Über das Seelenleben einer Pellkartoffel (17)
So ein Freitag ist in der Regel recht angenehm. Er ist das Ende einer langen Zeitspanne, gern auch Robinson-Woche genannt, die ihre Bezeichnung natürlich der Tatsache verdankt, dass unsereiner von Montag an wie besagter Robinson sehnsüchtig auf Freitag wartet. Nebenbei gesagt: Robinson wartete etwas länger, wir dagegen jede Woche erneut.
Der Freitag ist also der heiss ersehnte letzte Wochentag vor dem noch heisser ersehnten Wochenende. Das heisst, natürlich nur für all jene, die auch tatsächlich nur von Montag bis Freitag arbeiten müssen.
Gelegentlich fällt der Freitag auf einen Dreizehnten. Und, so will es der Aberglaube, wenn das passiert, dann bedeutet das nichts Gutes. Genauer gesagt bedeutet es etwas Schlechtes. Unglück nämlich. Fällt der Freitag auf den Dreizehnten eines Monats, dann wird aus diesem heiss ersehnten und ach so beliebten Wochenend-Boten ein Unglückstag.
Natürlich ist das nur Aberglaube. Wenn man sich einmal den Kalender der letzten vierhundert Jahre anschaut, dann stellt man fest, dass es der Freitag ziemlich oft geschafft hat, sich einen Dreizehnten zu erhaschen. Vielleicht findet er die Dreizehn einfach schick. Wer weiss? Vielleicht haben der Freitag und die Dreizehn Gefallen aneinander gefunden. Dem Freitag ist es ganz egal, ob man die Dreizehn nun als Unglückszahl betrachtet oder nicht. Das hat sich die Ärmste nicht ausgedacht, da kann sie nichts für. Und der Freitag mag sie. Weil sie so eine zierliche Eins und eine dralle Drei hat. Oder so...Wäre doch möglich.
Ich glaube ja, das mit dem Unglück reden sich die Leute auch nur ein. Und mit ihrem Aberglauben stiften sie jeden Freitag, den Dreizehnten eine Menge Unruhe und Chaos. Sie achten plötzlich auf Dinge, die ihnen bis dahin völlig egal waren und schon morgen auch wieder egal sein werden...aber heute messen sie diesen Dingen eine völlig übertriebene Bedeutung bei.
Andererseits.... Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der mit der Mutter von jemandem befreundet ist, dessen Frau eine Freundin hat, deren Bruder von seiner Arbeitskollegin gehört hat, dass es deren Nachbarn an einem Freitag den Dreizehnten ganz schlimm erwischt hat.
Besagter Unglücksrabe wachte an eben jenem verhängnisvollen Freitag auf und stellte fest, dass er verschlafen hatte. Tja...kein Wunder. Wir kennen das Datum. Dass der Mann den Wecker nicht gestellt hatte, so dass dieser ihn auch an jedem anderen Wochentag nicht hätte wecken können...das tut nichts zur Sache. Auf jeden Fall sprang der Pechvogel aus dem Bett, verlor auf dem Bettvorleger das Gleichgewicht und fiel auf den Allerwertesten. Na gut, das ist ihm eigentlich oft passiert, auch schon am Donnerstag, den Zwölften, aber wir wollen doch nicht kleinlich sein.
In der Küche, als er sich schnell eine Tasse Kaffee machen wollte, wurde er von einer Spinne, einer wirklich grossen, fetten und zwar absolut ungefährlichen, doch zugebenerweise ausgesprochen hässlichen Vertreterin ihrer Art erschreckt, die von der Lampe herunter hing. Seine Frau hatte ihn schon die ganze Woche um die Eliminierung des Achtbeiners gebeten, aber er hatte es irgendwie versäumt, und eigentlich gehört das hier auch gar nicht hin. Er erschrak also, stolperte, stieß gegen den Küchentisch und warf das Salzfässchen um. Und das an einem Freitag, den Dreizehnten!!! Entsetzlich. Gegen verschüttetes Salz, so sagt es der Aberglaube, hilft nur, dass man ein wenig Salz über die Schulter hinter sich wirft, was unser Unglückskind auch unverzüglich tat. Allerdings hatte seine holde Gattin unbemerkt hinter ihm die Küche betreten, um ebenfalls ein schnelles Frühstück zu sich zu nehmen. Das Salz tat ihr zwar keinen Schaden, erschreckte sie jedoch, so dass sie aufschrie und zurückwich. Und dabei dem Familienhund, der beschlossen hatte, seinen Zweibeinern in der Küche Gesellschaft zu leisten, auf die Pfote trat. Und zwar auf die linke Vorderpfote, um genau zu sein. Worauf dieser, der von Kalendern im allgemeinen und Freitag dem Dreizehnten im besonderen keine Ahnung hatte, umgehend reagierte, indem er - ebenfalls mehr vor Schreck durch den Schrei als aus Schmerz durch den Tritt, vor allem aber ganz sicher nicht in böser Absicht - Frauchen in die Wade biss.
Der arme Mensch, den der Fluch des Unheil-Datums voll erwischt hatte, sprang nun schnell die Treppe hinunter, um von der Telefonzelle auf der gegenüberliegenden Strassenseite einen Krankenwagen für die leicht blutende und im Verhältnis zu Schwere ihrer Verletzung völlig übertrieben kreischende Frau Gemahlin zu ordern. Er schaffte es übrigens sämtliche zweiundvierzig Stufen hinunter, ohne auszurutschen oder zu stolpern oder gar zu stürzen, was in Hinsicht auf das Datum ja doch schon fast an ein Wunder grenzte. Allerdings übersah er die Katze, die von links kam. Nicht dass die ihm etwas tat, aber sie war schwarz und wechselte vor ihm über die Strasse. Von links nach rechts. An einem Freitag den Dreizehnten. Wenn er die Katze gesehen hätte...wer weiss? Doch wie auch immer: unser Mann erreichte die Telefonzelle ohne Schwierigkeiten, fand sie auch in tadellosem und funktionstüchtigem Zustand vor, telefonierte und ging anschliessend über die Strasse zurück, wobei er es natürlich vermied, unter der aufgestellten Leiter des Plakatierers hindurch zu gehen, der eben damit beschäftigt war, die Litfass- Säule neu einzukleiden. Denn, und das weiss schliesslich jedes Kind, es bringt Unglück, wenn man unter einer Leiter hindurch geht. Wäre er hindurch gegangen, hätte er das Hufeisen nicht gesehen, so aber sah er es. Und Hufeisen bringen bekanntlich Glück. Vor allem, wenn man sie über der Haustür anbringt, aber manche Leute sagen auch, dass man sie hinter sich werfen muss, damit sie ihre beglückende Wirkung tun. Was unser Held umgehend tat. Er hätte es besser wissen müssen, vor allem nach seiner Salz-über-die-Schulter-Aktion, wegen der er ja gerade unterwegs war, aber er wusste es eben nicht besser und warf also das Hufeisen. Mit dem Erfolg, dass er damit den Schornsteinfeger vom Rad holte, der eben vorbei fuhr. Oder es zumindest wollte. Der Schornsteinfeger kippte samt Rad zur Seite, stieß gegen die Leiter des Plakatierers und warf beide um, worauf sowohl der Mann als auch der immer noch randvoll mit Leim gefüllte Eimer, den er oben auf der Leiter plaziert hatte, herunterfielen. Der Eimer erschlug die Katze, die inzwischen von rechts nach links zurückgekehrt war. Was sie lieber hätte lassen sollen. Kurioserweise war diese Katze kaum eine halbe Stunde zuvor eben jenem Schornsteinfeger um die Beine gestrichen, vielleicht, weil sie den Aberglauben kannte, demzufolge das Berühren eines Kaminkehrers Glück bringen würde. Vielleicht aber auch nur, weil sie die Katze seiner Nachbarin war und ihn kannte. Wir werden es nie erfahren. Sie hatte sogar ein bisschen Russ abbekommen. Und was hatte sie davon? Nichts! Aber so tragisch es auch ist, so muss man doch von "Glück im Unglück" sprechen, denn sie war das einzige Todesopfer, welches dieser schreckliche Tag forderte: der Plakatierer brach sich ein Bein, der Schornsteinfeger erlitt eine Gehirnerschütterung, und beide wurden nur wenig später von dem herbei gerufenen Krankenwagen in die nächste Klinik gebracht...
Passt gut auf euch auf... |
Comments on 'Über das Seelenleben einer Pellkartoffel (17)'
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Du hast nicht im Ernst nachgeschaut auf wieviele 13te ein Freitag viel in den letzten 400 Jahren? ;)
Ich glaube an sowas nicht. Aber es wie du sagst: Wenn man irgendwie nur eine Tasse Tee verschüttet sagt man gleich... Ah, Freitag, der 13te. Verrücktsdflkjsdlfjk. Ach! Jetzt habe ich mich vertippt! Das kann nur am Freitag, den 13ten passieren! Mist!
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13 ist eigentlich ne glückszahl.
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die 13 ist in Italien oder China ein Glückszahl, während die Amis total spinnen und bekanntlicherweise auch heute noch ein Stockwerk 12a erfinden oder den Fahrstuhl von der 12 gleich in die 14 schicken. Und angeblich gibts die Nummer ja auch nicht als Sitzplatz in Flugzeugen.
Die 13 wird auch als Unglückszahl betrachtet, weil beim Letzten Abendmahl mit Judas insgesamt 13 Leute anwesend waren.
Und nö, wieso sollte ich mir die Mühe machen, nachzuschauen, wie oft der Freitag in den letzten 400 Jahren auf den 13. fiel...sowas erzählt einem der Mann im Radio.
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So lange es nicht der Mann im Kopf dir erzählt. Es gibt ja diesen Film "The 13th Floor". Also zumindest im Film gab es ein 13tes Stockwerk. Allerding stellte sich im Film ja heraus, dass es dieses nicht wirklich gibt ;)
Mir selbst ist bis jetzt nichts wesentliches passiert. Ich habe mir nur einmal verschrieben und das wars dann schon :)
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Der Mann im Kopf? Nein, slayer, den würden die leisen Stimmen glatt an die Wand reden, der hätte keine Chance...und ausserdem ist da ja auch noch diese seltsame Frau im Spiegel...
Mir ist heute auch nichts passiert. Überhaupt nichts. Ich habe an solchen Tagen nicht mehr oder weniger Glück oder Unglück als an anderen Tagen.
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