Über das Seelenleben einer Pellkartoffel (10)
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Gestern lief im Fernsehen mal wieder "The Crow". Tut sie ja ab und zu, aber doch nicht so oft, wie beispielsweise der erste "God's Army"-Film, den ich inzwischen bestimmt schon...wenn nicht noch öfter gesehen habe. Und obwohl ich "The Crow" (ich hab schliesslich einen Ruf zu verteidigen) auf Video oder DVD habe (keine Ahnung...), sehe ich mir den JEDESMAL an, wenn er im Fernsehen kommt. Nicht wegen Brandon Lee übrigens. Ich steh eher auf Michael Wincott als Top Dollar...*schmacht* . Und ich liebe diesen Film. Und auch den zweiten Teil, muss ich zugeben...der ist so schön kitschig...
Naja. Ich kann mir, was Filme angeht, überhaupt kein Urteil erlauben. War dieser Film nun ein guter, anspruchsvoller Film? Oder eher mittelprächtig. Oder fürchterlich? Hm? Kitsch? Blöd?
Ich denke, gut ist relativ. Es gibt Leute, die halten den Herrn der Ringe in all seiner filmischen Pracht für schlechtes Kino. Und es gibt andere, die lieben ihn abgöttisch. Und dann gibts natürlich noch die, die ihn nie gesehen haben. Ich wäre, wenn Jackson den Stoff versaut hätte, unter die Briefbombenbastler gegangen. Ich liebe das Buch. Und es gibt schon genug schlechte Romanverfilmungen. Aber Mister Jackson hat von mir nichts zu befürchten. Nur King Kong werd ich mir nicht ansehen. Ich habe diesen Film mit Fay Wray (hiess die so?) gesehen. Ich brauch keine Neuverfilmung.
Es gibt auch Leute, die fanden "Dawn Of The Dead" toll. Hm. Mir war es peinlich, als ich aus dem Kino kam. Ich...und die anderen fünf Leute. Aber ich werde tapfer in "Land Of The Dead" gehen. Jawohl. Komme da, was wolle. (Hab ich auch inzwischen gesehen. Naja...der Mensch ist also so menschlich, dass er die Zombies ziehen lässt, weil sie ja auch nur einen Platz zum Leben suchen? Ach ja...und die halten jetzt auch immer Diät oder was? Und kann mir bitte mal einer erklären, nach welchen Kriterien die Zombies nun eigentlich entschieden haben, wen sie nur beissen und "verzombien"...und wen sie auffressen???)
Es gibt auch Leute, für die ist "Matrix" das NON PLUS ULTRA. Nur die filmische Androhung der Rückkehr von Neo entlockte mir am Ende des letzten Teils ein "Och nö, bitte nich!". Im vollbesetzten Kinosaal. Schäm.
Naja. Horrorfilme sind auch so eine Sache. Ich gehöre, und ich glaube, ich hab das auch schon mal erwähnt, zur schlimmsten Sorte von Horrorfilm-Ansehern. Ich bin dafür, dass man im Kino Kissen verkauft. Zum Dahinter-Verstecken. Wär doch eine gute Idee. Man könnte ein Bild vom Film drauf drucken. Und den Namen des Kinos. Ich hätte von jedem noch so schlechten Film der Kategorie "Blutig" so ein Kissen zuhause. Den Kinobesuch freilich vorausgesetzt. Die müssten auch nicht gross sein, diese Kissen. Nur eben gross genug, damit sich solche blutgierigen Memmen wie meinereine dahinter verstecken können.
Ich will aber den Film auch immer sehen. Doch, im Ernst. Ich zwinge Leute, mit mir dahin zu gehen. Anders geht es ja auch nicht, denn einer muss mir ja die Szenen erzählen, die ich mit zugehaltenen Ohren und fest geschlossenen Augen verpasse. Sonst weiss ich doch gar nicht, worum es geht.
Der untote Filmbösewicht, unschwer zu erkennen am Aussehen, demzufolge er sein Verfallsdatum schon lange überschritten hat, schwingt unter viel Gezisch, Gekrächz und Gesabber...reden oder so richtig schreien kann er mit den verrotteten Stimmbändern ja nicht mehr, eine Axt und versenkt sie dann in - keine Ahnung. Ich höre und sehe ja nichts. Ich mag solche Szenen nicht. Ich schau nicht hin. Statt dessen beginne ich unmittelbar nach dem Augenblick, da ich mich audiovisuell (Danke, S., für das schöne Wort) ausklinke, mit einer, alle in Hörweite sitzenden und nicht mit mir befreundeten oder bekannten Kinogäste absolut nervenden, hochnotpeinlichen Befragung zum aktuellen Geschehen auf der Leinwand.
Das hört sich in etwa so an... und ich mache darauf aufmerksam, dass es sich hier NICHT um einen Kinobesuch mit La K. handelt. Es könnte La K. natürlich anwesend sein, doch in dem Falle sitzt sie eben kerzengerade mit aufgesperrtem Mäulchen (du hättest die Nachos ruhig vorher runterschlucken können, aber ach, es ist ja dunkel und ich hab sowieso die Augen zu) und untertassengross aufgerissenen Äuglein regungslos in ihrem Sessel und...keine Ahnung, sie ist jedenfalls ruhig. Im Gegensatz zu mir:
"Oh mein Gott! Oh mein Gott! Oh Gott! Renn weg! Renn doch weg! Neiiiiin, nicht stehenbleiben....da! Da...da ist er...oh mein GOTT!!!"
An dieser Stelle wickle ich mir die Jacke, um den Kopf, verkriech mich hinter dem Popcornbecher oder versuche, meinem Nachbarn auf den Schoss und unter seinen Pullover zu klettern. (So der Betreffende ein Bekannter ist...obwohl das natürlich auch eine interessante Art der Anmache wäre...) Die nächsten Worte sind daher etwas gedämpft: "Und? UND? Hat er sie umgebracht? Ist sie tot? Ich kann da gar nicht hinsehen....hat er???? Wie?"
Die mir bekannten oder auch nur mir freundlich gesinnten Kineasten in meiner Umgebung versuchen nun, einerseits dem Film zu folgen und mir andererseits auch zu erzählen, was sich gerade abgespielt hat. Da ich immer noch nicht wieder auf die Leinwand schaue...oder höchstens nur gaaaanz kurz, geraten sie infolge der sich entwickelnden Handlung, so der Film eine aufzuweisen hat, die über mehrstündiges Gemetzel hinausgeht, in Schwierigkeiten, weil sie besagter Handlung nicht so recht folgen können.
"Wie, er hat ihr den Kopf gespalten? Durchs Gesicht? Hat man das Gehirn gesehen? Sind die Augen rausgefallen? Viel Blut??? Igitt! Wie eklig....und was geschieht jetzt???"
Das weiss dann so richtig keiner mehr...
Ich finde auch, man sollte für schwer verständliche Filme ein Programm schreiben, etwa wie bei italienischen Opern. Oder bei Ballett. Da wird Akt für Akt erklärt, was da gerade geschieht. Würde man die Handlung bei Filmen zum besseren Verständnis genau wiedergeben, würden manche Filme überhaupt nicht ins Kino kommen, weil man beim Versuch, zu beschreiben, was da eben aus welchem Grund wie geschieht, feststellen würde, dass der ganze Film Schwachsinn hoch viel ist. Sowas kommt ja vor. Ich meine, manche Filme haben weniger Sinn in der Handlung, als ein schlechter Porno (einer Frau, die aus unerfindlichen Gründen ihr Auto mitten auf der Strasse einer nahezu verlassenen Ortschaft halten lässt und die Tür öffnet, damit ihr winziger Hund - Fifi oder Pupu oder wie auch immer die kläffende Ratte heisst- völlig UNERWARTET weglaufen kann, worauf sie mit sichtbarer Verzweiflung auf High Heels um das Auto stöckelt. Dieses winzige Tier kommt keine zehn Meter weit, ohne vor Erschöpfung zusammenzubrechen, aber es braucht vier gestandene Männer, das blöde Vieh einzufangen. Besagte Männer sassen da so rum und werden zum Dank für die Wiederbeschaffung des Wauwaus von Frauchen ins Auto verfrachtet. Und aus diesem dann in Frauchens Bett. Und dann kommt der Ehemann nach Hause. Und alle sind glücklich. Ende.
...und bevor ihr fragt: Ich habe einen jüngeren Bruder, der früher meinen Videorecorder mit benutzt hat. Tja, und nicht jeder Film landete danach wieder in seiner Hülle.)
So...und jetzt weiss ich nicht mehr, wie ich von Horrorfilmen auf Porno-Plots gekommen bin... |
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Comments on 'Über das Seelenleben einer Pellkartoffel (10)'
Refresh
Mit dir würde ich nie in´s Kino gehen, Hilfe... :-)))
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@Plato: Inzwischen warte ich immer, bis der Film auf DVD draussen ist. Dann lade ich La K. ein und verkrieche mich auf meinem kissenbewehrten Sofa unter meiner Ikea-Häkeldecke (man kann ein bisschen durchsehen *g*) und lasse mich von La K. durch den Film lotsen ("Bäh...irrgs...näh...kuck noch nicht...igitt, das ist jetzt grad voll eklig...warte...noch nicht...noch nicht...iiiihhh...so, jetzt kannst du wieder kucken")
Und anschliessend kucken wir uns Harry Potter an, bis wir mutig genug sind, runter in die Tiefgarage zu gehen, wo ihr Auto steht...
Aber ich würde mit mir auch nicht ins Kino gehen wollen. Glücklicherweise gibt's aber immer wieder willige Opfer...
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