unsere Maschine die Landebahn verlässt und in die Parkposition rollt, kann ich aus dem Fenster (soweit das im Mittelsitz möglich ist) Flugzeuge russischer Bauart beobachten. Mir fallen insbesondere die großen Antonow-Transportflugzeuge auf. Aber auch kleine schnittige Geschäftsflugzeuge stehen startklar auf dem Rollfeld. Die meisten Maschinen gehören osteuropäischen Gesellschaften. Natürlich sind hier auch Flugzeuge der Lufthansa, oder anderer westlicher Fluggesellschaften zu sehen. Kiew hat zwei Flughäfen - Borispol ist der internationale Flughafen der Ukraine. Er wurde mit Krediten der Bankgesellschaft Berlin in den letzen Jahren modernisiert und ausgebaut. Aber der Charme russischer Betonkultur ist weitgehend erhalten geblieben – zumindest von außen betrachtet.

Mit einen Bus westlicher Bauart fahren alle Passagiere aus Zürich vom Rollfeld zu der Empfangshalle des Flughafens. Kaum zu übersehen: Etwas bedrohlich anmutende ukrainischen (Grenz)Polizeiposten. Und: ein große gelb-blaue Tafel baut sich im Eingangsbereich auf. Hier ist in russischer und englischer Sprache irgendetwas von Versicherung zu lesen. Ich lese nur flüchtig und kann nichts interessantes für mich entdecken.

An der Passkontrolle haben sich fünf oder sechs lange Schlangen gebildet. Kurz nach der Maschine aus Zürich ist auch ein Flieger aus Prag hier in Borispol gelandet. Alle Passagiere haben sich hier eingefunden.

Die Menschenschlange bewegt sich nur sehr zäh vorwärts. Mich beschäftigt ein Schalter im hinteren Teil der Halle. Hier werden Versicherungen verkauft. Die Grenzbeamten schicken den einen oder anderen Passagier (in diesem Fall ein Schwarzer) zu dieser Verkaufsstelle zurück, nachdem er schon eine halbe Stunde in der Schlange gestanden hat, muss das doppelt ärgerlich für ihn sein.

Ich frage drei Deutsche (Flugzeugbauer) die mit mir in der Schlange stehen, was es mit dieser Versicherung auf sich hat. Ergebnis: Ausländische Gäste sind verpflichtet, für die Ukraine eine Krankenverscherung abzuschließen. So eine Sauerei! Das wird allerdings nicht grundsätzlich kontrolliert. Die Flugzeugbauer waren schon 6 Mal in der Ukraine und bisher mussten sie nur einmal diese Krankenversicherung kaufen – für 20 US$ - versteht sich.

Ich beschließe es ihnen gleich zu tun und ich kaufe vorerst keine Krankenversicherung. Das ich in Deutschland ohnehin privat versichert bin, wird man hier wohl ohne großes Interesse zur Kenntnis nehmen. Für den nächsten Flug nehme ich eine Kopie meiner Versicherungspolice mit – Papier beeindruckt, gerade im Osten Europas!

Endlich komme ich an die Reihe. Der Grenzbeamte ist garantiert jünger als ich. Wortlos und ohne eine Mine zu verziehen nimmt er meinen Pass entgegen. Er tippt etwas in den Computer und knallt dann einen roten Stempel – völlig herzlos - genau auf mein schönes Visum. Ich kann gehen – ich bin drin. Obwohl, noch nicht ganz!

Die Zollkontrolle steht mir noch bevor. Ich lese ein Schild in englischer Sprache: Wenn ich keine Waffen, keine Drogen, keine nuklearen oder hochfrequenten Dinge bei mir trage (das ist nur ein Auszug aus der Liste) kann ich durch den grünen Zollbereich gehen.

Im Gepäck habe ich jede Menge Hard- und Software, die sind weder nuklear belastet noch strahlen sie im Hochfrequenzbereich. Dennoch stelle ich mich im roten Zollbereich an, ich habe keine Lust auf Grün zu setzen und in Erklärungsnöte zu geraten. Dann sollen die Grenzer lieber gleich ihre Nasen in meinen Koffer stecken. Im Notfall muss ich den ganzen Schrott deklarieren und wieder mit nach Deutschland ausführen. Außerdem: die Schlange im grünen Bereich ist viel, viel länger.

Vor mit hat ein Mann ein halbes Auto zerlegt und in Kisten und Koffern verpackt, so hat es zumindest den Anschein, denn Ich kann Scheinwerfer, Motorteile und sogar zwei Autoreifen sehen. Die Zöllner zerlegen die Kisten und begutachten die Teile – in aller Ruhe. Zwischenzeitlich löst sich die Schlange im grünen Bereich langsam auf. Typisch!

Nun bin ich an der Reihe, aber bevor ich den Mund auch nur aufmachen kann verweist mich der Zöllner zur Schlange im grünen Bereich. Murphys Gesetze gehen mir durch den Kopf. Ich wandere zum grünen Zollbereich. Dort muss ich nicht mehr lange warten, die Schlange war ja fast abgefertigt.

Der Zöllner fragt mich in grausam schlechten Englisch: how much money? Ich antworte in Englisch zurück: I think 1000 US$. Daraufhin der Zöllner: and creditcards? Ja natürlich, zwei Stück. Der Zöllner: what the limit? Der Sinn seiner Frage befremdet mich etwas, aber ja natürlich das Limit meiner Kreditkarten. Ich kann mir ein grinsen nicht verkneifen und antworte wahrheitsgemäß 5000 US$ je Kreditkarte. Der Zöllner grinst zurück und entlässt mich – fast freundlich – aus der Zollkontrolle. Nun bin ich wirklich in der Ukraine.

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