Beziehungsweise
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Da schreibt mir mein Grosser neulich aus dem Internet-Café so gegen elf Uhr abends, dass er kurz nach Mitternacht zuhause sein und darauf warten würde, dass ich ihn anrufe, und so nebenbei knallt er mir noch vor den Bug, dass er sich gerade meinen Namen aufs Handgelenk hat tätowieren lassen (einen meiner Nicknames, versteht sich, denn ich würd den Mann nicht nur für blöd halten, er wäre es auch, hätte er sich meinen richtigen Namen irgendwohin tätowiert: das war vielleicht vor fünfzig Jahren mal romantisch oder ist es nach fünfzig Jahren Zusammensein...aber es ist definitiv nicht meine bevorzugte Art der Romantik, wars nie und wird es nie sein)
Na gut, denk ich mir, dann ruf ich ihn halt noch mal an vorm Schlafengehen, aber: er ist nicht daheim. Nicht kurz nach Mitternacht und auch nicht lange nach Mitternacht, und ich weiss nicht, soll ich mir schon wieder Sorgen machen oder sauer werden. Doch mit dem Sauerwerden ist es ja so eine Sache. Schalke ist - Überraschung - trotz allem (wieder) nicht Meister geworden, und wer da Fan ist, der trauert ein bisschen. Oder auch ein bisschen mehr. Naja. Vor allem, wenn er aus Gelsenkirchen kommt.
Ich ruf also so gegen halb drei auf seinem Handy an, und siehe da: ein quietschvergnügter, zwar nicht weg- doch unüberhörbar angeschossener Kerl geht ans Telefon, der Lärm im Hintergrund verrät die Kneipe, und er freut sich erst mal zwei Minuten lang darüber, mich zu hören, erzählt mir, dass er bis vor zwei Stunden im Internet-Café war und...ähm...jaha, daha fällt ihm ein, dass es inzwischen doch ein bisschen lange kurz nach Mitternacht ist, und dass er eigentlich nach Hause wollte, aber: "Hier auf Melmac gehen die Uhren anders, Schatz!" Super!
Ich geb ihm eine halbe Stunde, um zu Hause aufzuschlagen, falls er noch mit mir reden möchte, und siehe da, er hat zwar seine Einkaufstüten in der Kneipe stehen lassen, was er erst merken wird, wenn er die eingekauften Lebensmittel im Kühlschrank vermisst, aber er hat es tatsächlich geschafft, denn als ich dreissig Minuten später noch mal bei ihm anrufe, ist er zuhause. Nicht ganz nüchtern, wie gesagt, aber auch nicht im Schalke-Kummerkoma. Ich denk mir, hey...was willst du? Könnte schlimmer sein.
Und dann kriegen wir uns in die Wolle. Weil er meint, dass ich sauer bin. Was ich nicht bin. Was er nicht glaubt. Und weil er es fad findet, dass nicht zugebe, dass ich sauer bin, und weil ich es nervig finde, dass er mir unterstellt, ich sei sauer, obwohl ich nicht sauer bin...und weil ich ganz sicher nicht so tun würde, als sei ich nicht sauer, wenn ich sauer wäre (hoho...da kennt der Herr mich schlecht!)... BIN ich am Ende sauer, und er spielt die beleidigte Leberwurst, weil er findet, dass ich überhaupt keinen Grund habe zum sauer-sein!!!
Ähm ja. Gibt es irgendwo ein Handbuch: "Vom Langzeit-Single zum (Fern-)Beziehungsmenschen in zwei Wochen"??? Ich könnt sowas jetzt ganz gut brauchen. |
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