Logwave.com: Home
Become a member!|Log In
Become a Logwaver: Blogs, Communities, Mails and more...

All Blog entries from category twillightzone: Leben und so

Blog entries: 64. All Blog entries are sorted chronologically.

"Sie hatten das ja schon mal!"

2007/10/19
| Comments: 3
Tags: No Tags available
Ich bin krank. Schon wieder mal. Aber nein, keine Grippe oder Erkältung diesmal, auch keine Allergie.

"Sie hatten das ja schon mal", erinnerte man mich.

Ja, ich hatte das schon mal. Der Allgemeinarzt nannte es "arbeitsbedingte physische und psychische Erschöpfung", der Psychiater nannte es "mittelschwere depressive Episode" und ich nannte es "Ich kann einfach nicht mehr!!!" Und ich konnte auch nicht mehr: eines grauenhaften Morgens vor ein paar Jahren, als ich mal wieder die einzige Fachkraft im ganzen Haus war und neben meiner Arbeit auf meiner Station noch über alle anderen Stationen gehen und da Medikamente austeilen und Insulin spritzen musste, schlug mir eine Bewohnerin, die sehr verwirrt und ausserdem auch noch Diabetikerin war, die Spritze aus der Hand, und als sie das zum dritten Mal machte, hätte ich sie fast geschlagen. Fast. Und ich fand, dass "fast" schon viel zu nah an "geschlagen" dran war.
Ich schleppte mich durch den Frühdienst und anschliessend zum Arzt, der mich erstens krankschrieb und zweitens an einen Neurologen überwies, der mich nicht mal ansah und mir auch nicht zuhörte, während er seine Diagnose erstellte, mit der er mich ein Zimmer weiter zum Psychiater schickte. Und auf einmal hatte ich eine "depressive Episode".
Ich fühlte mich nicht depressiv, nur sehr müde und kaputt und auch sehr wütend auf alles und jeden, und der Psychiater, der sehr nett war und ein bisschen aussah wie ein Hobbit, meinte, dass ein Burnout so ziemlich das selbe sei wie eine depressive Episode. Er verschrieb mir Tabletten, die ich nicht nahm, weil ich die schon aus der Arbeit kannte und ziemlich gruselig fand, und nach sechs Wochen schickte er mich auf meinen Wunsch hin wieder in die Arbeit, und so ganz nebenbei empfahl er mir eine Psychotherapie, damit ich mir mal alles "von der Seele reden" könne.

Die Therapie ging von Anfang an nach hinten los, weil ich schon beim ersten Gespräch das Gefühl hatte, in eine Schublade gestopft zu werden. Ich will nicht behaupten, dass es wirklich so war, aber ich hatte eben dieses Gefühl. Ich ging fast vier Monate hin, einmal die Woche, was der Therapeutin nicht gefiel, weil die Therapie natürlich nicht so intensiv war, wie sie sich das gewünscht hatte, was anders jedoch nicht möglich war, weil ich ja schon wieder arbeiten ging und mich die Gespräche schon nach ein paar Wochen dermaßen anstrengten und belasteten, dass ich kaum über den Arbeitstag kam. Ich brauchte meist zwei, drei Tage, um mich wieder zu beruhigen, dann kam das Wochenende und anschliessend fing ich schon wieder an, mich vor der bevorstehenden Gesprächsstunde zu fürchten.
Ich weiss bis heute nicht, ob die Therapeutin nun eine besonders fähige oder aber eine besonders unfähige war, Fakt ist, sie hatte ihre ganz eigene Vorstellung vom Ziel der Therapie. Wogegen auch an und für sich nichts einzuwenden war...nur war ihr Ziel ein völlig anderes als das meinige. Ich wollte nicht dahin, wo sie mich gern hingehabt hätte, und schliesslich hatte ich jede Stunde aufs neue das Gefühl, ich stünde in der Pflicht, meine geistige Gesundheit zu beweisen.
Wenn du deinem Therapeuten beweisen willst, dass du nicht verrückt bist, dann kann das recht amüsant sein. Aber wenn er dazu übergeht, an den Gitterstäben zu rütteln, hinter die du deine ganz privaten Dämonen gesperrt hast, dann wird es unter Umständen verflucht ungemütlich. Vor allem, wenn du es dir aus irgendeinem Grund nicht leisten kannst, dich mit ihnen zu befassen und nur eins willst: dass sie sich ruhig verhalten.
Es war nicht unbedingt falsch, was sie da tat, nur waren die Umstände nicht günstig, denn ich musste ja arbeiten gehen, und sie klappte nach 50 Minuten ihre Kladde und damit auch meinen "Fall" zu, ich aber musste den Tag überstehen und konnte das, was da auf einmal durch meinen Kopf spukte, nicht mal eben so in seinen Käfig zurück jagen.
Am Ende war ich soweit, dass ich nach der Stunde heulend auf der Treppe vor der Praxis sass und wartete, bis mich mein bester Freund dort abholte, weil ich mich nicht auf die Strasse traute, teilweise war ich nicht mehr in der Lage zu arbeiten, und irgendwann war aus dem, was mir doch eigentlich helfen sollte, mir mal alles von der Seele zu reden, etwas geworden, wovor ich mich fürchtete, weil es mich fast schon an Selbstmord denken liess. Als ich das der Therapeutin sagte, wurde sie richtiggehend sauer...und ich ging nicht mehr hin.
Soviel dazu.

Aber angefangen hatte "das", was ich "schon mal hatte", eigentlich schon fast ein Jahr vor der Sache mit dem Insulin.
Da war ein Bewohner verstorben, und das kam mir hart an, denn auch wenn wir aus medizinischer Sicht und im Sinne der Grundpflege keinen Fehler gemacht hatten, so hatten wir ihn doch elend verrecken lassen. Er war nach einem Schlaganfall aus dem Krankenhaus zu uns zurück gekommen, der Arzt meinte: "Der kriegt nichts mehr mit", doch Fakt war: er bekam sehr wohl noch was mit, hörte uns, konnte reden, wenn man sich die Zeit nahm, konnte sich bewegen, wenn man ihn liess. Aber ach, woher Zeit nehmen, wo keine ist. Und wie ihn lassen, wenn das eben jene Zeit kostete, die man gar nicht hatte. So lag er in seinem Einzelzimmer, mit PEG, und alle paar Stunden kam einer von uns rein, zum Waschen, Lagern, Frischmachen, und keiner von uns, keiner, auch ich nicht, hat noch mit ihm gesprochen. Er war noch da...und wir liessen ihn allein. Und irgendwann ist er gestorben. Ein Fall von vielen, von unzähligen.
Er starb an einem Morgen im August, es war brütend heiss, und das Rollo an seinem Fenster, das sich nicht schliessen liess, war kaputt, so dass ab Mittags die Sonne in sein Zimmer knallte. Sie konnten ihn nicht in die "Totenkammer" im Erdgeschoss bringen, wo es kühler gewesen wäre, weil die zu schmutzig war. Also liessen sie ihn oben, bis man ihn abholen würde, wie es bei uns üblich war, doch irgendwas lief schief, und als ich am nächsten Tag zum Nachtdienst kam, war der Mann immer noch da, und auf dem Flur in der Nähe seines Zimmers roch es schon mehr als nur unangenehm.
Das erste, was mir zu schaffen machte, war sein Aussehen: niemand hatte ihn noch mal gekämmt oder rasiert, dazu war einfach keine Zeit gewesen. Ausserdem war die Sondennahrung zurück gelaufen, weil der Mann flach im Bett lag. Ich will es nicht weiter beschreiben, es war jedenfalls ein schlimmer Anblick.
Und dann sagte der Spätdienst, dass die Angehörigen des Mannes im Urlaub gewesen seien und angerufen hätten: sie kämen irgendwann im Laufe der Nacht.
Also hab ich den alten Mann noch mal gewaschen, rasiert, ihm etwas neues angezogen und das Bett frisch gemacht. Das Zimmer war voller Fliegen, weil sich das Fenster nicht zumachen liess, sie krabbelten ihm in Mund und Nase, und die Hitze tat ihr übriges. Der Mann sah wirklich schrecklich aus, und ich fürchtete mich vor dem Moment, da seine Kinder von mir verlangen würden, dass ich mit ihnen hoch in sein Zimmer gehe, damit sie Abschied nehmen könnten. Die ganze Nacht über bin ich bei jedem Auto, das am Haus vorbei fuhr, zusammengezuckt.
Die Angehörigen kamen übrigens nicht. Der Pfleger hatte sie am Telefon missverstanden: sie hatten nicht gesagt, dass sie im Laufe der Nacht ins Heim kämen, sondern dass sie erst in der Nacht aus dem Urlaub zurückkehren würden.

Logisch, dass ich "mit den Nerven runter" war, denke ich. Ich versuchte, mit irgendjemandem darüber zu reden, darüber, wie ich mich fühlte, und auch darüber, was ich so dachte, über die Verantwortung gegenüber dem Leben und über die Würde, die zu behalten ein Mensch doch über den Tod hinaus verdient, aber niemand wollte darüber sprechen, jeder fühlte sich nur angegriffen, vielleicht auch, weil ich nicht die einzige war, die sich schämte und sich fragte, wie es nur hatte sein können, dass man einen Menschen so im Stich lässt, und schliesslich meinte eine Kollegin: "Was willst du machen? Hier geht es nicht um Würde oder Menschlichkeit, hier geht es einzig und allein darum, zu funktionieren."
Also versuchte ich zu funktionieren. Bis es irgendwann eben nicht mehr ging.
Sowas kommt eben manchmal vor.

Und das war gemeint mit diesem:
"Sie hatten das ja schon mal".
Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet

Das Leben ist das, was passiert...

2007/10/14
| Comments: 3
Tags: ausbildung  leben  pläne
während du damit beschäftigt bist, andere Dinge zu planen.
...das hat so oder so ähnlich (unter anderem) mal John Lennon gesagt. Oder gesungen. Keine Ahnung. Hier verhält es sich ganz ähnlich wie mit dem Zitat: “Better to be hated for who you are than loved for who you’re not.”, das man gern dem Herrn Cobain zuordnet, und das ich von einem Type O Negative-Cover kenne. Und von Andre Gidè. Und von Goethe. Aber darum geht es ja auch nicht:vielmehr geht es um den Sinn der Aussage... das nur mal so nebenbei.

Leben ist das, was geschieht, während du damit beschäftigt bist, Pläne zu machen. Das bedeutet soviel wie: erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Oder auch: Egal was du heute planst, du weisst nicht, was morgen ist.
Und irgendwie besteht fast das ganze Leben aus Plänen. Nicht dass es immer "nach Plan" läuft, aber wir planen doch eine Menge und sind dann mit der Verwirklichung dieser Pläne beschäftigt. Die einen planen, nach der Schule zu studieren und Arzt, Jurist oder Wasauchimmer zu werden. Der Plan anderer ist es, zu heiraten, eine Familie zu haben und ein halbes oder auch ganzes Reihenhaus. Die einen planen ihre Karriere, die anderen planen, als Aussteiger auf Bali zu leben und dann...nicht immer, aber doch oft genug, kommt alles eben doch ganz anders, eben weil "das Leben passiert". Manchmal kommt auch gar nichts anders, und man stellt irgendwann fest, dass man seine Pläne zwar in die Tat umgesetzt, aber auch irgendwie am Leben vorbei geplant hat.

Vor einer Weile hatte ich schon eine recht präzise Vorstellung von meinem Leben. Also, von dem Teil, der noch vor mir liegt, versteht sich. Ich bin ja ein hoffnungsloser Optimist, wenn es darum geht, daran zu glauben, dass alles nicht nur noch besser, sondern auch richtig gut werden könnte. Und nachdem die ersten 36 Jahre meines Lebens streckenweise nicht so toll waren, könnten die nächsten 36 Jahre doch noch richtig toll werden. Vorausgesetzt, mich überfährt nicht jemand aus Versehen beim Einparken und mir fällt kein Haus oder Flugzeug auf den Kopf.
Jedenfalls hatte ich vor, vergnügt (naja) und fröhlich (naja) in meinem Beruf zu arbeiten, der ja, man soll's nicht glauben, mein Wunschberuf ist, und zu dem ich, nachdem Plan A nicht so lief, wie er hätte laufen sollen, über viele Umwege im Rahmen von Plan B gelangte (plus ein bisschen Glück und einer Handvoll bemerkenswerter Zufälle) und mich irgendwann zur Gerontopsychiatrischen Fachkraft ausbilden zu lassen. Nebenberuflich und auf Kosten des Hauses, versteht sich, denn wenn ich so viel Geld hätte, mir diese Ausbildung selbst zu finanzieren, dann...hätte ich sicher was anderes damit angefangen. Nach Ablauf der Zeit, die man sich bei einer solchen Weiterbildung zu verpflichten hat bzw. automatisch verpflichtet, weil die, die sie finanzieren ja auch was von ihrem Geld haben wollen, in dem Fall halt eine qualifizierte Fachkraft, wollte ich dann eigentlich sehen, dass ich aus der Praxis raus und ins Theoretische rein komme. Vielleicht als Praxisanleiterin oder im Bereich der Fort-und Weiterbildung.
Und diesen Plan fand ich auch ganz gut, zumal ich ja weder einen Mann noch eine Familie hatte, und weder das eine noch das andere war in meinem weiteren Leben wirklich vorgesehen. Es gibt Menschen, die wollen eine Familie...ich will keine. Und beziehungstechnisch bin war ich ja ein absolutes Muffel. Drei Jahre berufsbegleitende Ausbildung plus drei anschliessende "Pflichtjahre", kein Problem und vor allem auch kein Stress, denn es gab ja nur mich und den Mitbewohner. Dann wär ich 42, und meine lieben Mitmenschen hätten das Verkuppeln meiner Person mit beziehungswilligem Mannsvolk aus ihren Freundes-und Bekanntenkreisen vielleicht endlich aufgegeben und mich als hoffnungslosen Fall abgehakt. (alle beziehungslosen ÜbervierzigerInnen nehmen das bitte nicht persönlich...)
Leider hat es in den letzten Jahren nicht geklappt, was diese Ausbildung angeht, es kam immer was dazwischen, zuletzt, als ich die Zusage schon in der Tasche hatte, dann eben der Abriss des Heimes, in dem ich bis dahin gearbeitet hatte, nun ja. Shit happens.
Und jetzt haben sie mir tatsächlich diese Ausbildung angeboten. Beginn im November. Interesse?
Aber das Leben passiert, während man damit beschäftigt ist, Pläne zu machen, und dann kommt es eben anders, als man denkt, und auf einmal steh ich da und hör mich sagen:
"Nein, tut mir leid. Kann nicht."
Mein Gott, ich weiss noch nicht mal, ob ich nächstes Jahr noch hier bin oder ganz woanders, und selbst wenn ich mich darauf einliesse, drei lange Jahre fernbeziehungstechnisch zwischen hier und ganz woanders hin und her zu pendeln, so weiss ich doch auf jeden Fall, dass ich das nicht noch drei weitere Jahre aushalten würde, und das müsste ich dann ja. Und überhaupt, berufsbegleitende Ausbildungen sind praktisch, weil man zur Schule geht und gleichzeitig seine Brötchen verdient, aber sie machen das Leben doppelt so anstrengend... und irgendwie...ich meine...nö.

Ich bin gerade dazu übergegangen, zur Abwechslung mal wieder das Leben geschehen zu lassen. Einfach so. Ungeplant.
Und das ist ziemlich aufregend!
Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet

und ausserdem

2007/07/04
| Comments: 3
Tags: No Tags available
ist Redhead ab Sonntag die Drachin los!!!
Das garstige Schuppentier wird auf eine andere Station versetzt. Zwar wäre man es gern ganz los, aber leider geht sowas eben nicht so einfach...aber wurscht erstmal...

Hach... sie ist weg. Ist das Leben mal wieder schön...!!
Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet

Liebe ist (2/2)

2007/07/04
| Comments: 0
Tags: No Tags available
doof.
Vor allem aber anstrengend.

Merke: wenn man wie doof auf Wolke sieben herumhüpft, kann es schon mal sein, dass man runterfällt und sich derb das Herz verstaucht. Im schlimmsten Fall kann man sich selbiges auch brechen, aber auch in meinem Leben muss ja nicht immer gleich das Schlimmste passieren. Zumindest bin ich geneigt, daran zu glauben. Oder es zu hoffen. Oder mich diesbezüglich eben so zu verhalten, wie es verliebte Menschen tun, und verliebte Menschen, so habe ich festgestellt, tun eine Menge seltsamer und absolut unlogisch anmutender Dinge, und zwar mit grosser Ernsthaftigkeit. Verliebte Menschen benehmen sich auch ziemlich merkwürdig. Was ihnen nicht bewusst ist. Eben weil sie verliebt sind. Jawohl.

Eigentlich müsste an dieser Stelle nun ein Eintrag über eine Freundin folgen, die schrecklich schlimm verliebt ist und gerade an Herzschmerz vor sich hin leidet. Verliebte Menschen brauchen ja keinen besonderen Grund, um an Herzschmerz vor sich hin zu leiden. Die tun das gewissermaßen chronisch. Das dumme Ding ist so gaga, dass es durch seine riesengrossen rosa Brillengläser kaum noch geradeaus sehen kann. Und wenn irgendwas nicht so läuft, wie es auf Seite hunderteinundzwanzig jedes beliebigen Kitschromans beschrieben ist, dann nimmt sie sich das furchtbar zu Herzen. Dann heult sie die halbe Nacht, spammt ihrem Süssen die Mailbox zu und sieht am nächsten Morgen aus, dass man meinen möchte, sie hat gerade erfahren, dass in dem Auto, auf das sich der Elefant gesetzt hat, bevor das Flugzeug drauf gefallen ist, ihre ganze Familie drin war. Und jeder, der sie anruft, wirft unmittelbar nach der Begrüssung verstohlen einen Blick auf die angezeigte Telefonnummer, weil man sich ja nur verwählt haben kann...denn dieses schluchzende Etwas kann uuuunmöglich die Person sein, die man anrufen wollte.

Dann ruft diese schrecklich verliebte Person irgendwann ihren Angebeteten an, der ja eigentlich schuld ist an dem ganzen Herzschmerz und so weiter, und... siehe da, auf einmal ist alles wieder gut und wunderbar...
und schon hüpft sie wieder wie ein Kamikaze-Engelchen auf Wolke sieben herum...

So ein dusseliges Huhn!

Zu blöd nur, dass ich das grad selber bin. Sonst würd ich mich kringeln vor lachen....
Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet

Liebe ist (1/2)

2007/07/04
| Comments: 1
Tags: No Tags available
wenn du dir gerade im Bad die weissweinverseuchte Seele aus dem Leib gekotzt hast und Schatz dich trotzdem küsst (bäks!)

Liebe ist auch, wenn Schatz dich ein "geiles Moped" nennt und du ihn nicht sofort erschiesst. (Bitte???)



Die Dietrich hatte noch nen Koffer in Berlin... ich hab neuerdings noch ne Zahnbürste in Gelsenkirchen...

Tja nu! Der Rotschopf, bis unlängst noch überzeugtes Single-Weibchen und seit kurzem abartig glückliche Fernbeziehungs- Hälfte, war ja gerade für ein paar Tage bei Schatz. Jetzt ist der Rotschopf wieder daheim und denkt die ganze Zeit darüber nach, wie er - also ich - möglichst bald wieder zu Schatz zurück kommt.

Der Rotschopf überhört an dieser Stelle mal das Gröhlen aus Lieblingskollegins Richtung...

Schatzens Mama kennengelernt, von Schatzens Papa mit Weisswein abgefüllt worden (der Plan war, Weisswein zu trinken, weil ich den überhaupt nicht mag, damit ich nicht ZUVIEL davon trinke...aber ab dem fünften Glas war es dann irgendwie egal...*hicks*), mit der Gina "von hinter der Theke" Party gemacht (freilich erst nach Ende ihrer Schicht) bis sich keine von uns mehr daran erinnern konnte, wer von uns zuerst gegangen ist. Nicht viel von der Stadt gesehen *öhm*...weil das Wetter zu schlecht war *öhm*... und festgestellt, dass Schatz pervers gut kochen kann *platz*, und mir in der Disziplin "Haushalt und Putzen" eindeutig überlegen ist *schäm*.

Und dann hat der Rotschopf auf der Heimfahrt bis Duisburg geheult. Wenn ich nicht dabei gewesen wäre, würde ich es nicht glauben...!!!
Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet

Beziehungsweise

2007/05/24
| Comments: 0
Tags: No Tags available
Da schreibt mir mein Grosser neulich aus dem Internet-Café so gegen elf Uhr abends, dass er kurz nach Mitternacht zuhause sein und darauf warten würde, dass ich ihn anrufe, und so nebenbei knallt er mir noch vor den Bug, dass er sich gerade meinen Namen aufs Handgelenk hat tätowieren lassen (einen meiner Nicknames, versteht sich, denn ich würd den Mann nicht nur für blöd halten, er wäre es auch, hätte er sich meinen richtigen Namen irgendwohin tätowiert: das war vielleicht vor fünfzig Jahren mal romantisch oder ist es nach fünfzig Jahren Zusammensein...aber es ist definitiv nicht meine bevorzugte Art der Romantik, wars nie und wird es nie sein)
Na gut, denk ich mir, dann ruf ich ihn halt noch mal an vorm Schlafengehen, aber: er ist nicht daheim. Nicht kurz nach Mitternacht und auch nicht lange nach Mitternacht, und ich weiss nicht, soll ich mir schon wieder Sorgen machen oder sauer werden. Doch mit dem Sauerwerden ist es ja so eine Sache. Schalke ist - Überraschung - trotz allem (wieder) nicht Meister geworden, und wer da Fan ist, der trauert ein bisschen. Oder auch ein bisschen mehr. Naja. Vor allem, wenn er aus Gelsenkirchen kommt.
Ich ruf also so gegen halb drei auf seinem Handy an, und siehe da: ein quietschvergnügter, zwar nicht weg- doch unüberhörbar angeschossener Kerl geht ans Telefon, der Lärm im Hintergrund verrät die Kneipe, und er freut sich erst mal zwei Minuten lang darüber, mich zu hören, erzählt mir, dass er bis vor zwei Stunden im Internet-Café war und...ähm...jaha, daha fällt ihm ein, dass es inzwischen doch ein bisschen lange kurz nach Mitternacht ist, und dass er eigentlich nach Hause wollte, aber: "Hier auf Melmac gehen die Uhren anders, Schatz!" Super!
Ich geb ihm eine halbe Stunde, um zu Hause aufzuschlagen, falls er noch mit mir reden möchte, und siehe da, er hat zwar seine Einkaufstüten in der Kneipe stehen lassen, was er erst merken wird, wenn er die eingekauften Lebensmittel im Kühlschrank vermisst, aber er hat es tatsächlich geschafft, denn als ich dreissig Minuten später noch mal bei ihm anrufe, ist er zuhause. Nicht ganz nüchtern, wie gesagt, aber auch nicht im Schalke-Kummerkoma. Ich denk mir, hey...was willst du? Könnte schlimmer sein.

Und dann kriegen wir uns in die Wolle. Weil er meint, dass ich sauer bin. Was ich nicht bin. Was er nicht glaubt. Und weil er es fad findet, dass nicht zugebe, dass ich sauer bin, und weil ich es nervig finde, dass er mir unterstellt, ich sei sauer, obwohl ich nicht sauer bin...und weil ich ganz sicher nicht so tun würde, als sei ich nicht sauer, wenn ich sauer wäre (hoho...da kennt der Herr mich schlecht!)... BIN ich am Ende sauer, und er spielt die beleidigte Leberwurst, weil er findet, dass ich überhaupt keinen Grund habe zum sauer-sein!!!

Ähm ja. Gibt es irgendwo ein Handbuch: "Vom Langzeit-Single zum (Fern-)Beziehungsmenschen in zwei Wochen"??? Ich könnt sowas jetzt ganz gut brauchen.
Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet

Hallo ihr Lieben!

2007/05/13
| Comments: 3
Tags: No Tags available
Red bittet hiermit darum, ihre derzeit (guter Witz, Red) weniger als sporadische Anwesenheit hier zu entschuldigen, da sie gerade beschäftigt ist. Und zwar sehr.
Damit, sich zu verlieben.

Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt (ich weiss jetzt auch nicht genau, was gerade...)
und wie immer herzlich
ich


Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet
Tags: No Tags available
Die Überschrift ist zugegebenerweise nicht sooo originell und auch schon ein bisschen abgenutzt, aber sie passt trotzdem ganz gut...
Frollein Red, dieser Tage noch winterlich dunkelbeschopft kämpft nach wie vor gegen grausliche Drachen und die Sonne, wobei es bereit ist, sich mit Letztgenannter zu arrangieren (Clärchen meint es ja nicht böse), während es der Erstgenannten weiterhin mit unverminderter Herzlichkeit eine Bettpfanne um die Ohren hauen möchte. Was es nicht darf, denn das Hauen von Drachen mit Bettpfannen ist verboten. Obwohl das so eigentlich nirgendwo geschrieben steht...

Für all jene, die sich an Frollein Red und dessen Chef-Drachin erinnern, sei erwähnt, dass der Drachenkampf langsam aber doch bemerkbar Fortschritte macht. Die Drachin droht mit ihrem Anwalt, die Chef-Etage hat die interne Drachenangelegenheit an höhere Instanzen weitergeleitet und das niedrige Fussvolk hält tapfer die Hoffnung am Leben, die ja bekanntlich immer zuletzt stirbt...

...denen, die das hier lesen und nicht wissen, was es bedeuten soll, sei gesagt: macht nix.

Und allen, den Wissenden wie den Ahnungslosen wünsche ich einen schönen Sonntag. Mit Betonung auf Sonn(e)...

Man liest sich...
herzlich Red


Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet

Krank

2007/02/09
| Comments: 3
Tags: No Tags available
Ich bin krank. Jawohl. Schon wieder oder immer noch, wie auch immer, auf jeden Fall war ich beim Arzt.
Erwähnte ich eigentlich schon meinen niegelnagelneuen Hausarzt? Gesehen habe ich IHN ja noch nie, aber ich durfte mich schon davon überzeugen, dass er ein wirklich nettes Praxisteam hat. Als ich das letzte Mal da war, behandelte mich eine grosse dunkelhaarige Ärztin, die ich ein paar Tage zuvor beim Bereitschaftsärtzlichen Notdienst kennengelernt und die mich gefragt hatte: "Sie suchen nicht zufällig einen Hausarzt?" Und ob ich einen suchte, schliesslich war ich bei der fröhlichen Griechin meines Lebens nicht mehr sicher...oder doch zumindest meiner Gesundheit nicht. Tja.
Die grosse Dunkelhaarige ist aber nicht mehr da. Dafür aber nun eine kleine Blonde. Die schien unendlich viel Zeit für mich zu haben, kam von selbst drauf, mich zu fragen, ob ich am Wochenende Schichtdienst hätte und schenkte mir ein Bonbon. Hach! Wie in ganz alten Zeiten, als Red noch klein war und sich vor Ärzten fürchtete...wie schön. Nicht das Fürchten, sondern das mit dem Bonbon.

Auf dem Heimweg habe ich die ganze Zeit darüber nachgedacht, wie ich nur drauf komme, dass der Name des Medikaments, das sie mir verschrieben hat, irgendwie so klingt wie der Name für ein Küken. Oder für ein Huhn...

Und dann kam ich drauf. Das ist nicht der Name für ein Huhn. Aber ich war doch ziemlich nah dran.
Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet
Vor einer Stunde hat es an unserer Tür geläutet. An der Wohnungstür. Und mein Mitbewohner hat natürlich aufgemacht. Ohne vorher durch den Spion zu schauen, der ja eigens dafür gemacht ist, dass man hindurch schaut, wenn es an der Wohnungstür läutet. Vor allem, wenn man in einem Haus wohnt, dessen Haustür abgeschlossen und daher nur von schlüsselinnehabenden Mietern zu öffnen ist. Ein Haus, das mit einer Gegensprechanlage versehen ist. Ein Haus, in dem ein unerwartetes Läuten an der Wohnungstür bedeutet, dass jemand draussen steht, den man vermutlich nicht sehen möchte. Zum Beispiel Nachbar san von über uns, der militanter Nichtraucher ist und sich von meinem Rauchen belästigt fühlt, seit er davon Kenntnis erhalten hat. Oder ein Auftragskiller. Mein Mitbewohner, der ohne vorher nachzusehen die Tür öffnete, hatte Pech, denn es war weder der Nachbar san noch ein Auftragskiller, sondern die Zeugen Jehovas.
Auf die waren wir heute irgendwie nicht vorbereitet. Normalerweise beschützt der Gott des Metal dieses Heim. Heute nicht. Mieses Timing.
Was ich immer wieder so faszinierend an den Zeugen Jehovas finde, ist ihre Eloquenz. Sie sagen nicht etwa: "Hallo, wir sind von den Zeugen Jehovas und...", denn sie wissen, dass sie in den meisten Fällen eben nicht weiter kämen bis zu jenem "und". Sie fallen einem auch nicht mit der Tür ins Haus, indem sie einem sofort die Worte "Gott" und "Sünde" und "bessere Welt" um die Ohren schlagen. Vermutlich, weil sie damit rechnen müssen, dass unsereiner zurück schlägt. Oder eben ihnen die Tür vor der Nase zu. Nein, sie holten tief Luft und meilenweit aus, und obwohl du genau weisst, worauf sie hinaus wollen (denn schliesslich hast du sie ja längst erkannt), wartest du mit einer Mischung aus unendlichem Genervtsein und gequälter Neugier darauf, dass sie zur Sache kommen.
Die heutigen waren wirklich gut. Vor allem waren sie alt. Und sowohl ich als auch mein Mitbewohner sind Altenpfleger. Niemals würden wir einem alten Menschen ins Wort fallen, wenn dieser gerade bemüht ist, sich mitzuteilen. Selbst dann nicht, wenn uns das, was er mitzuteilen hat, so sehr interessiert wie der Wasserstand der Isar vom April 2003. Während wir also immer noch geduldig warteten, wann der männliche Part des greisen Pärchens nun endlich seinen Schachtelsatz zu Ende bringen würde, konnten wir aus den übrigen Wohnungen auf unserer Etage unmissverständliche Verbarrikadierungs-Geräusche vernehmen, denn die Nachbarn hatten natürlich durch den Türspion geschaut...
Mein Mitbewohner schaffte es, die Zeugen Jehovas ohne Beschimpfungen oder Androhung von Gewalt loszuwerden, indem er ihnen erklärte, dass der Zeitpunkt ausgesprochen ungünstig sei:
Unser Kind, der Antichrist, sei noch so klein, dass ihn der Kontakt mit anderen Glaubenslehren ausser der einen, wahrhaftigen, möglicherweise verwirren und beunruhigen könnten. Das Risiko eines Traumas sei einfach zu hoch. Der Kleine wäre schliesslich noch so anfällig, zumal er ja auch noch gar nicht im Vollbesitz seiner Kräfte sei. Einem alles andere als wehrhaften Kind solch eine Konfrontation zuzumuten, wäre einfach unverantwortlich. In ein paar Jahren vielleicht, ja. Aber im Augenblick doch eher nicht.
Die beiden Alten waren sehr verständnisvoll. Natürlich hielten sie uns für komplett wahnsinnig, aber ach: der Zweck heiligt schliesslich die Mittel...

Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet

Schnee, Schnee, Schnee...

2007/01/26
| Comments: 3
Tags: No Tags available
Nachdem das frühlingsmilde Wetter noch vor ein paar Tagen unseren armen Slayer ziemlich verwirrte, sollte ich vielleicht mal erwähnen, dass der auch von mir so sehr vermisste Schnee inzwischen bei uns eingetroffen ist. Jawoll ja. Und zwar jede Menge davon.
Ich weiss, "jede Menge" ist relativ, aber ich wohne in der Stadt. Jedenfalls so ziemlich. Ich meine, so ziemlich im Sinne von "an einem Ort, an dem drei einzelne Schneeflocken bedeuten: nix geht mehr". Auch im Winter. Also, im Sommer vermutlich sowieso. Sollten sich hier so Mitte August drei einzelne Schneeflocken frech irgendwo hinsetzen und nicht augenblicklich vor lauter Scham und Schande über ihr mieses Zeitgefühl schmelzen, dann wird die Stadt vermutlich evakuiert. Aber im Winter, wenn man doch mit dem einen oder anderen Schneeflöckchen rechnen muss, auch wenn das Zeug inzwischen zunehmend seltener vom Himmel bröselt, dann, wie gesagt, geht nur eben nix mehr.
Vor allem, wenn man, so wie meinereine, zwecks Erreichen der Arbeit nicht IN die Stadt will, sondern AUS ihr HERAUS.
Obwohl ich mich äusserst ungern vor dem unvermeidlichen Aufstehen aus dem Bett quäle, habe ich es gestern doch irgendwie geschafft, einen Bus früher zu nehmen. Zumindest glaube ich, dass es ein Bus früher war. Es könnte auch der Bus davor mit Verspätung gewesen sein. Oder der von vor einer Stunde. Fakt ist, da kam ein Bus. Vermutlich kam danach für lange Zeit keiner mehr. Denn den einzigen Bus der selben Linie in Gegenrichtigung entdeckte ich so ungefähr vierzig Minuten später...als ich immer noch in MEINEM Bus sass. Ich hätte auch draussen nebenher laufen können, aber zum einen war es mir dafür zu kalt, zum anderen hätte das der Busfahrer vielleicht nicht so toll gefunden.
Wenn man für die Strecke, die man normalerweise in gut zehn Minuten zurücklegt, auf einmal die fünffache Zeit braucht, dann hat das auf jeden Fall einen Vorteil: danach hast du einfach alle Zeit der Welt. Jawohl. Denn deine Bahn ist vor einer halben Ewigkeit abgefahren, also wirst du deinen Anschluss-Bus nicht kriegen. Warum also Eile?
Ich bin trotzdem pünktlich in die Arbeit gekommen. Denn mein Anschluss-Bus war vielleicht weg, vielleicht aber auch nicht, auf jeden Fall kam grad einer, als ich aus der U-Bahn-Station stapfte. Der stand irgendwie in keinem Fahrplan, aber unter den gegebenen Umständen war es nicht angebracht, pingelig zu sein und darauf zu bestehen, dass der Bus noch mal zurückfährt und pünktlich wiederkommt.
Beim Blick aus dem Busfenster hinaus ins Winterwunderland wäre ich beinahe desertiert. Beinahe.
Schnee! Juchu!!!
Vielleicht sollte ich mir ein paar Tüten Schnee raufholen und einfrieren...?

Na...Foto tut es vielleicht auch...
Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet
Tags: polizei
Heute abend hab ich einen der Busse Richtung Heimat verpasst und beschlossen, in der Viertelstunde, die ich noch hätte warten müssen, schon mal ein Stück zu laufen. Also auf und davon und ab durch den Park. Dort ist es zwar ziemlich finster, aber es fahren ein paar Streifenwagen in regelmässigen Abständen durch. Eine dieser Streifen bin ich wohl aufgefallen. Denn erst fuhr sie an mir vorbei. Und dann kam sie zurück. Fuhr vorbei. Kehrte um und fuhr ein bisschen neben mir her. Als die beiden netten Polizisten sich anscheinend davon überzeugt hatten, dass ich nicht im nächsten Moment eine Axt aus meiner Tasche ziehen und einsame Jogger, alte Frauen mit kleinen Hunden und verliebte Pärchen damit anfallen würde, fuhren sie weiter. Und kamen wieder zurück. Nachdem man sich nun schon so oft gesehen hatte, kam man nicht umhin, sich bei jeder erneuten Begegnung freundlich anzugrinsen.
Und dann kam mein Bus. Viel zu spät übrigens. Der Busfahrer hatte es daher offensichtlich eilig und war wild entschlossen, mich zu übersehen. Kann ja auch leicht passieren, wenn da so eine einzelne Person still und starr unter der Laterne am Wartehäuschen steht. Ich meine, woher soll man denn wissen, ob die mitwill? Vielleicht will die da übernachten. Vielleicht steht die auch nur gern nachts an einsamen Parkstrassen neben der Bushaltestelle. Vielleicht will die ja auch den Bus überfallen! Da tritt man doch lieber aufs Gas.
Während ich noch (zugegebenermaßen) dämlich meinem Bus nachsah, kam die Streife gerade wieder zurück. Der Wagen überholte den flüchtigen Bus und setzte sich davor. Bremste. Der Bus bremste auch. Und kam daraufhin in Windeseile und im Rückwärtsgang zurück zu meiner Haltestelle gedackelt. Wow!
Danke, Jungs.
Read entry
»

goodbye & hello

2007/01/02
| Comments: 1
Tags: No Tags available
Liebes 2006!
Das ist so typisch für die schusselige Red: dass sie mal wieder zu spät dran ist. Du bist weg und ich habe mich nicht einmal von dir verabschiedet, und das, obwohl wir immerhin ganze 365 Tage miteinander verbracht haben...
Trotzdem möchte ich mich noch bei dir bedanken.
Ich weiss, ich habe viel an dir herumgemeckert. Du konntest es mir oft nicht recht machen. Und wenn ich gesagt habe, dass du langweilig, anstrengend oder gar schrecklich wärst, dann trag es mir nicht nach. Denn natürlich warst du auch interessant und aufregend und schön. Du hattest Humor. Und du warst immer für eine Überraschung gut. Vor allem aber bist du immer weitergegangen. Das ist etwas, das ich ganz besonders an dir schätzte.
Ja, ich habe viel an dir herumgekrittelt und gemeckert, und ich danke dir, dass du nicht Gleiches mit Gleichem vergolten hast. Du hast an keinem einzigem Tag gesagt: die Red mag ich heute nicht!
Alles in allem, mein liebes 2006, war es doch eigentlich eine ganz schöne Zeit, die wir beide miteinander hatten. Wir haben viel erlebt und durchgemacht. Und ich werde mich noch lange an dich erinnern. Versprochen!

Und danke für diese besondere Stunde an deinem letzten Tag. Das mit dem Biergarten... also wirklich, das war eine grandiose Idee!

Herzlich
Red

Liebes 2007!
Bitte entschuldige die Verspätung, mit der ich mich bei dir melde und sei nicht vergnatzt, weil ich dich nicht gebührend begrüsst habe. Wie du vielleicht von deinem Vorgänger schon weisst: die Red hat es nicht so mit Terminen. Sie kommt immer zu spät. Trotzdem freue ich mich, dass du da bist.
Ich denke, wir werden gut miteinander auskommen. Ich habe keine guten Vorsätze, mit denen ich dir auf die Nerven gehen kann, und auch keine grossartigen Erwartungen an dich. Du bist da und ich bin da, und ich denke, da machen wir jetzt einfach das beste draus.
Ja, du hast ein bisschen hektisch angefangen! Aber da mach dir mal nichts draus. Der erste Tag ist immer etwas seltsam, für alle. Da ist man nervös und kennt sich noch nicht aus. Aber ich kann dir versprechen, dass sich das ganz schnell legt. Das kriegst du schon hin!
Auf jeden Fall: herzlich willkommen, 2007!

Herzlich
Red
Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet

Rutschet gut und weihnachtet sehr!

2006/12/24
| Comments: 3
Tags: No Tags available
Ihr Lieben,
ich wünsche euch allen ein frohes Fest mit allem, was dazu gehört...oder was ihr euch wünscht, erholsame und angenehme Feiertage und (schon mal vorweg) einen guten Rutsch ins Neue Jahr!
Herzlich Red

Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet

Was soll ich denn da sagen???

2006/12/18
| Comments: 1
Einkaufen gehen mit Frauen. Klamottenkaufen mit Frauen. Mitgehen müssen, wenn frau sich Klamotte kauft. Als Frau. Ich. Oh Gott!

Ich meine, wenn sie, in der Mitte etwas üppig, in einem bauchfreien Stretch-Top und einer zwei Nummern zu engen Hüftjeans aus der Umkleide taumelt und mich mit einem Blick, der mir verrät, dass sie selbst gerade kurz vor dem "Ich-find-mich-so-toll"-Höhepunkt steht, erwartungsvoll fragt:
"Und? Was sagste?"

Was soll ich da denn sagen?
Sagen möchte ich sowas wie: "Oh Gott, zieh das aus, bevor es dich in der Mitte zweiteilt!!!" Und fragen möcht ich, wie sie den Reissverschluss dieser Jeans überhaupt zubekommen hat, vom Knopf ganz zu schweigen.

Oder wenn sie, im gemeinsamen Freundeskreis längst der Magersucht verdächtigt, weil dürr wie ein Stecken und nach jedem in der Kneipe aufgezwungenen Kindersalat-Teller sofort Richtung Klo verschwindend, den Vorhang zurückreisst und sich mir in einer Hose Grösse 32 (höchstens, und ich meine nicht etwa die regulären Jeansgrössen) präsentiert, wobei sie keck damit wackelt, was mal irgendwann ein Hintern war: "Die steht mir doch, oder?"

Was soll ich da denn sagen ?
Sagen möchte ich: "Du, drei Wochen Zwangsernährung per Infusion und eine anschliessende Therapie stünden dir noch viel besser."


Ich meine, wäre ich ein Mann, dann fände ich vielleicht beides schön, denn ich weiss, dass es Männer gibt, die es ein bisschen mehr und auch noch mehr mögen und solche, die spitze Knochen anbeten, aber ich bin kein Mann und finde es grauslich. Und ich find es gemein, Frauen anzulügen, wenn sie sich grad Klamotten kaufen. Lügende Frauen beim Klamottenkauf sind ja ohnehin das absolute Klischee, von wegen Konkurrenz und so.
Also greife ich auf "Notlügen" zurück und sage zwar nicht, was ich DENKE oder SAGEN MÖCHTE, aber eben auch nicht, was sie gern HÖREN WOLLEN...
Der einen sag ich, dass sie die Hose ne Nummer grösser kaufen sollte, wenn denn überhaupt. Und vielleicht ein etwas längeres Top...? Also...meiner Meinung nach.
Der anderen sag ich...eigentlich gar nichts. Da rutscht mir raus: "Gott, bist du dünn!" (Rrrrsch! Vorhang zu!)

Tja. Die eine geht nicht mehr mit mir shoppen, die andere redet gar nicht mehr mit mir, und beide sind sie der Meinung:

Red, du bist gemein. Und sowieso nur neidisch, denn du hast keine hüftjeanstauglichen Hüften und keinen bauchfreitoptauglichen Bauch und überhaupt hast du ziemlich zugenommen! Jawohl.

Hm.
Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet

k.o. durch Krautnudeln

2006/12/18
| Comments: 0
Tags: No Tags available
...und Red ging kampflos zu Boden. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Bis vor zwei Stunden war ich mir nicht sicher, ob ich nicht vielleicht noch die Dienste der Chirurgischen Notaufnahme in Anspruch nehmen muss. Mein rechter Fussknöchel war wüst geschwollen und sah gar nicht gut aus...vor allem fühlte er sich auch gar nicht gut an. Ehrlich gesagt fühlte er sich ziemlich kaputt an.
Und ich sah mich in Gedanken schon in die Chirurgie humpeln und dort erklären, dass mir soeben ein Pfund Krautnudeln auf den Fuss gefallen sei.

Tiefgefroren.

Da mir diese Schmach anscheinend erspart bleibt (inzwischen tut es nicht mehr so weh und wird nur zunehmend blau), dachte ich mir, ich gönn euch den Spass...
Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet

Und warum sagt mir das keiner?

2006/12/13
| Comments: 1
Tags: No Tags available
Neulich hatten wir ein Teamgespräch, an dem ich nicht teilnehmen konnte, weil meine Augen unerklärlicherweise verrückt spielten, tränten und schliesslich zuschwollen, so dass ich wie ein blinder Frosch nach Hause torkelte. Und überhaupt hatte ich in der letzten Zeit ja immer mal wieder Probleme mit einer "Bindehautentzündung", die mal auftauchte und nach ein paar Stunden oder auch am nächsten Tag wieder verschwunden war.
An der Supervison konnte ich jetzt auch wieder nicht teilnehmen. Die war heute, und es ging mir genau so lange gut, bis ich das Haus verliess, um ins Heim zu fahren. Also fuhr ich hin...und stolperte gleich wieder nach Hause.
Warum bin ich wieder mal die letzte, die das mit den herumfliegenden Pollen erfährt?
Heute an der Bushaltestelle ist eine alte Dame zurückgetreten und hat Ghost erst mal das blinde Weiblein in den Bus verfrachten lassen...MICH! Meine Augen sahen aus wie die eines Vampirs, wenn er grad vom Nachtmahl kommt. Nämlich ROT. Zumindest soweit man sie noch sehen konnte. Und der Rest von meinem Gesicht sieht aus, als hätte ich gerade erfahren, dass meine gesamte Familie in dem Auto sass, auf das sich versehentlich ein Elefant gesetzt hat...*heul*


Ich will, dass es jetzt drei Tage lang mindestens zwanzig Grad unter Minus hat, damit sich auch das letzte verpeilte Zweiglein den polligen Hintern totfriert. Und wenn wir nächstes Jahr kein Grün sehen, das ist mir völlig wurscht. Hauptsache, ICH seh IRGENDWAS.

Und nein, Ghost...das Fenster bleibt zu. Was heisst hier keine Sonne? Da draussen scheint der Mond. Und was weiss ich, welche nachtaktiven Pollen es gibt. Frische Luft? Ich seh aus wie die Gewinnerin des diesjährigen Chili-Wettessens und DU willst frische Luft???? Ja, dann geh zum Atmen doch vor die Tür....!!!
Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet

Hallo ihr Lieben!

2006/11/17
| Comments: 1
Tags: No Tags available
In Anbetracht der Uhrzeit sei euch an dieser Stelle ein fröhliches "Guten Morgen" entgegen geträllert...
Momentan gibt es nichts zu erzählen, denn ich hab frei, und wenn es zuvor nichts zu erzählen gab, dann lag das wohl daran, dass die Drachin ja nun schon geraume Zeit nicht im Lande ist. Sprich auf der Station oder überhaupt im Heim. Und da sie nicht da ist, läuft alles so, wie es eben im Altenheim so läuft: man könnte sich den ganzen Tag ärgern, aber man ist nicht dazu verpflichtet. Also tu ich es auch nicht.
In der letzten Zeit gings mir nicht so gut, wie es mir eigentlich hätte gehen sollen, seit die Drachin in den zwangsverordneten Urlaub abgeflattert ist. Eigentlich war ich meistens krank, und auch wenn ich Witze darüber gemacht und versucht habe, es nicht so tragisch zu nehmen, war es doch vor allem anstrengend, zumal ich mich neben sämtlichen Wehwehchen, die ein kaputtgespieltes Immunsystem so mitnimmt, wenn sie denn winkend in der Gegend herumstehen, auch noch mit einer hässlichen aber ungemein anhänglichen Schlafstörung herumärgern durfte. Ich meine, ich bin nachtaktiv, aber irgendwann muss der Mensch ja auch einmal die Systeme herunterfahren...
Inzwischen geht es wieder besser, und ich hoffe, es wird nach besser auch bald wieder gut. Dann bin ich auch wieder öfter hier. Dass es sich in der letzten Zeit nicht so ergab, ist ein bisschen schade. Und das wiederum ist seltsam, denn ich glaube mich zu erinnern, dass ich so lange gar nicht hier zu bleiben gedachte. Aber es sieht ganz so aus, als bliebe ich dem guten slayer und den Logwavern erhalten...
Wer soll euch sonst hier schliesslich die Gedichte schreiben, hm...
;)
Ein schönes Wochenende allen, die mich kennen
und denen, die mich nicht kennen natürlich auch.
Keep On Bloggin'
und gute Nacht
wünscht herzlich
Red
Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet

unheimlich

2006/10/20
| Comments: 0
Tags: No Tags available
Der heutige Arbeitstag war von allen schlechten Arbeitstagen in Serie, sprich in der letzten Zeit, der schlechteste. Und zwar mit Abstand. Wobei ich natürlich sagen muss...schlecht ist bekanntlich relativ. Ohne die Drachin ist selbst der schlechteste Tag noch ein Kindergeburtstag. Mit Torte und allem Drumherum.
Die letzten Tage auf Arbeit waren wirklich nicht so doll, vor allem, weil ich nicht nur ein bisschen müde und unausgeschlafen war, sondern richtig müde und ziemlich fertig mit der Welt. Es ist schon faszinierend, wie wichtig einem Schlaf wird, wenn man ihn nicht bekommt. Ich denke, jeder, der schon mal eine Diät gemacht oder mit dem Rauchen aufgehört hat, weiss, was ich meine. Man denkt ununterbrochen "daran".
Vorgestern knapp zwei Überstunden für die Einweisung in die neue Dokumentation, die schon mal vorweg von den meisten abgelehnt wurde, weil man auf den ersten Blick noch mehr Schreibkram zu haben scheint. Nun, sie sollten vielleicht auch nicht immer sagen: "...damit ihr es leichter habt", wenn es nicht der Wahrheit entspricht. Denn die Wahrheit ist: ja, wir werden noch mehr zu schreiben haben, vor allem anfangs, da Pflegeplanung nun mal eigentlich ein Prozess ist, ein Weg, der sich aus vielen kleinen Schritten zusammensetzt...und von dem wir nun eine ziemliche Strecke auf einmal zu bewältigen haben. Die Wahrheit ist aber auch, dass unsere derzeitige Dokumentation eine Katastrophe ist, veraltet und gnadenlos überholt. Ja, die Wahrheit ist, wir haben es damit nicht leichter...doch wir sind wesentlich sicherer. Heutzutage geht es nun einmal vor allem darum, sich rechtlich abzusichern...
Gestern hat sich nun noch eine Kollegin krank gemeldet; eben jene neue, die ich nicht besonders mag, und so hatten wir dann halt mal wieder einen Frühdienst zu zweit. Anschliessend noch mal fast zwei Überstunden wegen der gleichen Fortbildung für die restlichen Kollegen.
Heute Frühdienst mit einer Kollegin, die aufgrund ihres Helfer-Syndroms nicht unbedingt zu meiner Lieblingsbesetzung gehört, weil sie die besondere Gabe hat, einfach jeden Dienst stressig werden zu lassen und einem das Gefühl zu geben, dass man überhaupt nichts tut, sondern ihr alles überlässt. Aber das Leben im Allgemeinen und der Dienstplan im Besonderen ist halt kein Wunschkonzert, und letztendlich müssen wir nur miteinander auskommen und nicht heiraten. Ausserdem kommen wir nach anfänglichen Problemen inzwischen alle wesentlich besser miteinander aus, auch wenn unsere Vorstellungen von "Team" doch immer noch sehr unterschiedlich sind. Der Umgang miteinander ist wirklich besser geworden.
Eins meiner Probleme im Moment ist, dass ich jetzt, da die Drachin nicht da ist, eigentlich gern so arbeiten möchte, wie ich es gewohnt bin...und es nicht kann, weil ich gesundheitlich nach wie vor und noch mehr als zuvor in den Seilen hänge. Sowas ist frustrierend, und ich plage mich regelmässig mit einem schlechten Gewissen. Mit der Drachin im Dienst wäre ich inzwischen tot, und ich brauchte eine Weile, um zu realisieren, dass meine Kollegen nicht genervt sind, wenn ich nicht die Leistung erbringe, die ich eigentlich zu bringen hätte und auch durchaus könnte, wenn ich denn nicht gerade schon wieder einmal mit einer Erkältung und einem halben Dutzend Wehwehchen über die Station kriechen würde, die alle unter dem Begriff "Immunsystem im Arsch, Schätzchen" zusammengefasst werden könnten. Plus 14 Tage mit nicht mehr als ein bis zwei Stunden Schlaf pro Nacht/Tag. Kein Problem, Red, das ist ganz normal. Mach dir nichts draus, Red, damit bist du nicht allein. Setz dich mal ein paar Minuten hin, Red, ich mach das schon. Bedank dich nicht, Red, das ist doch selbstverständlich. Ist doch ganz klar, Red, nach alldem. Das wird schon wieder...
Ich hab mich irgendwie durch die letzte Woche geschleppt, indem ich mir immer gesagt hab: noch soundsoviele Dienste, dann hast du drei Tage frei...bloss noch soundsoviele Tage...und dann kommt heute die PDL und sagt, nö, da muss ich Sie bitten, arbeiten zu kommen. Das ist, wie wenn du fünf bist und dir gerade dein Eis aus der Waffel in den Dreck gefallen ist. Nachdem der Eisladen zugemacht hat. Sowas tut weh. Vor allem, wenn deine psychischen Schutzschilde gerade nur noch aus Gelee und Watte bestehen.
Und dann kommen meine Kollegen, Helfer-Syndrom hin und anstrengend her, und sagen, nee, mach du mal frei, ich mach drei Tage Geteilt und sie springt auch für dich ein...und eine kommt für einen Tag aus dem Urlaub, ruh dich erst mal aus.
Wo bin ich, wer seid ihr...und was habt ihr aus der Drachenstation und der Paniktruppe dort gemacht?

Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet

Gestern gegen neun

2006/10/12
| Comments: 2
Blog reply on: Eigentlich from redhead
Tags: No Tags available
Als ich aus dem Urlaub wiederkam, war er weg. Ich meine, ich hatte das Gefühl, dass der Platz "auf seiner Seite" leer war. Ich hab zwar noch mit ihm geredet, weil ich mir ja nicht sicher sein konnte, aber irgendwie war's komisch. Er hat nicht nur überhaupt nicht mehr reagiert, da schien überhaupt nichts mehr durchzukommen, von keiner Seite. Und vorgestern kam ich zum Dienst, und sie erzählten mir, dass es ihm nicht so gut ginge, dass sie den Arzt gerufen hätten, und dass er irgendwie "Atemprobleme" hätte. Der Arzt war auch da und hatte mal wieder Antibiotika verschrieben, sonst nichts. Mehr konnte der auch nicht machen. Als ich ins Zimmer kam, sah ich, dass unser Koma-Patient keine wirklichen Atemprobleme hatte. Das einzige Problem, das er noch hatte, war, dass sein Gehirn immer noch Signale sendete, die seinem Herzen sagten, dass es schlagen müsse, und dafür sorgte, dass er noch atmete.
Wir bekommen alle in unserer Ausbildung die einzelnen Sterbephasen erklärt, auch in Bezug auf die veränderte Atmung, aber das Problem ist, dass dieser Teil des Unterrichts nun mal ein sehr theoretischer ist, und wenn dir deine Leherin vormacht, wie die "Schnapp-Atmung" in etwa aussieht, dann hat das meist nicht so viel Wiedererkennungswert. Erst wenn du's in der Praxis gesehen hast, weisst du, was gemeint ist. Leider passiert Sterben im Heim aber meist, während das Personal mit anderen Dingen beschäftigt ist, und die meisten meiner Kollegen kennen das Leben und den Tod, während ihnen das Sterben eher suspekt ist. Als ich in diesem Heim zum ersten Mal sagte, dass eine Bewohnerin, die ich im Spätdienst hatte, am nächsten Tag sicher nicht mehr da sein würde, und diese dann in der Nacht starb, haben mich meine Kollegen angeschaut, als wäre ich persönlich dafür verantwortlich. Woher wusstest du das? Ich habe es einfach gesehen. Das ist keine Gabe, das ist nur Erfahrung. Menschen sterben nun mal.
Die Nachtschwester hat mich vorgestern gezwickt, als ich sagte, dass unser Koma-Patient vielleicht in ihrer Schicht oder aber im Frühdienst sterben würde, dass er aber höchstwahrscheinlich in meinem Dienst nicht mehr da sei. Ich solle sowas nicht sagen, sie habe doch eh soviel zu tun!!!
Gestern morgen gegen neun ist er gestorben.
Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet

Eigentlich

2006/10/12
| Comments: 0
Blog reply on: The Doors vs Wachkoma from redhead
Tags: No Tags available
ruft man bei einem Todesfall im Heim den Hausarzt an (oder in der Nacht eben einen Bereitschaftsarzt), der die Leichenschau vornimmt und den Totenschein ausstellt.
Wenn es sich jedoch um einen Menschen handelt, der nach einem Unfall im Wachkoma lag, dann ruft man den Hausarzt an, der erst den Totenschein ausstellt und einem dann ganz nebenbei mitteilt, dass er nun die Polizei benachrichtigen würde, da der Patient eines unnatürlichen Todes gestorben sei...!
Und dann kommen die netten Kollegen in Grün, schauen sich alles an und sichern den Tatort, indem sie das Zimmer versiegeln. Und dann schicken sie die Leute von der Gerichtsmedizin...
und dann ist auf der Station die Hölle los, weil das Personal alle Bewohner aus dem Aufenthaltsraum bugsieren muss, weil die von der Gerichtsmedizin tatsächlich einen grossen schwarzen Sack mitbringen...

Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass meine Drachin nichts so sehr fürchtet wie diesen schwarzen Sack? Sie möchte, wenn sie mal tot ist, nicht in einem solchen abgeholt werden...
Ich hab mich, als sie mir das mal erzählte, ja gefragt, wie sie bloss drauf kommt, denn bis jetzt habe ich ja immer nur mit den netten Herren vom Bestattungswesen zu tun gehabt, die einen Sarg mitbringen und für einen recht pietätvollen Abtransport sorgen.
Auf die Idee, meine Chefin könnte jemals im Leichensack der Gerichtsmedizin landen, bin ich nie gekommen. Sie selbst anscheinend schon.
Das lässt tief blicken, finde ich.
Read entry
»
Blog replies
1.) Gestern gegen neun from redhead

Ghost war auf der Wies'n...

2006/09/27
| Comments: 2
Da sich der lästige Virus, der sich bei mir mit Kind und Bazille eingenistet hatte, so langsam wieder schleicht, gehts mir schon wieder wesentlich besser...

Ghost, guter Freund und Mibewo, war heute nach der Arbeit mit ein paar seiner KollegInnen auf der Wies'n. Eigentlich hatte er mich ja mitnehmen wollen, aber ich fand, dass die Idee zwar schrecklich nett und sehr lieb gemeint wäre, dass er mit seinen Leuten aber doch ohne mich feiern gehen solle. Zum einen, weil ich nicht so auf einen Bierzeltbesuch mit Leuten stehe, die ich nicht kenne, auch wenn man im Laufe des Abends da ja dann so ziemlich JEDEN zu kennen scheint. Zum anderen, weil es Ghosts allererster Bierzeltbesuch war. Ich hatte den Spass jetzt sieben Mal...die netten Nachmittagsbesuche mit Mama und Papa nicht mitgerechnet, und da ich mir eingestehen musste, dass ich es nicht schaffe, eine solche Festivität hinter mich zu bringen, ohne nach der vierten (? Böse Zungen behaupten, ich hätte schon mehr getrunken, aber ich bin davon überzeugt, dass ich nie über drei...dreieinhalb...allerhöchstens vier kam...ich bin doch bloss ein Mädchen, Mensch!!!) Maß stockbesoffen mit ALLEM zu flirten, was nicht bei drei unter der Bierzeltbank verschwunden ist...und mich zu meinem Leidwesen dann hinterher (und anscheinend auch für den Rest meines Lebens) daran zu erinnern und mich auch die Tatsache nicht tröstet, dass ich es noch jedesmal bis nach Hause geschafft habe, bevor es für mich in irgendeiner Weise peinlich wurde (ich hab das Kerls-untern-Tisch-sauf-Gen von meiner Mama und das Am-nächsten-Tag-keinen-Kater-hab-Gen von meinem Papa geerbt), hat sich diese Art des Wies'n-Besuchs erledigt. Wenn meinereine auf's Oktoberfest geht, dann kauft sie sich was Süsses und fährt Achterbahn...
Tja, und nun ist Ghost wieder zuhause. Ihr hättet ihn sehen sollen, als er heimkam. Oh, es ist schade, dass ich nicht schnell genug geschaltet und ein Foto gemacht habe...und es ist nur fair, dass es keins gibt, denn auch wenn der Anblick grandios war, so ist er doch privat. Ich jedenfalls habe herzlich gelacht. Dass es Ghost Spass gemacht hat, war nicht zu übersehen. Und wer immer einen grossen besoffenen Kerl mit Pferdeschwanz in der S-Bahn hat Lieder von Oomph! gröhlen hören/sehen...das war mein Ghost.
Er sagte, er habe dreieinhalb Maß getrunken, allerdings zeigte er mir dazu einmal sieben und einmal fünf Finger...aber wer will da schon kleinlich sein. Es war auf jeden Fall genug und offenbar nicht nur nicht zuwenig, sondern auch nicht zuviel...zumindest bis jetzt.
Mein sonst so maulfauler Mitbewohner, aus dem man normalerweise jede mehrsilbige Antwort förmlich herausprügeln muss, hat geredet wie ein Wasserfall und mir den gesamten Abend erzählt. Viel verstanden hab ich allerdings nicht, weil er irgendwie im Zeitraffermodus quasselte. Naja...das kann er mir ja alles noch einmal in Normalgeschwindigkeit erzählen...morgen vielleicht.
Das Tollste war aber, dass er fand, die "Linke" wär netter und zum Schluss fragte, ob wir vielleicht eine Flasche Wasser für ihn hätten.
Vielleicht wisst ihr es nicht: Wir sind ne 2er WG.
Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet

Mit Heimweh wieder zuhause

2006/09/16
| Comments: 0
Tags: heimweh  zuhause
So, nun bin ich wieder zurück aus meinem "Heimaturlaub"...lieber niedergesäggselt als zu Boden gepilgert...und natürlich entkam ich der Papstparty nur bedingt, weil unser aller Benni ja mindestens drei Fernsehkanäle belegt hatte und alle Nachrichten mit den Worten: "Der Papst..." begannen. Aber was soll's! Nun ist er weg und ich bin also wieder zuhause in München, und hier beginnt jetzt die Wies'n, und soll ich euch was sagen? Das mag ja das grösste Volksfest der Welt sein...aber das schönste ist es nicht....und ich habe beinahe sowas wie ein bisschen Heimweh.
Denn jetzt beginnt der Herbst, und der Herbst ist Weinernte-Zeit, und in meiner Gegend ist das eine wichtige Zeit, denn schliesslich sind da die Weinberge und Schloss Wackerbarth (Es gibt nichts Geileres, als wenn man irgendwo zu Besuch ist, das Gespräch dahin geht, dass jeder erzählt, wo man herkommt...und der Gastgeber stolz eine Flasche Sekt anschleppt...von eben da) und die ganzen Wein-und Winzerfestlichkeiten. Wir haben bei uns keine Biergärten unter Kastanien (obwohl wir Kastanienbäume haben), wir haben weinlaubumrankte Weingärten (durchaus auch unter Kastanien) und unzählige kleine Weinstübchen, in die manchmal allerhöchstens fünfzig Leute hineinpassen.
Ich hatte das Winzerfest fast vergessen, obwohl es früher DAS Ereignis war, weil wir Kinder Weintrauben bekamen, bis uns schlecht war und wir keine mehr essen mochten...und weil manchmal auch ein kleiner Plastikbecher voll Wein den Weg von den Umzugswagen bis zu uns fand und wir uns schrecklich erwachsen fühlten...und eben dazugehörig. Früher war das Winzerfest eine Sache für die Leute "von hier", heute ist es ein Event, das Touris mitnehmen, wenn sie grad in Dresden sind, das oder auch das Karl May-Fest, bei dem mich, als ich sechzehn war, mal der damalige Rathener Felsenbühnen-Winnetou zu sich aufs Pferd holte und mich zur Heldin der Stadtjugend machte, weil alle Mädchen in den Jürgen verliebt waren...und alle Jungs ihn "urst cool" fanden.
Ich weiss, es wär nicht mehr dasselbe, würde ich dieser Tage auf die Feste meiner Kindheit gehen, weil sich die Zeiten nun mal ändern- und mit ihnen die Feste. Aber ich gäb was drum, noch mal Kind sein zu können und im Lössnitzgrund mit der Kleinbahn zu fahren und darauf zu warten, von den Indiandern überfallen oder vielleicht auch aus den Händen der bösen Eisenbahnräuber gerettet zu werden (je nach dem) oder eben neben den Festumzugswagen her hinunter zu laufen zu den Elbwiesen und Weintrauben zu fangen und zu essen, bis mir schlecht davon ist.
Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet
Gestern bin ich "nichts Böses ahnend" in die Arbeit gegangen, und "nichts Böses ahnend" steht in Gänsefüsschen, weil das nur eine Redewendung ist. Und auch nicht ernst gemeint. Ich bin die letzten acht Monate nicht in die Arbeit gegangen, OHNE Böses zu ahnen. Und sehr oft haben sich meine Ahnungen bestätigt. Aber gut.
Jedenfalls war ich noch nicht ganz da, soll heissen, ich war zwar dort, aber noch nicht im Dienst, da stürmte meine Schweizer Lieblingskollegin hakenschlagend auf mich zu. Ihr wisst schon. Haken. Wie die Hasen auf der Flucht. Weil sie, also nicht die Hasen, sondern meine Kollegin, nicht wollte, dass sie jemand sieht.
Zwanzig Minuten lang habe sie sich in der Früh anhören müssen, wie schlimm ich sei, überfordert anscheinend, zu langsam sowieso...und der Drachen verlangte, dass sie, also meine Schweizer Kollegin im besonderen und die anderen Kollegen im allgemeinen, sich deswegen beschweren. Beim Teamgespräch. Und wenn sie, also die Kollegen, das nicht tun würden, dann würde sie, also die Drachin, das tun. Denn so ginge das nicht weiter. Mit mir. Und überhaupt! So!
Tja.
Ein einfaches "Guten Morgen, Red" hätte mir als Begrüssung auch gereicht...
Nun ging's mir gestern auch grad wieder nicht so blendend. Normalerweise sehe ich ja selbst kurz vom Sterben noch aus wie das blühende Leben, was mir das Kranksein oder zum Arzt gehen auch immer sehr erschwert, weil ich mich ständig in der Beweispflicht stehend glaube: man sieht es mir ja meist nicht an. Selbst wenn ich mich innerlich grün und elend fühle. Aber seit Tagen erfreuen mich meine Kollegen mit so Komplimenten wie: "!!!Siehst du scheisse aus!!!"
Und als Madame Drachin mir in der Mittagspflege auch noch nachschlich, da hatte ich die Nase voll. Sowieso, weil ich seit gestern auch noch Schnupfen habe. Und ausserdem...naja. Also bin ich VOR dem Teamgespräch zur PDL gegangen. Und NACH dem Gespräch nach Hause.
Es mag ja für die Drachin sprechen, wenn sie sich die Schwachen und Kranken als Beute aussucht. Von wegen "natürlicher Auslese" und so weiter. Aber ich bin nicht willens, mich fressen zu lassen, nur weil ich gerade nicht in der Verfassung bin, ihr den Drachenrachen aufzusperren und aus eben jenem wieder zu entfliehen...Und noch weniger habe ich Lust, als letztes Schmankerl herzuhalten, bevor sie für drei Monate auf Diät gesetzt ist.
Ich hätte heute Geteilten Dienst gehabt, weil ja eh schon zwei Kollegen fehlen.
Jetzt bin ich nicht kränker als zuvor. Aber ich habe einen Krankenschein dafür.

Übrigens: Beim Teamgespräch hat sich keiner über mich beschwert. Auch die Drachin nicht.
Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet
Morgen haben wir wieder mal ein Teamgespräch. Eins, von dem ich heute morgen, als ich den ersten Teil meines Geteilten Dienstes hinter mich brachte, noch nichts wusste,weil es da noch nicht mal geplant war.
Und worum geht es? Ich weiss es nicht so wirklich. Aber ich weiss doch, worum es zumindest AUCH gehen wird.
Die Drachin hat gestern (erfahren) beschlossen, dass sie ab Anfang September ihre gesamten Überstunden nehmen (muss) will. Mehr oder weniger am Stück. Zusammen mit ihrem Urlaub bedeutet das:
Sie wird bis etwa Mitte Dezember durch Abwesenheit glänzen. Mehr oder weniger. Und wir (können endlich) müssen also beweisen, dass wir auch ohne sie zurecht kommen.

Na, wie finden wir das denn?
Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet
Vorgestern ging's mir offenbar wirklich nicht so gut, denn wie ich festgestellt habe, fehlt trotz aller Blog-Schreiberei so einiges, wenn nicht so gar das Wichtigste. Was da wäre: der Spätdienst überhaupt.
Der Sonntag!
Der fing ja schon damit an, dass es mir entgegen meiner fröhlichen Behauptung während des vorabendlichen Telefongesprächs mit meiner Mutter ("Mir gehts wieder richtig gut, bloss noch ein bisschen Kratzen im Hals und Schnupfen!") schon beim Aufstehen eher bescheiden ging. Kaum war ich in der Arbeit, gab es einen Riesenknall: und eine Bewohnerin war umgefallen. Sowas kommt ab und an mal vor. In allen Pflegeheimen dieser Welt. Und ausserhalb dieser Heime sowieso.
Als ich in das Zimmer kam, in dem es gerade gekracht hatte, waren schon zwei meiner Kolleginnen da. Die beiden hatten Frühdienst, und ich halte hier mal fest, dass die eine Pflegehelferin (Ich habe schon mit Pflegehelfern gearbeitet, die es vom Können her locker mit jeder Fachkraft hätten aufnehmen können, und ich weiss, dass Pflegehelfer oft den selben Job wie ich tun, sie werden nur noch schlechter als ich bezahlt. Und im Zweifelsfall bekomme ich den Ärger, nicht sie... von wegen Verantwortung, und das ist ja auch richtig so) und die andere eine Fachkraft ist.
Habe ich hier eigentlich auch schon mal erwähnt, dass ich ebenfalls eine Fachkraft bin? Ich war mir dieser Tatsache immer recht bewusst, doch seit ich auf dieser Station arbeite, vergesse ich das manchmal...also: ich bin eine examinierte Altenpflegerin. Jawohl.
Meine beiden Kolleginnen hatten die alte Dame bereits-eine rechts, eine links, auf gehts- gepackt und auf die Beine gestellt. Soweit die alte Dame das mitmachte. Es war also zu spät, die beiden darauf hinzuweisen, dass man sowas eigentlich nicht macht. Beide haben irgendwann mal einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht, denke ich, und da kriegt man beigebracht, dass man einen Verletzten, den man so in der Gegend herumliegend findet, erst einmal vorsichtig untersucht. Könnte ja sein, dass was kaputt gegangen ist. In diesem Altenheim hat sich folgende Vorgehensweise eingebürgert: man packe das alte Huhn, bugsiere es erst mal aufs Bett und schaue dann, ob noch alles dran ist...nun ja...
Die alte Dame hielt vom Stehen jetzt nicht soviel, ihrem Aussehen nach war sie auch umgefallen, weil ihr Kreislauf in die Knie gegangen war...und genau das, nämlich in die Knie gehen, tat sie auch, während sie noch zwischen meinen Kolleginnen hing. Ausserdem fing sie an zu würgen, was die eine dazu verleitete, sie mal eben los zu lassen und nach einem Eimer, einer Schüssel oder weiss der Geier was zu suchen. Keine so gute Idee. Ich meine, die Frau kann nicht nur nicht stehen, ihr ist auch noch schlecht, und dann hältst du ihr den MÜLLEIMER vors Gesicht??? Na danke, Anke! Dass die alte Dame nicht wirklich erbrochen hat, grenzt beinahe schon an ein Wunder...
Inzwischen war der anderen Kollegin zumindest schon mal eingefallen, mich nach dem Rollstuhl zu schicken, wofür sie einen Extrapunkt erhält, und einen zweiten bekommt sie, weil sie NICHT die Fachkraft war.
Wir packten Madamchen samt Mülleimer auf den Rollstuhl...und siehe da, die Fachkraft meldete sich zu Worte: "Wir müssen die hinlegen und kucken, ob die sich verletzt hat!" Sprich: nach äusseren Verletzungen schauen. Oha! Bissi spät, aber immerhin. Ich fand, nachdem wir das "Kucken, ob sie sich verletzt hat" nun schon mal vergessen hatten, (die alte Frau war volle Kanne aus dem Stand auf den Rücken gekracht...) könnten wir uns nun auch inzwischen vor allem den Symptomen widmen, die da immer noch auf einen Kreislauf-Kollaps hindeuteten. Also hinlegen und Beine hochlagern. Und wie wäre es denn mal mit Blutdruck, Puls und Blutzucker messen? Hm....
Wir legten die alte Dame also aufs Bett, doch kaum lag sie, klappte sie in der Mitte zusammen wie ein Taschenmesser und jammerte, es täte ihr rechts unter der Brust so weh...auch beim Atmen...
Es braucht jetzt keinen Arztstudium, um zu vermuten, dass die gute Frau sich eventuell eine oder mehrere Rippen geprellt oder gar angebrochen haben könnte, oder? Selbst meine examinierte Kollegin meinte, da könnte was gebrochen sein, was also machen wir?
Wie wäre es mit: Bereitschaftsarzt anrufen? Mir wird ja immer unterstellt, ich sei zu schnell damit, ebenjenen anzurufen, aber ich denke, der Unterschied zwischen ihm und mir ist eben jenes Studium, das er hat und ich nicht...und ich habe kein Problem damit, für übervorsichtig gehalten zu werden. Lieber einmal einen Arzt umsonst, als...
"Ja, dann ruf mal den Bereitschaftsarzt an...."
Ich? Wieso?
Versteht mich jetzt bitte nicht falsch. Es gibt ein paar eherne Regeln, und eine davon besagt, dass sich die im Dienst amtierende Schichtleitung bei Notfällen zu kümmern hat. Und wenn die sagt, ich solle den Arzt anrufen, dann mach ich das natürlich auch. Blöd ist nur, wenn ich dafür nicht ausreichend mit Informationen ausgerüstet bin: Wie lag sie, wie ist ihr Blutdruck, ihr Puls, ist sie ansprechbar...blablabla...wie war sie vor dem Sturz? Und so genau wusste ich es nun mal nicht, weil ich ja ständig aus dem Zimmer gesaust war, um dieses oder jenes zu holen und nebenbei noch ein paar halbherzige Anweisungen unters übrige Dienstvolk zu streuen. Dabei handelte es sich übrigens um eine einzelne Pflegehelferin, die mit mir für den Spätdienst eingeteilt worden und wirklich "auf Zack" war. Die zweite Pflegehelferin der Frühschicht war von der zweiten Fachkraft in die Pause geschickt worden. Warum auch immer...
Ich erzählte dem netten Menschen am Telefon also, was ich wusste und was mir zwischendurch so zugeflüstert wurde...und nebenbei bekam ich es noch mit einem ausgesprochen dämlichen Exemplar der Gattung Zeitarbeits-Pflegerin zu tun, die aus der Pause kam, sich ins Dienstzimmer hockte und anscheinend die Bedeutung von "Schwester sitzt am Telefon und spricht in den Hörer" NICHT kannte:
"...Blutdruck ist 100 zu 60, Puls ist schwer messbar und unregelmässig (was gelogen war, aber kein Schwein machte sich die Mühe, mal den Puls zu messen...und ich musste irgendwas sagen...man möge mir verzeihen)
-"Was issn passiert?"
Abwinken. "Keine äusseren Verletzungen, aber die Dame kann nicht auf dem Rücken liegen."
-"Is wer gestürzt?"
Heftiges Abwinken "Wie bitte? Oh...der Name ist XYZ, sie ist 1917 geboren."
-"Hey, du! Ob wer gestürzt ist."
Unwilliges Nicken "Was? Ja, sie ist ansprechbar..."
-"Und? Schlimm?Blutet sie?"
Hand auf die Sprechmuschel "Halt die Klappe, Mensch!"
(Herr, wirf Hirn vom Himmel und erschlag damit die Inge!!!)

Ich hatte gerade aufgelegt, als Fachkraft Nummer zwei ins Dienstzimmer marschierte und darüber sinnierte, ob man nicht vielleicht lieber den Notarzt hätte anrufen sollen...worauf ich ihr ziemlich unfreundlich sagte, was sie mich auch mal könne...
"Red, kuck mal, ob die Schmerzmittel als Bedarf hat..."
"Wozu? Du kannst ihr jetzt sowieso keine geben. "
"Äh...naja, ich wollte es überhaupt so mal wissen..."
"Hast du mal Blutzucker gemessen? Die war vorhin völlig verschwitzt, vielleicht hat die Unterzucker..."
"!!! Wollt ich grad machen..."

Als ich noch mal in das Zimmer kam, hockte unsere Pflegehelferin auf dem Bett bei der alten Dame und hielt ihr die Hand, was einerseits sehr lieb und löblich war, andererseits aber nicht rechtfertigte, dass sie mir auftrug, doch mal schnell die Tasche fürs Krankenhaus zu packen, denn: "Leute, wie denkt ihr euch das? Wir haben ausser ihr noch fünfundzwanzig andere Bewohner!!! Wir können uns nicht zu dritt um eine kümmern, vor allem, weil alles Wichtige jetzt schon getan ist..."
Okay, ich hab dann also noch die Tasche gepackt und dann angefangen, das Essen auszuteilen.
Kaum war ich dabei, stand meine Kollegin vom Spätdienst vor mir: "Frau ABC hat Durchfall, E. (die andere Fachkraft) hat gesagt, du sollst zu ihr gehen, sie hat keine Zeit, weil sie den Schreibkram für die fertigmachen muss, die hingefallen ist..."
Hmpf.
Wie sich herausstellte, hatte die Bemitleidenswerte schon seit der Nacht Durchfall, was aber keinen davon abgehalten hatte, ihr zum Frühstück Kaffee und Marmeladenbrote zu geben und ihr gerade, als ich ins Zimmer kam, auch noch das Mittagessen (Gefüllter Schweinebauch) reinzuschaufeln...Herr, was bat ich dich in Bezug auf Inge???
Wie sich weiterhin herausstellte, hatte die Ärmste auch nur deshalb Durchfall, weil sie am Tag zuvor aufgrund ihrer chronischen Verstopfung Laxoberal erhalten hatte....Ohje...
Irgendwann kam dann auch mal die Bereitschaftsärztin und schickte dann auch den Krankentransport, der unser armes altes gefallenes Mädchen einpackte und mitnahm, weil sie sich,wie sich beim Röntgen herausstellte, natürlich tatsächlich eine Rippe angebrochen hatte.
Ich schickte meine examinierte Kollegin nachsehen, ob inzwischen alle Bewohner zu essen bekommen hatten. Was sie aber irgendwie nicht so wirklich als Anweisung betrachtet haben mochte, denn als ich schliesslich (der Frühdienst verabschiedete sich mit einem "Macht einer von euch die Küche und der andere fängt mit der Lagerung an" in die Mittagspause) das Geschirr abräumte, fand ich noch zwei völlig unberührte Tabletts im Essenwagen und ging dann erst mal Essen eingeben. Und als ich schliesslich in der Küche die Medizinbecher vom Vormittag einräumte, fiel mir ein, dass sicher auch niemand die Mittagsmedizin ausgeteilt hatte. Was ja auch meine Aufgabe gewesen wäre, wenn ich denn nicht den Bereitschaftsarzt angerufen und die Tasche gepackt und dem Durchfall-Opfer das Essen weggeschleppt und die Küche gemacht hätte...Menno!
Da fällt eine alte Dame um und die Welt hört auf sich zu drehen im Drachenland...

Leute, passt bloss auf eure Alten auf!

Nennt mich jetzt ruhig böse und sarkastisch oder selbstgefällig. Ich weiss, dass ich nicht vollkommen bin, selbst Fehler mache und wenn es darum geht, mit Ärzten zu reden, bin ich auch alles andere als sicher, aber es gibt ein paar Dinge, die müssen einfach funktionieren, auch wenn sich der Boden teilt und der Himmel einstürzt.
Und DAS war meilenweit von FUNKTIONIEREN entfernt! Das war organisiertes Chaos!

Bezeichnenderweise wunderte sich von meinen Kollegen anschliessend niemand darüber, wieso die sonst so herzige Red dermassen sauer und grummelig war...sie haben sogar noch den Müll runter gebracht und beim Kaffee-Austeilen geholfen, bevor sie heimgingen.

Ach, und auch Inge zog unerschlagen von dannen...
Read entry
»
Blog replies
- No related Blogs yet

The Doors vs Wachkoma

2006/08/27
| Comments: 3
Heute war mal wieder einer "dieser" Tage....
Seit vorgestern plage ich mich mit Fieber und einer fetten Mandel-Entzündung herum (ich glaube, die letzte "Angina" hatte ich vor zwanzig Jahren), aber natürlich war an Zuhause bleiben und Kranksein nicht zu denken. Meine Drachin würde sich darauf stürzen wie der Geier auf die Leiche...aber krchh! weg, NOCH beweg ich mich!!!
"Dann bleib doch zu Hause!" Das sagt sich so leicht. Ich hab eine Freundin mit einem Büro-Job, die dann und wann an Montagen ohne den leisesten Anflug eines schlechten Gewissens blau macht und schon mal gegen elf wegen Kopfschmerzen oder allgemeiner Unpässlichkeit den Schreibtisch Schreibtisch sein lässt, und an den vergangenen zwei Tagen beneidete ich sie glühend (knapp 39° Temperatur...also glühend im Sinne des Wortes) um diese Möglichkeit, aber in meinem Job ist das so eine Sache. Vor allem in der Urlaubszeit mit schon zwei Krankmeldungen und Leiharbeitskräften, die ständig (wenn auch verständlicherweise) nach kurzer Zeit nicht wieder erscheinen....
Wir waren heute im Spätdienst zu zweit und absolvierten bis zum Erscheinen der Nachtschwester, die aus Mitleid und Barmherzigkeit und weil Überstunden bezahlt werden, zwei Stunden früher zur Arbeit kam, eine Art "Notversorgungs-Programm".
Trotzdem hatte ich mal wieder Zeit (naja, eigentlich nicht, aber ich hab sie mir erschummelt, wenn man so will) für unseren Wachkoma-Patienten, und ich hab seine ollen Kassetten aus dem Schrank hervorgekramt und ihm eine Stunde lang The Doors vorgedudelt. Keine Ahnung, ob er's mitbekommen hat. Manchmal denke ich, dass einer, der so im Koma liegt und von draussen so gar keine Anreize erhält, vielleicht gar nicht weiss, "wohin" er denn gehen sollte, falls er denn die Möglichkeit hätte...Und von uns bemüht sich keiner so wirklich darum, ihn diesbezüglich in irgendeine Richtung zu schubsen. Er kriegt kaum Besuch, seine Mutter kommt jede Woche einmal, spricht aber nicht mit ihm, und neulich latschten drei Halbwüchsige in sein Zimmer und starrten ihn zehn Minuten lang stumm an, bevor sie wieder verschwanden...vielleicht Neffen oder Cousins oder auch nur einer, der seinen Kumpels mal den krass vor sich hinvegetierenden Verwandten vorgeführt hat...
Ich red ja meist mit ihm, erzähl ihm, was ich grad mache oder frag schon mal, ob er denn tatsächlich vorhabe, den Rest seines Lebens mit dem Gedudel von Hansi Hinterseer im Hintergrund zu verbringen, weil ihm ja sonst niemand mal eine seiner Kassetten vorspielt. Black Sabbath, Alice Cooper und The Doors im Altenheim? Nicht im Drachenland! Sein Arzt hat neulich behauptet, dass "das auch nichts mehr wird", und dass seine Mimik erloschen sei, aber ich bin da ganz anderer Meinung. Wenn unserem Dornröschen was gegen den Strich geht, dann kann der ein verflucht miesepetriges Gesicht machen, und wenn es ihm schlecht geht, dann sieht man ihm das ebenfalls an...und ich kann nicht glauben, dass das nur irgendwelche Reflexe sind. Aber ich bin kein Arzt...
Ich gehe ja immer davon aus, dass Wachkoma-Patienten eine Menge mitbekommen, denn ich kenne eine, die aus dem Koma aufgewacht ist, und die hat erzählt, sie hätte alles mitbekommen, und es sei schrecklich gewesen, denn: "Man kann nichts machen, überhaupt nichts!" Und wenn ich mir so vorstelle, wie die Pflege so läuft, und mir vorstelle, wie unser Dornröschen das alles so mitbekommt, dann wünsch ich ihm, dass er ganz schnell aufwacht.
Andererseits...keiner weiss, wie es ihm gehen würde, wenn er denn "zurückkommt"...und so möge mir niemand verübeln, dass ich ihm, wenn denn sein Gehirn in den strategisch wichtigen Zonen inzwischen nur mehr Hafergrütze sein sollte, wünsche, dass er nicht aufwacht, sondern ganz einschläft. Geh Jim Morrison besuchen, Chris, wenn's denn so ist, dass du hier nie mehr raus kommst...
Aber bei seinem Glück hat er ein Herz wie eine Dampflok und "lebt" noch Jahrzehnte...

Read entry
»
Blog replies
1.) Eigentlich from redhead