Das Leben ist das, was passiert...
während du damit beschäftigt bist, andere Dinge zu planen.
...das hat so oder so ähnlich (unter anderem) mal John Lennon gesagt. Oder gesungen. Keine Ahnung. Hier verhält es sich ganz ähnlich wie mit dem Zitat: “Better to be hated for who you are than loved for who you’re not.”, das man gern dem Herrn Cobain zuordnet, und das ich von einem Type O Negative-Cover kenne. Und von Andre Gidè. Und von Goethe. Aber darum geht es ja auch nicht:vielmehr geht es um den Sinn der Aussage... das nur mal so nebenbei.
Leben ist das, was geschieht, während du damit beschäftigt bist, Pläne zu machen. Das bedeutet soviel wie: erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Oder auch: Egal was du heute planst, du weisst nicht, was morgen ist.
Und irgendwie besteht fast das ganze Leben aus Plänen. Nicht dass es immer "nach Plan" läuft, aber wir planen doch eine Menge und sind dann mit der Verwirklichung dieser Pläne beschäftigt. Die einen planen, nach der Schule zu studieren und Arzt, Jurist oder Wasauchimmer zu werden. Der Plan anderer ist es, zu heiraten, eine Familie zu haben und ein halbes oder auch ganzes Reihenhaus. Die einen planen ihre Karriere, die anderen planen, als Aussteiger auf Bali zu leben und dann...nicht immer, aber doch oft genug, kommt alles eben doch ganz anders, eben weil "das Leben passiert". Manchmal kommt auch gar nichts anders, und man stellt irgendwann fest, dass man seine Pläne zwar in die Tat umgesetzt, aber auch irgendwie am Leben vorbei geplant hat.
Vor einer Weile hatte ich schon eine recht präzise Vorstellung von meinem Leben. Also, von dem Teil, der noch vor mir liegt, versteht sich. Ich bin ja ein hoffnungsloser Optimist, wenn es darum geht, daran zu glauben, dass alles nicht nur noch besser, sondern auch richtig gut werden könnte. Und nachdem die ersten 36 Jahre meines Lebens streckenweise nicht so toll waren, könnten die nächsten 36 Jahre doch noch richtig toll werden. Vorausgesetzt, mich überfährt nicht jemand aus Versehen beim Einparken und mir fällt kein Haus oder Flugzeug auf den Kopf.
Jedenfalls hatte ich vor, vergnügt (naja) und fröhlich (naja) in meinem Beruf zu arbeiten, der ja, man soll's nicht glauben, mein Wunschberuf ist, und zu dem ich, nachdem Plan A nicht so lief, wie er hätte laufen sollen, über viele Umwege im Rahmen von Plan B gelangte (plus ein bisschen Glück und einer Handvoll bemerkenswerter Zufälle) und mich irgendwann zur Gerontopsychiatrischen Fachkraft ausbilden zu lassen. Nebenberuflich und auf Kosten des Hauses, versteht sich, denn wenn ich so viel Geld hätte, mir diese Ausbildung selbst zu finanzieren, dann...hätte ich sicher was anderes damit angefangen. Nach Ablauf der Zeit, die man sich bei einer solchen Weiterbildung zu verpflichten hat bzw. automatisch verpflichtet, weil die, die sie finanzieren ja auch was von ihrem Geld haben wollen, in dem Fall halt eine qualifizierte Fachkraft, wollte ich dann eigentlich sehen, dass ich aus der Praxis raus und ins Theoretische rein komme. Vielleicht als Praxisanleiterin oder im Bereich der Fort-und Weiterbildung.
Und diesen Plan fand ich auch ganz gut, zumal ich ja weder einen Mann noch eine Familie hatte, und weder das eine noch das andere war in meinem weiteren Leben wirklich vorgesehen. Es gibt Menschen, die wollen eine Familie...ich will keine. Und beziehungstechnisch bin war ich ja ein absolutes Muffel. Drei Jahre berufsbegleitende Ausbildung plus drei anschliessende "Pflichtjahre", kein Problem und vor allem auch kein Stress, denn es gab ja nur mich und den Mitbewohner. Dann wär ich 42, und meine lieben Mitmenschen hätten das Verkuppeln meiner Person mit beziehungswilligem Mannsvolk aus ihren Freundes-und Bekanntenkreisen vielleicht endlich aufgegeben und mich als hoffnungslosen Fall abgehakt. (alle beziehungslosen ÜbervierzigerInnen nehmen das bitte nicht persönlich...)
Leider hat es in den letzten Jahren nicht geklappt, was diese Ausbildung angeht, es kam immer was dazwischen, zuletzt, als ich die Zusage schon in der Tasche hatte, dann eben der Abriss des Heimes, in dem ich bis dahin gearbeitet hatte, nun ja. Shit happens.
Und jetzt haben sie mir tatsächlich diese Ausbildung angeboten. Beginn im November. Interesse?
Aber das Leben passiert, während man damit beschäftigt ist, Pläne zu machen, und dann kommt es eben anders, als man denkt, und auf einmal steh ich da und hör mich sagen:
"Nein, tut mir leid. Kann nicht."
Mein Gott, ich weiss noch nicht mal, ob ich nächstes Jahr noch hier bin oder ganz woanders, und selbst wenn ich mich darauf einliesse, drei lange Jahre fernbeziehungstechnisch zwischen hier und ganz woanders hin und her zu pendeln, so weiss ich doch auf jeden Fall, dass ich das nicht noch drei weitere Jahre aushalten würde, und das müsste ich dann ja. Und überhaupt, berufsbegleitende Ausbildungen sind praktisch, weil man zur Schule geht und gleichzeitig seine Brötchen verdient, aber sie machen das Leben doppelt so anstrengend... und irgendwie...ich meine...nö.
Ich bin gerade dazu übergegangen, zur Abwechslung mal wieder das Leben geschehen zu lassen. Einfach so. Ungeplant.
Und das ist ziemlich aufregend! |
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Comments on 'Das Leben ist das, was passiert...'
Refresh
Liebe Redhead, wie immer und endlich mal wieder ein großes Vergnügen deinen ach so wahren Blogeintrag zu lesen. Wie recht Du doch hast. Leben im jetzt und hier kommt einfach immer zu kurz. Ohne Pläne besteht jedoch auch die Gefahr, dass man die Zeit einfach so verlebt. Und sich dann am 60. Geburtstag fragt, war da was oder ist mein Leben schon fast vorbei? Wahrscheinlich ist eine gute Mischung das beste :-) Ach und was Arbeit und gleichzeitig Lernen/Studieren betrifft: Das ist so anstregend, dass ich wirklich nicht weiss, ob es das wert ist... (siehe auch meine Beiträge zum Thema Fernuni Hagen :-)
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Hi Redhead! Schön wieder von dir zu lesen/hören. Zunächst einmal bin ich gut gelaunt, wenn ich das Wort "drachin" nicht ein einziges mal in diesem Eintrag lese :)
Das Leben geschehen zu lassen, einfach so, ist wohl das Beste was man tun kann. Ich selbst bin ein Anhänger des "deterministischen Weltbildes" - wie ich es jetzt mal nenne. Irgendwann gab es aus irgendeinem Grund einen Urknall. Alles müsste ab diesem Moment oder schon zuvor physikalischen Regeln gehorchen. Das Universum dehnt sich aus, Materie bildet sich, Planeten, Sonnen, Leben... Alles müsste doch auf Grund von physikalischen Determinaten festgezurrt sein. So auch unser Handeln und das Ergebnis. D.h. egal was ich tue ich erreiche immer genau das was ich erreichen soll, und aus diesem Grund tue ich automatisch das, was ich tun muss um dies zu erreichen. Ich kann gar nichts anderes tun. Das Leben kommt auf einen zu und man kann nur tun, was für einen Vorbestimmt ist. Selbst wenn man denkt: So, ich macht jetzt etwas ganz verrücktes und vergifte die Drachin war das schon vorbestimmt. Denke ich... Aber was weiß ich schon? :D
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Schön dich hier wieder zu lesen, hatte auch deine Einträge schon vermisst... :-)
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