All Blog entries from category Gedanken einer Pellkartoffel
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Einst lebte eine Drachin, vor der alle im Drachenland zitterten. Jeder sprach davon, wie böse und grauenerregend diese Drachin war, und alle waren sich einig: wenn die Drachin brüllte, dann wurde die Milch in den Kühen sauer und die Spatzen fielen tot von den Dächern. Die Drachin brüllte gar oft, und so waren das schlimme Zeiten voll sauer gewordenen Milchkühen und toter Spatzen. Ach ja, und natürlich voller Zittern und Schlottern.
Doch eigentlich war die Drachin gar keine Drachin. Es war nur eine dicke böse Frau, die irgendwann mal einen Zauberspruch gelesen hatte. Vielleicht in einem Glückskeks beim Asia-Snack um die Ecke. Oder auch in einem Buch. Vielleicht hatte sie ihn auch nur irgendwo so nebenbei aufgeschnappt. Niemand weiss das mehr so genau. Doch sie wusste diesen einen Zauberspruch, und wenn sie ihn aufsagte, dann verwandelte sie sich nicht etwa in einen Drachen, nein, sie machte die anderen nur glauben, dass sie einer wäre. So überzeugend wirkte dieser Zauber, dass selbst die Kühe drauf reinfielen. Die Spatzen sowieso, und natürlich auch die meisten Menschen. Und weil sich alle vor ihr fürchteten, hatte sich die dicke böse Frau bald ein eigenes Reich aufgebaut, in dem sie schaltete und waltete, wie es ihr nur gefiel. Und ihr gefiel vor allem, dass sich jeder fürchtete. Vielleicht hätte ihr auch etwas anderes mehr gefallen, aber wenn man nur einen einzigen Zauberspruch kennt, darf man nicht wählerisch sein...
Eines Tages jedoch ging irgendwas schief. Magie ist, wie jeder weiss, der wenigstens den ersten Teil von "Harry Potter" gesehen hat, eine merkwürdige Sache. Vor allem aber ziemlich unzuverlässig. Möglicherweise haben auch Zaubersprüche ein "Best Before", so dass der Zauberspruch der dicken bösen Frau sein Haltbarkeitsdatum überschritten hatte und seine Wirkung verlor. Woran auch immer es lag, auf jeden Fall machte es "puff!" und "paff" und auf einmal kuckten alle ziemlich blöd aus der Wäsche, weil jeder sehen konnte, dass die schreckliche Drachin überhaupt keine Drachin war. Die Kühe merkten es zuerst und stellten unverzüglich die Produktion von saurer Milch ein. Dann bekamen es die Spatzen mit und hörten mit dem Tot-vom-Dach-fallen auf. Die Menschen waren freilich wieder einmal die letzten, die feststellten, dass der Drachen mit dem fürchterlichen Gebrüll eigentlich nur eine dicke Frau mit einem schlechten Charakter und einer sehr unangenehmen Stimme war. Menschen sind ja nicht so besonders helle, wie jeder weiss, deshalb brauchten sie eben ein bisschen länger. Und weil Menschen ausserdem Gewohnheitstiere sind, ist das Märchen an dieser Stelle auch noch nicht zu Ende sondern geht noch ein Stück weiter. Wohin? Nun, wir werden sehen... Read entry » |
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Tja nun. Weihnachten ist nicht ganz so verlaufen, wie Red sich das vorgestellt hatte, was jetzt nicht so schlimm ist, weil Red zu den Weihnachtsmuffeln gehört. Erstens musste Mitbewohner Nachtdienst schieben, weil sage und schreibe sechs KollegInnen krank geworden waren...und dann war auch noch Red krank und lag die meiste Zeit lahm (im Sinne des Wortes) in der Gegend rum. Oder auf der Couch im Wohnzimmer. Vorm Fernseher.
"Neulich im Nachtdienst hab ich gesehen, dass ein Film mit Tom Waits lief." Sagte gestern Ghost. Ach ja? Was spielte er denn für eine Rolle?
"Ach, ich weiss nicht genau. Ich glaub, so einen Waffenhändler. Also jetzt nicht jemanden, bei dem du haufenweise Uzis kaufst. Eher so einen kleinen Ganoven..."
Ach...?
Lieber Ghost, der Film hiess "Bram Stoker's Dracula" und alles, was man von Renfield kriegen konnte, waren tote Fliegen!!! Was immer du nimmst, wenn du Nachtdienst hast...nimm weniger!!!
Ich hab mir mit Ghost "Die Stadt der Verlorenen Kinder" angesehen. Mal wieder. Immer wieder gern. Zum einen, weil der Film schön (ist relativ) ist. Zum anderen, weil ich ja eben einen seltsamen Geschmack in Sachen Männer habe: Ron Perlman. Schmacht...
Gestern kam auf ZDF der erste Teil von "Salem's Lot". Es gibt nicht viele gute King-Verfilmungen. Diese ist vermutlich eher mittelprächtig. Mittelprächtig Unterkante. Aber naja. Und irgendwie gab es den Film doch auch schon mal??? Hm, "Shining" gibts ja auch zweimal. Und ich frag mich, ob irgendwer diese Remakes braucht? Ja? Nein? Also ich nicht. Jack Nicholson wird für alle Zeiten mein Jack T. bleiben. Auch wenn Stephen King den selbst als Besetzung nicht toll fand. Ich schon.
Übrigens verwirrt es mich, wenn ich in einer King-Verfilmung einen Schauspieler sehe, von dem ich weiss, dass er in einer anderen schon gestorben ist. Was jetzt auch nicht wirklich für den Schauspieler spricht, oder? Ich meine, gute Schauspieler bringen einen dazu, zu vergessen, dass sie nur Schauspieler sind. Glaube ich zumindest...
Und weil wir schon mal dabei sind...bei den Schauspielern, die in Filmen sterben...und weil ja Weihnachten war und Weihnachten nicht ohne mindestens einen Winnetou-Film auskommt...erinnert sich noch irgendwer an den brasseligen Winnetou-Mehrteiler, in dem ein alternder Pierre Brice durch die Gegend galoppierte und ständig Heldentaten vollbrachte? Ich hab das nie überwunden! Ich meine, er wurde UMGEBRACHT! In Teil drei. Von Film uuund Buch! Ich wurde mit einer halben Beruhigungstablette und einem waschechten Heulkrampf ins Bett verfrachtet, weil sie meinen indianischen Helden gekillt haben, und dann hoppelt er da faltig durchs Gelände???? Okay, Gojko, der DEFA-Film-Indianer ist auch immer wieder aufgestanden, aber... wegen dem sind keine kleinen Mädchen hysterisch zusammengebrochen, und keine Mama hat fassungslos gestammelt: "Aber...aber ...das können die doch nicht machen???" wie es meine tat, als Mr. Spock vorübergehend den Geist aufgab (was er ja im Grund nicht tat, weil sein Geist ja dem von Pille auf den Geist ging...und okay, Spock war kein Indianer)...weil sie wohl fürchtete, die Tochter würde angesichts des heldenhaft verendenden Lieblings-Vukaniers ähnlich wie bei Winnetou heulend zusammenbrechen (aber die Tochter war für den Scheiss denn doch zu alt, und ausserdem: wenn die Trekkies nicht wollen, dass Spock stirbt, dann stirbt der auch nicht!!!)
Und überhaupt, wiiieso werden Filme nach Büchern gedreht und haben dann eine andere Handlung??? Dass der kleine Junge in Kings "Cujo" überlebte, obwohl er im Buch die Ewigen Enten füttern geht, hab ich ja noch verstanden. Aber wieso gibt es in "Frühstück bei Tiffany" ein Happy End? Und wieso stirbt Irvings Simon Birch, der kleine Kerl mit DER KOMISCHEN STIMME in "Kleiner Held ganz gross" schon als Kind??? Halloho?
Und wieso hat Peter Jackson Haldir gekillt? Konnte er Aragorns Verwandte nicht finden oder was?
Hm...
Ich glaub, ich seh zuviel fern... Read entry » |
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"Du hast nen komischen Geschmack in Sachen Männer!"
Das habe ich immer schon zu hören bekommen, sogar schon in der Schule, als alle in den grossen Dunkelhaarigen aus der Neunten verschossen waren, den mit den tollen Augen und dem süssen Lächeln. Ich fand den nicht so toll, was zum einen daran lag, dass ich im Jahr zuvor in seinen Bruder verliebt gewesen war, der gerade die Zehnte beendete, und den ich mit meiner Dreizehnjährigen-Verknalltheit verfolgte, bis es sogar seine Freundin merkte und er selber bei meinem Anblick genervt stöhnte: "Nicht die schon wieder!" Vielleicht wäre er auch gemein zu mir gewesen, wenn er und sein Bruder nicht grad bei uns nebenan gewohnt hätten, nächster Aufgang, oberstes Stockwerk, rechte Tür, und wenn unsere Väter nicht in der selben Firma gearbeitet hätten, so aber war er es nicht und statt dessen eben nur von meinem Anblick genervt, und ich schätze, mit siebzehn lässt einen eine verknallte Dreizehnjährige auch kalt; da steht man drüber.
Auf jeden Fall fand ich seinen jüngeren Bruder, den grossen Dunkelhaarigen mit den tollen Augen und dem süssen Lächeln nicht so umwerfend wie die anderen, die nur noch ein Thema hatten, nämlich ihn. Zugegeben, er war wirklich hübscher als sein Bruder, aber irgendwie hatte er das nicht, was der andere gehabt hatte und das immer machte, dass ich Schmetterlinge im Bauch hatte, bevor ich wusste, dass es diesen Begriff überhaupt gibt: Schmetterlinge im Bauch. Der andere, in den ich verliebt gewesen war, hatte es: das gewisse Etwas. Dieses gewisse Etwas war es, was ich lange Zeit als deutliches und untrügliches Symptom absoluter Verliebtheit, für die Liebe selbst ansah, und weil das so war, dachte ich auch zwei Jahre lang, ich sei in David Bowie verliebt. Dann wurde ich erwachsen oder so ähnlich, und fand heraus, dass dieses Schmetterlingsgefühl nicht wirklich was mit Liebe zu tun hatte, sondern "Schwärmerei" bedeutete. Aber was weiss man mit dreizehn schon von Liebe. Oder von diesem "gewissen Etwas".
Dieses gewisse Etwas war etwas, das die einen hatten und die anderen irgendwie nicht, und in meinem, oftmals als hoffnungslos bezeichneten, Fall hatten immer die das gewisse Etwas, die aus irgendeinem Grund dem gerade zur Norm erklärten Idol nicht entsprachen. Es waren immer die Aussenseiter und Einzelgänger oder die besten Freunde der tollen Jungs. Aus irgendeinem Grund verliebte ich mich nie in die Nummer eins, sondern meistens in die Nummer zwei...oder in die absolute "Null". Aus irgendeinem Grund...und wegen des gewissen Etwas, das die Nummer eins irgendwie nicht hatte. Ich dachte damals viel darüber nach und kam zu dem Ergebnis, dass die Nummer eins das gewisse Etwas nicht hatte, weil sie es nicht nötig hatte: sie wurde ja schon für toll befunden. Die Nummer eins hatte etwas anderes. Vielleicht das gute Aussehen, eben die tollen Augen und das süsse Lächeln oder Charme und Humor, und sie hatte davon mehr als jeder andere...und die Nummer zwei hatte davon vielleicht auch eine Menge, aber eben nicht so viel, dafür aber das gewisse Etwas, das nicht zu benennen war. Und die, die gänzlich aus der "Wertung" fielen und sich jenseits jeder Rangordnung bewegten,sahen auf den ersten Blick vielleicht überhaupt nicht toll aus und waren auch nicht charmant, aber wenn sie das gewisse Etwas hatten, dann machten sie einem Schmetterlingsgefühle, einfach indem sie den Raum betraten. So war das, als ich dreizehn war, so sah ich das. Und so ist das heute noch.
Eine Zeitlang dachte ich auch, dass ich vielleicht so wenig an der Nummer eins fand, weil die ja alle Mädchen kriegen konnten, wenn sie nur wollten, und natürlich suchten die sich immer auch die tollsten Mädchen aus, und ich war keins von denen. Bis ich festellte, dass man die Nummer eins viel leichter kriegen kann als irgendeine andere Nummer, etwa die zwei oder gar einen von denen, die gänzlich aus der Wertung rausfielen, sollten noch ein paar Jahre vergehen. Und bis ich erkannte, dass Mädchen ganz anders aussehen, als ihr eigenes Spiegelbild, wenn man(n) sie durch Jungs-Augen betrachtet, sollten sogar noch ein paar Jahre mehr vergehen.
Ich hätte auch nie erklären können, was ich an denen fand, an denen ich was fand, denn das gewisse Etwas kann man einfach nicht erklären. Bei einem war es die Art, den Kopf zu halten, ein anderen hatte einen ganz besonderen Gang, und wieder ein anderer war in meinen Augen einfach der schönste Mensch, den ich je gesehen hatte. Schönheit, so lernte ich schon damals, liegt tatsächlich stets in den Augen des Betrachters und ist nicht von irgendeiner Meinung bezüglich eines Ideals abhängig. Ich verliebte mich mal in einen, den fanden alle hässlich. Aber als ich ihn mir ansah, verschlug es mir buchstäblich den Atem: er war wirklich schön.
Erst vor ein paar Jahren fand ich dafür eine Erklärung, als ich etwas las, das Andy Warhol mal geschrieben oder zumindest gesagt hat. Ich krieg es nicht mehr wörtlich zusammen, aber sinngemäss hiess es da, dass du dich, wenn du tagein, tagaus von schönen Menschen umgeben bist, und dir dann plötzlich einer begegnet, der aus irgendeinem Grund nicht ganz so schön ist, nach genau diesem Menschen umdrehen und ihn besonders anziehend finden wirst - eben weil er inmitten all der genormten Schönheit etwas besonderes ist. Sein Aussehen ist auf einmal überdurchschnittlich. Er hat das gewisse Etwas, das allen anderen fehlt.
Das fiel mir gerade ein, weil mich mein kleiner Bruder immer in der Weihnachtszeit daran erinnert: "Weisst du noch, damals, als wir gerade unterwegs waren, um Geschenke zu kaufen und du immer diesem Mann nachgelaufen bist? Mir ist das ja erst aufgefallen, als wir zum dritten Mal im selben Geschäft waren..."
Ja, ich weiss das noch. Ich hatte diesen Mann zuvor noch nie gesehen und habe ihn auch nie wieder gesehen. Ich weiss nicht, wer er war. Er war nicht besonders hübsch, aber er war schön. Auf diese besondere Weise, die eben macht, dass man Schmetterlinge im Bauch hat. Read entry » |
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Der heutige Grosseinkauf ist beinahe gleichbedeutend mit der Rückkehr in die Zivilisation...
zumindest, wenn man nun bei uns in den Kühlschrank schaut. Oder besser gesagt: in die Kühlschränke, denn unsere wunderbunte Wohnhöhle hat derer zwei. Als wir, Ghost und ich, hier einzogen, hatte keiner von uns ein Bett oder einen Tisch, von einem Schrank oder ähnlichen Möbelstücken ganz zu schweigen, ABER: wir hatten beide jeweils einen Kühlschrank. Zwei fette unnütze Stromfresser, in denen die meiste Zeit die Leere gähnt, nur gelegentlich unterbrochen von ein paar Flaschen Bier oder, und das ist dann schon der Gipfel des zu kühlenden Überflusses, von einer Dose Rama und ein paar Spar-Packungen Wurst und Käse, deren letzten Scheiben meist so lange einsam vor sich hingammeln, bis sie kurz davor sind, einen eigenen Staat zu gründen oder gemeinsam die Flucht zu planen.
Wenn denn dann doch mal ein bisschen Leben in die Bude bzw Kühlschrank kommt, dann meist nur, weil irgendjemand seinen Besuch angesagt hat. Zum Beispiel Freunde oder wie eben jetzt meine Mutter. Schliesslich sagt der Inhalt des Kühschranks einer Wohnung fast so viel über seinen Besitzer aus, wie es auch die vorhandenen (oder eben nicht vorhandenen) Grünpflanzen tun. Das mit den Grünpflanzen haben wir in den letzten zwei Jahren ganz gut in den Griff bekommen. An der artgerechten Haltung eines Kühlschranks arbeiten wir noch. Weil ein Kühlschrank ja irgendwie sein muss, heutzutage. Ohne Kühlschrank...solche Leute sind gruselig. Leute mit Kühlschränken wie den unseren sind es auch.
Für Leute wie uns sollte es Kühlschränke geben, in denen eine feste Grundausstattung schon enthalten ist. Meinetwegen aus Plastik, Gips oder Giessharz, völlig wurscht, Hauptsache drin und unrausessbar. Vor allem aber unverderblich. Es gibt schliesslich auch falsche Grünpflanzen und künstliches Obst für die immergefüllte Obstschale für Leute, die für die Echtversion kein Händchen haben oder anderweitig seltsam drauf sind.
Warum also nicht auch einen Kühlschrank für Leute, die vorrangig der Spezies der Draussen-Esser und Tütensuppen-Vertilger angehören und mit schöner Regelmässigkeit im fahlen Kühlschranklicht ratlos vor seltsamem Behältnissen mit undefinierbaren Inhalten stehen und sich fragen: Was ist das? Sah das schon so aus, als wir das da rein getan haben, und hat sich das nicht gerade bewegt? Kann man das wegschmeissen oder bekommt man Ärger mit Green Peace oder einem anderen Schutzbund, wenn man das tut? Oder fällt das schon unter chemische Kampfstoffe und muss irgendwo gemeldet werden?
Und statt einer Antwort hallt nur das Echo aus den Kühlschrank-Fächern, und über allem weht ein eisiger Wind... Read entry » |
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Heute habe ich im Fernsehen mal wieder "Schindlers Liste" angesehen. Ich würde mir diesen Film nie als DVD zulegen, denn ich halte es für unwahrscheinlich, dass ich je irgendwann "in die Stimmung" käme, mir diesen Film "mal so" anzusehen. Aber wenn er im TV läuft, dann sehe ich ihn mir fast jedes Mal an. Es ist ein starker Film.
Ich sah ihn das erste Mal während meiner Ausbildung vor ein paar Jahren. Ich glaube, es war im Deutschunterricht. Unser Lehrer für Literatur, Deutsch und Glaubensfragen war ein Theologe mit dem Judentum als Fachgebiet. Wir sahen uns den Film an und sprachen hinterher darüber. Über den Krieg und über die Juden, über Schindler und selbstverständlich über die Symbolik des kleinen Mädchen im roten Mantel. Ich muss sagen, dass ich, als ich den Film das erste Mal sah, von der Geschichte so erschlagen wurde, dass ich hinterher überhaupt nicht hätte sagen können, ob der Film in Schwarzweiss oder in Farbe gedreht worden war. Das kleine Mädchen im roten Mantel hatte ich überhaupt nicht bemerkt.
Dafür sah ich es später und denke immer noch über die Bedeutung dieses Kindes nach. Über die Tatsache, dass es im roten Mantel durch eine ansonsten schwarzweisse Szene lief. Und später tot auf einem der Karren lag, als die Leichen verbrannt wurden.
Es gibt einige Deutungen dieses Symbols, und es gibt ein Buch von Roma Ligocka, das ebenfalls so heisst, nämlich "Das Mädchen im roten Mantel" und von dem Schicksal des kleinen jüdischen Mädchens Roma erzählt, dessen roter Mantel ihm das Leben rettete, weil eine Familie Mitleid mit "der kleinen Erdbeere" hatte. Roma Ligocka hat sich beim Anschauen des Filmes erkannt. Sagt sie. Nun, ich weiss es nicht, aber vielleicht hat sie sich auch einfach erinnert. Sie trug einen roten Mantel. Sie war drei Jahre alt. Sie war dort. Sie hat überlebt. Das unterscheidet sie von dem kleinen Mädchen im Film. Oder vielleicht auch nicht.
Die einen sagen, dass das kleine Mädchen im roten Mantel Identität symbolisiert. Es starben Millionen Juden, so viele, dass der Tod gesichtslos wurde. Indem der Zuschauer dieses Kind im roten Mantel wahrnimmt, nimmt er ein Einzelschicksal wahr.
Die anderen sagen, dieses Stilmittel diene dazu, deutlich zu machen, welche Wandlung in Schindler vorgeht, der zu Beginn der Geschichte behauptet, das, was ihm immer zum Erfolg gefehlt habe, sei der Krieg gewesen, und dessen Ziel es ist, kofferweise Geld zu machen und durch seinen wirtschaftlichen Erfolg unvergessen zu werden. Zuerst erblickt er das Kind von weitem, aus sicherer und unbeteiligter Entfernung, nämlich während er bei einem Reitausflug auf das Ghetto hinunter sieht. Das zweite Mal sieht er das Kind im roten Mantel tot auf einem Leichenkarren liegen, während er sich inmitten der Szene befindet. Danach setzt er alles daran, möglichst viele Juden zu retten. Beide Erklärungen leuchten mir ein. Sicher gibt es auch noch andere...und unter diesen vermutlich auch meine persönliche. Für mich steht allerdings weniger das Mädchen mit seinem Mantel selbst als Symbol, sondern allein die Farbe in dem ansonsten schwarzweiss gehaltenen Film. Sie steht für die Verfolgung (im Ghetto) und die Vernichtung (auf dem Karren) der Juden, würde ich sagen. Oder für die Hoffnung, die weglief, sich versteckte und dann doch gestorben zu sein schien. Mit Betonung auf "schien"
Denn es heisst immer, dass dieses Mädchen im roten Mantel der einzige Farbtupfer im Film sei. Das stimmt nicht.
Schindler weist in seiner Fabrik am Freitagabend einen Rabbi darauf hin, dass gleich die Sonne untergehen wird und fragt ihn, was denn los sei mit ihm: müsse er nicht den Sabbat vorbereiten? Er lässt sich von dem Rabbi in sein Büro begleiten, wo er, wie er sagt, auch eine Flasche Wein habe. Darauf hin sieht man, wie Kerzen für den Sabbat angezündet werden. Die Flammen der Kerzen sind farbig. Vielleicht ist diese Szene nur im Director's Cut zu sehen, Tatsache ist jedoch, dass die Kerzenflammen ebenfalls nicht schwarzweiss sind und daher offensichtlich Teil der Farbsymbolik sind. Verfolgung und Tod der Juden in Gestalt eines kleinen Mädchens im roten Mantel. Und das Überleben in Form von Kerzen, die angezündet werden. Wäre doch logisch, oder?
Falls jemand eine andere Erklärung dafür hat, was es mit dem kleinen Mädchen im roten Mantel und den Kerzenflammen auf sich haben könnte...immer her damit... Read entry » |
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So ein Freitag ist in der Regel recht angenehm. Er ist das Ende einer langen Zeitspanne, gern auch Robinson-Woche genannt, die ihre Bezeichnung natürlich der Tatsache verdankt, dass unsereiner von Montag an wie besagter Robinson sehnsüchtig auf Freitag wartet. Nebenbei gesagt: Robinson wartete etwas länger, wir dagegen jede Woche erneut.
Der Freitag ist also der heiss ersehnte letzte Wochentag vor dem noch heisser ersehnten Wochenende. Das heisst, natürlich nur für all jene, die auch tatsächlich nur von Montag bis Freitag arbeiten müssen.
Gelegentlich fällt der Freitag auf einen Dreizehnten. Und, so will es der Aberglaube, wenn das passiert, dann bedeutet das nichts Gutes. Genauer gesagt bedeutet es etwas Schlechtes. Unglück nämlich. Fällt der Freitag auf den Dreizehnten eines Monats, dann wird aus diesem heiss ersehnten und ach so beliebten Wochenend-Boten ein Unglückstag.
Natürlich ist das nur Aberglaube. Wenn man sich einmal den Kalender der letzten vierhundert Jahre anschaut, dann stellt man fest, dass es der Freitag ziemlich oft geschafft hat, sich einen Dreizehnten zu erhaschen. Vielleicht findet er die Dreizehn einfach schick. Wer weiss? Vielleicht haben der Freitag und die Dreizehn Gefallen aneinander gefunden. Dem Freitag ist es ganz egal, ob man die Dreizehn nun als Unglückszahl betrachtet oder nicht. Das hat sich die Ärmste nicht ausgedacht, da kann sie nichts für. Und der Freitag mag sie. Weil sie so eine zierliche Eins und eine dralle Drei hat. Oder so...Wäre doch möglich.
Ich glaube ja, das mit dem Unglück reden sich die Leute auch nur ein. Und mit ihrem Aberglauben stiften sie jeden Freitag, den Dreizehnten eine Menge Unruhe und Chaos. Sie achten plötzlich auf Dinge, die ihnen bis dahin völlig egal waren und schon morgen auch wieder egal sein werden...aber heute messen sie diesen Dingen eine völlig übertriebene Bedeutung bei.
Andererseits.... Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der mit der Mutter von jemandem befreundet ist, dessen Frau eine Freundin hat, deren Bruder von seiner Arbeitskollegin gehört hat, dass es deren Nachbarn an einem Freitag den Dreizehnten ganz schlimm erwischt hat.
Besagter Unglücksrabe wachte an eben jenem verhängnisvollen Freitag auf und stellte fest, dass er verschlafen hatte. Tja...kein Wunder. Wir kennen das Datum. Dass der Mann den Wecker nicht gestellt hatte, so dass dieser ihn auch an jedem anderen Wochentag nicht hätte wecken können...das tut nichts zur Sache. Auf jeden Fall sprang der Pechvogel aus dem Bett, verlor auf dem Bettvorleger das Gleichgewicht und fiel auf den Allerwertesten. Na gut, das ist ihm eigentlich oft passiert, auch schon am Donnerstag, den Zwölften, aber wir wollen doch nicht kleinlich sein.
In der Küche, als er sich schnell eine Tasse Kaffee machen wollte, wurde er von einer Spinne, einer wirklich grossen, fetten und zwar absolut ungefährlichen, doch zugebenerweise ausgesprochen hässlichen Vertreterin ihrer Art erschreckt, die von der Lampe herunter hing. Seine Frau hatte ihn schon die ganze Woche um die Eliminierung des Achtbeiners gebeten, aber er hatte es irgendwie versäumt, und eigentlich gehört das hier auch gar nicht hin. Er erschrak also, stolperte, stieß gegen den Küchentisch und warf das Salzfässchen um. Und das an einem Freitag, den Dreizehnten!!! Entsetzlich. Gegen verschüttetes Salz, so sagt es der Aberglaube, hilft nur, dass man ein wenig Salz über die Schulter hinter sich wirft, was unser Unglückskind auch unverzüglich tat. Allerdings hatte seine holde Gattin unbemerkt hinter ihm die Küche betreten, um ebenfalls ein schnelles Frühstück zu sich zu nehmen. Das Salz tat ihr zwar keinen Schaden, erschreckte sie jedoch, so dass sie aufschrie und zurückwich. Und dabei dem Familienhund, der beschlossen hatte, seinen Zweibeinern in der Küche Gesellschaft zu leisten, auf die Pfote trat. Und zwar auf die linke Vorderpfote, um genau zu sein. Worauf dieser, der von Kalendern im allgemeinen und Freitag dem Dreizehnten im besonderen keine Ahnung hatte, umgehend reagierte, indem er - ebenfalls mehr vor Schreck durch den Schrei als aus Schmerz durch den Tritt, vor allem aber ganz sicher nicht in böser Absicht - Frauchen in die Wade biss.
Der arme Mensch, den der Fluch des Unheil-Datums voll erwischt hatte, sprang nun schnell die Treppe hinunter, um von der Telefonzelle auf der gegenüberliegenden Strassenseite einen Krankenwagen für die leicht blutende und im Verhältnis zu Schwere ihrer Verletzung völlig übertrieben kreischende Frau Gemahlin zu ordern. Er schaffte es übrigens sämtliche zweiundvierzig Stufen hinunter, ohne auszurutschen oder zu stolpern oder gar zu stürzen, was in Hinsicht auf das Datum ja doch schon fast an ein Wunder grenzte. Allerdings übersah er die Katze, die von links kam. Nicht dass die ihm etwas tat, aber sie war schwarz und wechselte vor ihm über die Strasse. Von links nach rechts. An einem Freitag den Dreizehnten. Wenn er die Katze gesehen hätte...wer weiss? Doch wie auch immer: unser Mann erreichte die Telefonzelle ohne Schwierigkeiten, fand sie auch in tadellosem und funktionstüchtigem Zustand vor, telefonierte und ging anschliessend über die Strasse zurück, wobei er es natürlich vermied, unter der aufgestellten Leiter des Plakatierers hindurch zu gehen, der eben damit beschäftigt war, die Litfass- Säule neu einzukleiden. Denn, und das weiss schliesslich jedes Kind, es bringt Unglück, wenn man unter einer Leiter hindurch geht. Wäre er hindurch gegangen, hätte er das Hufeisen nicht gesehen, so aber sah er es. Und Hufeisen bringen bekanntlich Glück. Vor allem, wenn man sie über der Haustür anbringt, aber manche Leute sagen auch, dass man sie hinter sich werfen muss, damit sie ihre beglückende Wirkung tun. Was unser Held umgehend tat. Er hätte es besser wissen müssen, vor allem nach seiner Salz-über-die-Schulter-Aktion, wegen der er ja gerade unterwegs war, aber er wusste es eben nicht besser und warf also das Hufeisen. Mit dem Erfolg, dass er damit den Schornsteinfeger vom Rad holte, der eben vorbei fuhr. Oder es zumindest wollte. Der Schornsteinfeger kippte samt Rad zur Seite, stieß gegen die Leiter des Plakatierers und warf beide um, worauf sowohl der Mann als auch der immer noch randvoll mit Leim gefüllte Eimer, den er oben auf der Leiter plaziert hatte, herunterfielen. Der Eimer erschlug die Katze, die inzwischen von rechts nach links zurückgekehrt war. Was sie lieber hätte lassen sollen. Kurioserweise war diese Katze kaum eine halbe Stunde zuvor eben jenem Schornsteinfeger um die Beine gestrichen, vielleicht, weil sie den Aberglauben kannte, demzufolge das Berühren eines Kaminkehrers Glück bringen würde. Vielleicht aber auch nur, weil sie die Katze seiner Nachbarin war und ihn kannte. Wir werden es nie erfahren. Sie hatte sogar ein bisschen Russ abbekommen. Und was hatte sie davon? Nichts! Aber so tragisch es auch ist, so muss man doch von "Glück im Unglück" sprechen, denn sie war das einzige Todesopfer, welches dieser schreckliche Tag forderte: der Plakatierer brach sich ein Bein, der Schornsteinfeger erlitt eine Gehirnerschütterung, und beide wurden nur wenig später von dem herbei gerufenen Krankenwagen in die nächste Klinik gebracht...
Passt gut auf euch auf... Read entry » |
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In ein paar Tagen fahre ich mal wieder "nach Hause". Genauer gesagt: ich fahre nach Hause zu meinen Eltern. Mit dem Nachtzug.
Natürlich könnte ich auch fliegen. Mit dem Flugzeug braucht es eine knappe Stunde, bevor man in meiner Heimat aufschlägt (im positiven Sinne), und wenn man das ganze Drumherum des Eincheckens und Auscheckens hier und da dazu nimmt, sind es vielleicht drei Stunden, vielleicht auch viereinhalb...mit dem Zug sind es neun. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, wo ich nach neun Stunden im Flieger überall sein könnte...ach ja. Aber ach, nein.
Dass ich mit dem Zug fahre, hat schlichtweg mit den Kosten zu tun. Dass ich den Nachtzug nehme, liegt an mir. Ich gehöre zu den Menschen, die auf Bahnhöfen zur hilflosen Person mutieren (auf Flughäfen auch, nur mal so nebenbei bemerkt) und ein arges Problem damit haben, wenn sie nach einigen Stunden Fahrt mit Zug A innerhalb weniger Minuten in Zug B umsteigen müssen, von dem sie nicht wissen, von wo er abfährt. Zumal Zug A dann schon mal zwanzig Minuten Verspätung hat, Zug B weg ist und Zug C vom Bahnsteig am anderen Ende des Bahnhofs abfährt...oops, sorry...knister, knister...fährt jetzt doch von ganz woanders, wir bitten um Ihr Verständnis....
Der Nachtzug ist netter, wenn auch langsamer: er fährt gemütlich durch die Nacht und bringt mich geradewegs (mehr oder weniger) zu DEM Bahnhof, in dem ich mich auskenne, weil er da steht, wo ich geboren wurde. Nein, ich wurde nicht DA geboren, wo heute der Bahnhof steht. Menno! Ich meine natürlich die Stadt, in der ich geboren wurde. Und auf eben jenem Bahnhof in dieser Stadt werde ich von meiner Familie in Empfang genommen und eingepackt.
Ich bin schon lange nicht mehr mit dem Nachtzug gefahren. Zum einen, weil ich selten gen Heimat fahre, ungeachtet meiner Liebe zu meinen Eltern. Ich bin seit neun Jahren Münchnerin. Ich fühle mich hier heimisch. Sehr sogar.
Zum anderen, weil lange Zugfahrten, bei Nacht oder bei Tage, wenn sie nicht dazu dienen, mich ausser Landes oder einfach nach Ganzwoanders zu bringen, nicht so mein Ding sind. Deshalb habe ich auch so dann und wann schon mein Geld-übrig-Sparschwein geschlachtet, und bin nach Hause geflogen, wenn meine Eltern auf Grund allzulanger Vernachlässigung meiner töchterlichen Pflichten mit Enterbung drohten. Auf diese Weise wird Tochtersein jedoch zu einer kostspieligen Angelegenheit, vor allem, wenn sie noch nicht die Nutzniesserin des besagten Erbes ist (und auch wenn sie es wäre, würde sich daran nichts ändern...also spart euch die Heiratsanträge: hier gibbet nischt zu holen).
Der Nachtzug also, und diesmal vor allem, weil die Tochter aufgrund schrecklicher Behandlung durch eine böse Chefin (eine ganz andere Geschichte) einfach mal nach Hause zu Mami und Papi will, um sich dort ein paar Streicheleinheiten, kalorienverseuchtes Essen in rauen Mengen und seelischen Beistand abzuholen. Dafür würde sie auch barfuss und nur im Hemd per pedes nach Timbuktu reisen...
Warum ich hier so ausschweifend über meine Reisepläne und das dafür gewählte Transportmittel schreibe? Hast du ein Auto? Ja? Dann kann ich deine Frage verstehen. Ich habe keins, und selbst wenn ich eins hätte, würde mir das nichts nützen, weil ich es nicht fahren könnte, und nein, ich habe auch nicht vor, fahren zu lernen...und nun hast du mich aus dem Konzept gebracht. Wo war ich? Ah, ja. Nachtzug.
Diesmal fahre ich mit so einem hübschen Zug:mit sauberen Grossraum-Abteilen und Liegesesseln. Dass dieser Komfort inzwischen normal ist, wie mein guter Freund Ghost mir versichtert, macht deutlich, wie lange ich schon nicht mehr mit dem (Nacht)Zug unterwegs war.
Denn die diesbezügliche Erinnerung an meine letzte Heimreise ist eher unschön. Und auch die Erinnerung an die Reise davor. Und die davor.
Zusammengepfercht mit fünf anderen Reisenden hockte ich in einem dunklen, gut heruntergekühlten Abteil, dessen Beleuchtung und Heizung ebensowenig funktionierte wie das Fensterschloss. Und ausgerechnet jener der fünf anderen Reisenden, welcher mir am unsympathischsten war, unter anderem auch, weil er schon stockbesoffen in den Zug stieg und sich noch vor der Abfahrt dreieinhalb Dosen Bier "reintat"...sass mir gegenüber. Und wollte sich auch noch mit mir unterhalten. Während die übrigen Fahrgäste nach und nach ins Koma fielen, hörte ich mir von meinem Gegenüber die Geschichte seines Lebens an. Zu den Klängen von Type O Negative über Kopfhörer. Pete hätte geweint, ich schwöre es! Ich selbst war nah dran. Aus Selbstmitleid und Verzweiflung.
Zwischendurch schlief der gute Mann (nicht Pete, er hiess Wolfgang) auch immer mal ein. Was noch schlimmer war: sein Schnarchen war fürchterlich. Er weckte damit die anderen auf, was ich ihnen gönnte, nur machte es das insgesamt nicht schöner. Ich selbst döste vielleicht zwanzig Minuten während dieser Fahrt und wachte auf, weil der Mann gegenüber mich unverwandt anstarrte: er wollte mir den Rest seiner Lebensgeschichte erzählen. Und er tat es.
Als wir endlich das Ziel unserer Reise erreicht hatten, packte mein Gegenüber die Wehmut ob unserer bevorstehenden Trennung, nachdem wir doch so viel Zeit unseres kleinen Lebens miteinander verbracht hatten, und er musste mich zum Abschied unbedingt umarmen. Vor den Augen meiner doch recht verdutzten Eltern...
Auf der Rückreise teilte ich mir ein ganzes Abteil zu zweit mit einem Mann, der gleich zu Beginn der Fahrt in Jogginghosen und Hausschuhe schlüpfte und mir verriet, dass er zu seiner Konferenz in München natürlich auch hätte fliegen können, es aber mit dem Zug gemütlicher fände. Er arbeitete im Ministerium für Innere Angelegenheiten und hörte über Kopfhörer die Abenteuer des kleinen Drachen Tabaluga. Acht Stunden lang erzählte er mir, wie der Westen den Osten damals über den Tisch gezogen hat, und dass er persönlich mit Peter Maffay befreundet sei.
Und ich wünschte mir, ich wäre tot.
Noch heute schrecke ich nachts aus Albträumen auf, in denen eine Stimme heiter sagt:
"Und dann sagte ich zu ihm:'Peter' sagte ich..."
Gute Reise. Womit und mit wem auch immer.
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Darf ich sterben gehen, bitte, ja?
Ja, ich weiss. Auf seine Gesundheit muss man achten, schliesslich tut es sonst keiner. Und überhaupt. Das nutzt ja auch niemandem was. Und dann: keiner sagt hinterher danke.
Schon klar.
Ich habe heute (und morgen) frei...und natürlich versuche ich, mich in diesen zwei Tagen so etwas wie "auszukurieren" (und deshalb, liebes Kunzelchen, musst du mich noch ein bisschen vermissen, denn zur Zeit sind im Redhead-Wunderland keine Besuchszeiten ausgeschrieben). Aber so wie ich mich momentan fühle (besch...eiden), kann ich mir jetzt nicht wirklich vorstellen, dass ich am Mittwoch wie das blühende Leben und frisch wie ein Frühlingsmorgen in die Arbeit hüpfen werde...und das ist auch okay!
Ich persönlich bin ja der Auffassung: Eine kranke Kollegin gehört nicht in die Arbeit. Das denke ich nicht, weil ich so ein netter Mensch bin, sondern einfach aus dem Grund, dass es mir lieber ist, ich WEISS, dass ich die ganze Arbeit unter Umständen allein machen muss, als dass ich ein fiebriges und elend vor sich hin wurschtelndes Etwas mit mir in der Schicht habe, von dem ich NICHT WEISS, ob es mir nicht in der nächsten Minute umkippt oder etwas übersieht, was besser nicht übersehen werden sollte...und hinter dem ich her hoppeln muss, um die getane (oder eben auch nicht getane) Arbeit zu kontrollieren. Wenn jemand krank ist und zuhause bleibt, kann ich einen Krankheitsfall melden und krieg vielleicht Ersatz. Wenn der Krankheitsfall über die Station kriecht, hab ich einfach nur mehr Arbeit...Ich hab deshalb früher schon Kollegen angeknurrt: Bleibt zuhause, wenn ihr nicht arbeiten
könnt!
Aber im Drachenland ist natürlich alles anders. Hier BIST du nicht krank, hier MACHST du krank, und selbst wenn du literweise Blut und kiloweise Eingeweide auf dem Stationsflur verlierst, wird das normalerweise nicht bemerkt. Bestenfalls wirst du angeplärrt, dass du die Sauerei gefälligst selbst wegmachst!
Ich hab mich im vergangenen Jahr wochenlang mit einem übel schmerzenden Arm auf die Arbeit geschleppt. So ein bisschen Aua ist ja auch kein Grund für's Zuhausebleiben. Ich dachte, naja, hast dich bestimmt blöd "vergriffen". In Pflegeberufen hat man bei Schmerzen zuerst nie was ernstes: man hat sich vergriffen. Oder verhoben. Oder ist blöd aufgegetreten. Und ausserdem mögen auch junge Pflegerinnen den Duft von Kampfer und was sonst noch so in diversen Salben und Einreibungen drin ist. Sie finden Bandagen hübsch. Und sie stehen auf Schmerzen. Krank sind sie nie, höchstens im Kopf, der da denkt: "Och, das ist nichts"
Och, das war auch nichts. Vielleicht so bissi ne Sehnenscheiden-Entzündung. Einreiben und bandagieren, dann wird alles von selbst wieder gut...null problemo. Hm, vielleicht doch lieber keine Bandage, denn kaum wurde die Drachin dieser gewahr, hiess es auch schon, dass die liebe Red sich aber arg anstelle und das mit der Binde doch ein ziemlich zimperliches Getue sei. Also keine Bandage. Is ja auch nich sooo schlimm. Tut ja bloss weh...
Bis ich den Arm nicht mehr bewegen konnte und passen musste: ich kann nicht arbeiten. Wie, nicht arbeiten??? Du meinst, du KOMMST NICH???? Oha...
Es hat ewig und drei Tage gedauert, bis mir ein Arzt geglaubt hat, dass es verflucht weh tut. Weil: wenn es so weh tun WÜRDE, liebste Frau Red, dann HÄTTEN Sie ja kaum so lange noch damit arbeiten KÖNNEN!!! Kurz bevor ich mich anschickte, mir mit der Gelenkschiene, die mir ein Orthopäde, der so gutaussehend wie dämlich war, verpasst hatte ("Arbeiten können Sie damit schlecht, aber krankschreiben lassen müssen Sie sich anderswo...") einen Krankenschein aus dem nächsten Arzt heraus zu prügeln, diagnostizierte der eine Knochenhautentzündung, meinte, das sei eine ausgesprochen schmerzhafte und auch recht langwierige Sache, verpasste mir eine Spritze, Tabletten und einen gelben Schein. Und der konnte es nicht glauben, dass sein Kollege mich einfach so heimgeschickt hatte. Naja, der hatte in die Akte ja auch "angebliche Beschwerden" geschrieben. Als mein weisskitteliger Held mir die Kanüle ins Handgelenk rammte und dann, als ich fast die Wand hoch gehen wollte, trocken meinte: "Joah, DAS ist der entzündete Bereich, ich SEH schon..."Ach, Doc, ich liebte Sie...sie wissen ja gar nicht wie knapp Sie einem Heiratsantrag entgingen...! Man(n) braucht frau bloss ernst zu nehmen, und schon isse hin. Oder so.
Als ich mit wieder funktionierendem Flügel zurück in die Arbeit flatterte, tat man dort allerdings, als hätte ich die Bibel geschändet. Was für eine Frechheit! Dass ich mich nicht schäme! Und wenn ich das woanders gebracht hätte, so fauchte mich eine mit meiner Drachin befreundete Stationsleiterin an, dann hätte ich gar nicht mehr zurück kommen brauchen. SIE jedenfalls hätte mich von ihrer Station geschmissen!
Heute weiss ich, dass ich eben einfach auf der falschen Station arbeite...von dieser wird man nicht mal geschmissen, wenn man es drauf anlegt.
Tja...mit meinem Bandscheibenvorfall (naja, ich wusste da noch nicht, dass es KEIN verrenkter Rücken war) kroch ich Anfang dieses Jahres dann stur in die Arbeit und der Pflegedienstleitung vor die Füsse. Das fand die zwar nicht toll, aber ihr blieb ja nichts weiter übrig als einen Krankenwagen zu rufen.
Und mit was immer ich gerade habe, und woran immer ich gerade sterbe, werde ich auch in die Arbeit schleichen. Und wenn ich dort umfalle. Denn wie meine Kollegin neulich sagte: "Klar, du kannst zum Arzt gehen und zuhause bleiben...aber wenn du wieder kommst...naaaja...du weisst ja, wie es dir dann geht..."
Klar ist das blöd. So blöd aber auch wieder nicht. Meiner Drachin ist diesmal sogar aufgefallen, dass es mir nicht gut geht. Und sie meinte zumindest, dass ich doch da was sagen muss, denn wenn ich krank bin und meine Arbeit nicht schaffe, dann muss sie das doch wissen, denn sie wolle ja am nächsten Tag nicht ungerechter Weise auf mir herumhacken...(doch, wirklich wahr, das HAT sie gesagt). Natürlich hofft sie, dass ich auf wunderbare Weise genese...vor allem, bevor die neue PDL merkt, dass ich eigentlich ins Bett gehöre und mich fragt, wieso ich nicht zum Arzt gehe. Und bevor ich der dann erkläre, was mir erfahrungsgemäss blüht, wenn ich so UNVERSCHÄMT bin, und das wirklich mache...
Jaja...es ist meine Gesundheit, ich weiss. Aber es nützt mir nichts, nach einer Woche gesund wieder zu kommen und dann unterstellt zu kriegen, dass ich eigentlich gar nichts hatte...ausser keiner Lust zum Arbeiten. Und so behandelt zu werden ("Wenn die am Montag wiederkommt, kann die erst mal baden, bis sie umfällt...die wird schon sehen, was sie davon hat..." Das ist sozusagen die Begrüssungs-Zeremonie für wiederkehrende Simulanten)
"Auf dieser Station muss man schon stark sein, das ist leider so", meinte die Drachin am Freitag, als ich verlangte, dass mein Kollege die Schichtleitung übernimmt (mit 39 Fieber ist das nämlich nicht wirklich zu machen). Und so wie sie es sagte, klang es fast wie eine Entschuldigung.
Als ob ich das nicht wüsste. Schliesslich besetze ich die Stelle, welche die knapp zwanzig PflegerInnen vor mir immer schon nach wenigen Wochen oder gar Tagen nicht mehr wollten, jetzt schon fast ein Jahr.... Read entry » |
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Eigentlich wollte ich ja mit Kunzelchen (einer Freundin) & Schatz (ihrem) am 8.September Richtung Heimat fahren, weil Schatz aus meiner Ecke stammt und mit Kunzelchen an eben jenem 8.September, der übrigens ein Freitag ist, gen besagte Ecke fährt. Am Sonntag wären Kunzelchen, Schatz und ich dann wieder nach Hause gefahren.
Aber wie das so ist, just an diesem Wochenende hab ich Dienst in meinem Plan stehen. Ich könnt ja mal fragen, ob jemand mit mir tauscht, weil ich danach ja auch Urlaub habe, und auch wenn meine Kollegen manchmal zum in-die-Tonne-kloppen sind, in der Hinsicht sind wir doch sehr nett zueinander. Und es würden auch zwei Kollegen für mich einspringen...wenn da nur nicht die Drachin wäre, die ich fragen müsste...
Nee...
Jetzt fahre ich am 10. September mit dem Nachtzug. Fahrkarte liegt schon auf dem Regal und schnurrt leise vor sich hin...
Ich wollt schon immer mal zuhause anrufen und meine Ma in ein Gespräch verwickeln, in dessen Verlauf wir drauf kämen, wie schön das wäre, könnte man jetzt sagen: "Ich mach Kaffee, bis gleich."
Und dann zu ihr sagen: "Na, dann mach mal Kaffee, ich steh nämlich in der Telefonzelle unten an der Strasse. Bis gleich!"
Jetzt muss ich nur aufpassen, dass ich mich bis dahin nicht verplapper... Read entry » |
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Hast du heute eine Rothaarige dabei beobachtet, wie sie vor dem Einkaufscenter ihre Turnschuhe ausgezogen hat, um gleich darauf in ein Paar absolut identischer Treter zu schlüpfen? Das könnte ich gewesen sein. Meine alten Alltagsrennsemmeln hatten kaum noch Sohle, schliesslich waren sie in den letzten sechs Monaten nahezu unentwegt im Einsatz. Und zwar bis zu zwölf Stunden täglich. Sie sind gelaufen, gelaufen, gelaufen...bei jedem Wetter. In den letzten paar Tagen hatte ich permanent nasse Füsse, weil da schon Löcher drin waren. Und ein oder zwei Mal habe ich sogar ein paar Ameisen darin mitgenommen...Also musste ich mir heute eben neue Schuhe kaufen...
Und ich habe heute tatsächlich das letzte Paar dieser Schuhe in meiner Grösse erwischt!!!Was ein Glück...
Schon seltsam: ich hab sooo viele Schuhe, aber ich brauche im Grunde immer nur ein Paar. Das trag ich dann tot. Letztes Jahr haben meine heissgeliebten Wanderkloben den Geist aufgegeben, ein wirklich schlimmer Verlust, zumal ich bis jetzt keinen gleichwertigen Ersatz finden konnte. Was hab ich die geliebt! Wir waren jahrelang ein echtes Dream Team!
Gekauft hatte ich sie als Ergänzung für mein Wies'n-Outfit und weil sie so toll zu zwei Röcken passten, die ich damals gern anzog. Da waren sie noch hellbeige und in "Wildleder-Optik". Ein paar Wochen später misshandelte ich sie arg, indem ich sie mit dunkelbrauner Schuhcreme einschmierte. Mach ich mit hellen Schuhen immer. Wenn sie nicht grad sündhaft teuer waren...Danach sahen sie aus, als hätte ich in ihnen schon mindestens einmal einen globalen Fussmarsch hingelegt: echt antik.Und von Velour keine Spour (autsch! reim dir oder ick fress dir) Und genauso blieb ihr Aussehen dann auch. Bis zum letzten Tag, an dem Mister Left an einem totalen Sohlenbruch starb. Mister Right hätte auch nur noch ein paar Tage länger durchgehalten...aber es gibt keine einzelnen linken Schuhe zu kaufen, also wurden beide in den Ruhestand versetzt und landeten im Müll. Ach Jungs, ihr fehlt mir! Noch nie zuvor und bisher auch nie wieder wurden meine Füsse sooo gut behandelt. Read entry » |
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Meine Mama liess es sich natürlich nicht nehmen, mir heute am Telefon noch einmal die Geschichte meiner Geburt zu erzählen. Die an und für sich nicht so spektakulär ist: nachdem ich den Arzt und die Hebamme stundenlang veralbert hatte und nicht mal daran dachte, durch irgend einen Geburtskanal zum Ende des Tunnels und ans Licht bzw auf die Welt zu kommen, erklärte der inzwischen leicht genervte Arzt meiner Mutter, die von dem ganzen Aufdemgangspazierengehenundodereinheissesbadnehmen eh schon völlig erledigt war und sich ausserdem ziemlich blöd vorkam, weil sie seit den frühen Morgenstunden mit lediglich drei lausigen Wehen aufwarten konnte (bei der ersten hatte man sie mit dem Krankenwagen von daheim abgeholt, damit bei diesem Kind auch wirklich nichts schief gehen würde: meine Ma hatte schon mehrfach Fehlgeburten erlitten und sollte eigentlich keine Kinder mehr kriegen können...aber wie immer hatte MIR das wieder mal keiner gesagt), er würde jetzt erst mal Mittagspause machen gehen.
Wenn ich etwas hasse, dann ist es nachlassender Enthusiasmus, wo Geduld und anhaltende Begeisterung angebracht wären, und meine Geburt ist ein solcher Fall...schliesslich werde ich nicht alle Tage geboren. Die Show gibt es nur einmal, Zusatzveranstaltungen ausgeschlossen, also entschied ich mich just in dem Augenblick, da der Arzt durch die Tür und Richtung Mittagstisch zu entfleuchen drohte, dass JETZT der richtige Augenblick sei. Meine Mutter japste einmal überrascht und vermeldete schüchtern, dass es "jetzt wohl losginge", aber der Arzt meinte nur, dass das noch eine ganze Weile dauern würde. Vor Abend jedenfalls würde da gar nichts losgehen.
Die Hebamme allerdings riskierte einen Blick und schrie daraufhin los: "Wenn Sie jetzt gehen, bringt die ihr Kind allein auf die Welt...der Kopf ist schon draussen...!
Hallo Welt. Jetzt steht doch nicht so rum. Helft mir hier raus. Und bitte...könnte mir mal jemand die Haare aus dem Gesicht nehmen. Ich kann ja gar nichts sehen. Ach so....uähuähbäääääh.... Read entry » |
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29-f
Wie fühlt man sich eigentlich mit 35?
Ich weiss es nicht. Ich frage mich ja immer noch, wie man sich denn mit 30 zu fühlen hat.
Liebe Frau Therapeutin, Sie hatten so unrecht. Ich muss nicht erwachsen werden. Es ist absolut okay, mit den Lebenserfahrungen einer Alten, die ich vielleicht nie sein werde, dem Verstand einer Fünfunddreissigjährigen, dem Übermut einer Achtzehnjährigen und der Staunen einer Sechsjährigen durchs Leben zu gehen. Möglicherweise werde ich als kindische Greisin sterben, verrückt genug, um im Park barfuss über die Wiesen zu laufen, Seifenblasen zu fangen, Bäume zu umarmen und mit Hunden zu reden...und ich glaube, das wäre nicht mal so schlecht, wenn man bedenkt, dass ich nicht vorhatte, überhaupt bis hier her zu kommen.
Und wenn das, was mir da aus dem Spiegel entgegenlächelt, das Gesicht ist, für das ich selbst verantwortlich bin, dann kann ich voller Stolz sagen:
gut gemacht, Mädel! Great job!
Und wie fühlt man sich denn nun eigentlich mit 35?
Was mich angeht: ich fühle mich...
irgendwie
genau richtig. Read entry » |
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Mein Vater war in seinem Leben schon Melker, Chauffeur, Polizist, Fernfahrer, Bauarbeiter...
Und ganz zuletzt arbeitete er als Heizer und schaufelte den ganzen Tag Kohlen in den Heizugskessel des Betriebes, in dem er zuvor als Fahrer gearbeitet hat.
Ich hab ihn als Kind dort gern besucht, und wenn mein Vater an den Wochenenden rausfuhr, um im Wagenpark des Betriebs herumzubasteln oder die Heizungskessel zu warten, dann fuhren mein Bruder und ich meist mit. Wir fingen die Forellen im Löschwasserteich, wenn sie sich fangen liessen (meist fingen wir aber vor allem Algen) und spielten mit den Katzen.
Denn mein Vater war buchstäblich der Herr der Katzen. In einem Jahr brachte er es auf über zwanzig Katzen und Kater. Arbeitskollegen brachten sie mit, halbverhungerte und verletzte Viecher, die sie angefahren am Strassenrand gefunden hatten, ausgesetzte, halb tot geprügelte Tiere, die sich in Garagen verlaufen hatten oder hinter Mülltonnen herum drückten. Ab und zu tauchte auch mal der eine oder andere Strassenkater auf, dürr und zerzaust, mit angefetzten Ohren, der wohl gehört hatte, dass es bei meinem Vater im Heizungshaus ein warmes Plätzchen und ein Fressen für umsonst gab. Mein Vater war Heizer und betrieb nebenbei noch ein Katzenasyl. Er gab eine Menge Geld dafür aus, neu angekommenen Katzen sterilisieren zu lassen, um nicht in Katzenbabies zu ersticken. In all den Jahren gab es nur einmal Nachwuchs im Heizungshaus, und mein Vater bekam die kleinen schnell bei Kollegen unter. Nur bei den Katern tat er sich schwer: er brachte es nicht über sich, sie kastrieren zu lassen. Männer halten eben zusammen...
Dann und wann gab er einen seiner Pfleglinge in liebevolle Hände ab, mancher verschwand nach einer Weile von selbst, aber viele blieben auch, und das waren vermutlich vor allem jene, die draussen in der Welt nicht viel Gutes erfahren hatten.
Ich liebte es! Wenn ich in den düsteren Raum mit seinem riesigen Heizungskessel kam, zu dessen Feuerluke eine schmale steile Rampe führte, auf der mein Vater Tag für Tag schubkarrenweise Kohleberge versetzte und in Rauch und Wärme aufgehen liess, dann brauchte ich immer erst ein paar Momente, bis ich mich an das russige Dämmerlicht gewöhnt hatte und sie sehen konnte: die Katzen. Sie waren überall. Sie sassen auf Regalen, in abgestellten Schubkarren, unter dem Waschbecken, oben auf der Plattform des Kessels. Sie strichen meinem Vater um die Beine, wenn er nach hinten in sein kleines Büro ging, sassen dort auf dem Sofa, dem Schreibtisch, auf der Glasplatte des Aquariums, das mein Vater dort stehen hatte. Als mein Vater später Rheuma bekam, verbrachte er ganze Nächte dort im Büro. Er hatte schliesslich Unmengen von jenen Katzenfellen, denen man nachsagt, dass sie gut gegen Rheuma seien. Und in jedem davon steckte sogar noch die dazugehörige Katze drin. Ich beneidete ihn um diese Schlafgelegenheit...
Viele der Katzen liessen sich von mir nicht anfassen, von meinem Vater allerdings schon. Er hatte für jede einen Namen und konnte sie alle auseinander halten, und er wusste von jeder, was sie am liebsten mochte und wo sie ihr ganz spezielles Plätzchen im Heizraum hatte. Und wenn er sie rief, beispielsweise zum Füttern, dann kamen sie alle, und mein Vater stand in einer Masse aus mautzendem Fell und hoch aufgereckten Katzenschwänzen. Mein Vater bezog das Futter natürlich aus der Betriebsküche, und die Katzen, denen man ja nachsagt, sie seien mitunter heikel in Sachen Futter, waren absolut nicht wählerisch. Für manche war es das erste reichliche Futter seit langem überhaupt, und wann immer mein Vater die Schüsseln und Teller füllte, waren sie hernach spiegelblank. Einmal in der Woche spendierte mein Vater Dosenfisch, und alle Katzen benahmen sich, als sei die Baldrianflasche umgekippt: sie wurden richtiggehend verrückt. Das Fischessen fand nämlich nach ganz bestimmten Regeln auf besondere Weise statt: immer paarweise im Büro. So stellte mein Vater sicher, dass auch wirklich alle etwas abbekamen. Den Fisch-Tag liebte ich besonders und fuhr meist nach der Schule gleich in den Betrieb meines Vaters, wo man mich kannte und gleich am Pförtnerhaus durchwinkte.
Wenn alle ihren Leckerbissen bekommen hatten, suchte mein Vater meist eine Katze für mich aus, die ich auf den Schoss nehmen und streicheln konnte.
Die Favoriten von mir und meinem Bruder hiessen "Herbert" und "Albert". Zwei junge Kater, der eine getigert, der andere pechschwarz, die ein Arbeitskollege in seiner Garage gefunden hatte, wo sie sich immer wieder herumtrieben. Die beiden wurden im Gegensatz zu den anderen handzahm, und mein Vater brachte sie an den Wochenenden manchmal mit zu uns nach Hause, freilich nicht, bevor sie nicht ein Bad im Waschbecken hinter sich gebracht hatten. Der schwarze Albert liess es mehr oder weniger über sich ergehen, während Herbert am Freitagnachmittag mitunter schon von sich aus in das Waschbecken sprang. Anschliessend wurden beide in ein Handtuch gewickelt und dösten schnurrend auf der Couch im Büro vor sich hin, bis mein Vater Feierabend hatte.
Albert war jedoch für die Wohnung nicht gemacht, und sein Bruder litt jämmerlich, wenn er allein blieb, also liessen wir die Besuche irgendwann sein und fuhren statt dessen eben in den Betrieb, um die Katzen zu besuchen. Albert wurde ein Herumtreiber, ein grosser sehniger Kater, der etwas von einem kleinen Panther an sich hatte. Jedesmal, wenn er bei meinem Vater auftauchte, musste der ihn erst einmal verarzten: Albert schien ein sehr aufregendes Katerleben zu führen. Ein richtiger Draufgänger. Als er nicht mehr kam, mussten wir das Schlimmste befürchten. Herbert hingegen wurde ein dicker gemütlicher Schmusekater, der meist faul in der Sonne lag und meinem Vater beim Kohlenschaufeln zusah.
Eines Tages brachte jemand meinem Vater eine Katze, die schwer verletzt auf dem Betriebsgelände gelegen hatte. Irgendwer hatte das Tier fürchterlich verprügelt, und so wie es aussah, war das Ziel dieser Aktion gewesen, es zu erschlagen. Mein Vater päppelte die Katze wieder auf, und wir tauften sie "Minke". Sie war schwarz mit ein paar weissen Flecken. Minke war mit den Menschen fertig. Sie lebte ständig in Angst und liess sich nicht anfassen. Als sie sich schliesslich trotzdem an mich gewöhnte, durfte ich sie behalten. Mein Vater schenkte sie mir zu Weihnachten. Sie klebte an mir, als sei sie mein Schatten und schlief von Anfang an und zum Leidwesen meiner Mutter nicht nur in meinem Bett, sondern AUF MIR. Aber es ging nicht gut, denn ausser mir und meinem Vater durfte sie ja wie gesagt keiner anfassen, und der kleinste Schreck liess sie panisch in der Wohnung herumrasen und buchstäblich die Wände hochgehen. Ausserdem hatte sie angefangen, mich "füttern" zu wollen und weckte mich regelmässig damit, dass sie mir ein Stückchen der Innereien (meist war es Lunge), die meine Eltern extra für sie, die sich mit anderem Futter ein bisschen schwer tat, beim Metzger holten, ins Gesicht drückte. Zudem versteckte sie auch fortwährend Futter in der Wohnung, offenbar traute sie dem gefüllten Fressnapf nicht und rechnete stets damit, dass es eines Tages nichts mehr geben würde. Sie war eine wirklich kaputte Katze und einfach bemitleidenswert.
Ich behielt sie bis April, dann konnte ich es nicht mehr ertragen, sie geduckt und immer auf dem Sprung durch die Wohnung schleichen zu sehen.
Ich brachte sie zurück ins Heizerhaus. Sie drehte eine Runde, begrüsste ein paar der anderen Katzen, scheuchte dann die Neue namens Biggie mit ein paar Ohrfeigen von ihrem frühern Lieblingsplatz herunter und war wieder daheim. Read entry » |
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Heute haben Ghost und ich schon mal in der "Tierfutter-Ecke" des hiesigen Kaufhauses gestöbert (wir wollen doch bald zwei Tierheimkatzen adoptieren), und als wir dann an den Hunde-Schokodrops vorbei kamen, fing ich an zu heulen...
Mein Hund ist schon ein paar Jahre tot, meine Eltern mussten ihn nach einem recht angenehmen und sicher glücklichen Hundeleben (15 Jahre, davon 11 als Mitglied der Familie Redhead) schliesslich einschläfern lassen, aber es gibt so Momente, in denen es mich immer noch hart ankommt, dass der Kleine nicht mehr da ist. Mein Hund bekam jeden Tag fünf Schokodrops. Und ich schwöre, er hat sie gezählt: nach dem fünften tat er immer so, als müsste es noch eins geben (Man kann es ja wenigstens versuchen, schien er zu denken, wenn ich dann sagte: "Nö, das war's jetzt"). Und machte ich nach dem vierten Anstalten, die Dose wieder wegzustellen, dann sah er mich an, als wollte er sagen: "Bist du wahnsinnig??? Ja, kannst du denn nicht zählen???"
Ich hätte nicht gedacht, dass ich beim blossen Anblick der Dropsdose das heulende Elend kriege... Read entry » |
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Heute...genauer gesagt in ein paar Stunden... kommt Ghost wieder, und die Bude sieht aus, als wäre er nicht nur nich weg sondern die ganze Zeit in mindestens dreifacher Ausführung hier gewesen. Plus me, myself and I....Schlampampen-Alarm!!!
Wo sind die schwarzen Löcher, wenn man mal eins braucht???
Tja, ich wollte...sollte...müsste eigentlich meiner soulmate eine Mail schreiben, damit sie weiss, dass ich noch nicht verdampft bin...aber ich muss erst mal die Welt vor dem Chaosteufel retten...oder doch wenigstens den Teil der Welt, für den ich Miete zahle.
flitzzzzzzzzzzzzz!
by the way: ich fand es ohnehin absolut unverantwortlich, mich mit einem ganzen Haushalt tagelang unbeaufsichtigt zu lassen. Wenn Ghost Pech hat und die Nachbarn was gemerkt haben, kann es sein, dass er mich im Tierheim abholen muss...und eine Anzeige wegen Vernachlässigung am Hals hat.
Und recht geschähe ihm...!!! Read entry » |
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Schmetterling
Ich war mal in einen verliebt, von dem sagte meine Mutter, er sei ein Schmetterling. Nicht dass ich es nicht schon selber wusste. Und es änderte auch nichts daran. Ich war verliebt in ihn. Mein Herz hatte das so verfügt, unter Ausschluss des Verstandes und ohne Berücksichtigung der Warnungen und Gefahrenmeldungen von Seiten der Vernunft.
Er war ein Schmetterling und flatterte frech von Blüte zu Blüte und immer weiter, und er machte daraus kein Geheimnis, und genau das schien seinen Reiz auszumachen. Das und die Tatsache, dass er einem mit einem einzigen Blick Schmetterlingsflügelflattern machte: von den Haarspitzen bis hinunter zu den Zehen.
Ich war bis dahin nie verliebt gewesen.
Ich war der Liebe begegnet, jener grossen, die dich frontal erwischt wie der Bus, den du beim Überqueren der Strasse nicht kommen siehst. Da war keine Zeit geblieben für diese schöne Spielerei des Verliebtseins. Ich hatte von der kleinen Schwester der grossen Liebe immer nur gehört. Gekannt habe ich sie nicht. Bis mir der Schmetterling ins Herz flatterte. Zuerst flatterte er nur so ein bisschen in der Magengegend. Wenn ich seine Stimme hörte oder wenn er mich ansah und mir zuzwinkerte. Ich lauschte dann manchmal in mich hinein und war fasziniert von dem Schmetterlingsflügelgeflatter.
Er war der zweittollste Mann, dem ich in meinem Leben begegnet bin. In den tollsten Mann, war ich nicht verliebt, den liebte ich, und es war eine dieser "Bis das der Tod euch scheidet"-Liebesgeschichten. Und kein Mann wird je sein wie dieser Mann, und das ist gut und richtig, denn ich suche keinen, der wie er ist, damit er seine Stelle einnimmt.Um bei den Blümchen und Bienchen...oder vielmehr Schmetterlingen zu bleiben: wenn ich eine Blume war, dann war er der Boden gewesen, in dem ich wurzelte. Er war alles, was ein Blümchen brauchte. Jedenfalls für mich.
Doch er war fort. Und nun war da dieser Schmetterling...
Ich machte mir nichts vor: er war ein Schmetterling und ich nur eine Blume. Nicht mal eine besonders tolle oder schöne, die Blumen um mich herum waren alle viel bunter und auffälliger. Und während er so um mich herumflatterte, machte er immer mal Pause, um auch mal von der einen oder anderen Blüte zu naschen, die ihm zuwinkte. Und sie winkten irgendwie alle. Sie können den ganzen Tag hübsch in der Gegend herumstehen, doch sobald so ein Schmetterling angeschaukelt kommt, strecken sie sich in die Höhe und machen sich ganz gross. Vor allem, wenn da noch andere Blumen in der Nähe stehen. Blumenterror. Schmetterlingsneid.
Ich habe mich nicht bemüht. Aber eines Tages hatte er wohl gerade genug von "bunt" und "leicht" zu kriegen. Und er flatterte in meine Richtung!!!
Tja, ich gab mich mimosig. Das war dem Schmetterling wohl nicht so geläufig: jedesmal, wenn er sich anschickte, zu landen, klappte dieses Blümchen verschreckt die Blätter zusammen? Das konnte doch nicht sein! Das kratzte ihn am Schmetterlingsstolz. Er gab nicht auf.
Ich dachte darüber nach, dass ich noch nie verliebt gewesen war und eigentlich auch nicht mehr damit gerechnet hatte, dass mir die kleine Schwester der grossten Liebe je über den Weg laufen würde. Das war doch eine gute Gelegenheit, mit ihr Bekanntschaft zu schliessen!
Und am Anfang war es wunderschön. Ich war verliebt. Richtig verliebt. Hach!
Er sah toll aus und war intelligent, und er fühlte sich gut an und roch irgendwie so gut...und er konnte küssen, wie man als Schmetterling nicht küssen können sollte, weil man damit Blumen schier zu Tode küsst. Wenn der Schmetterling mich küsste, kam das schon ziemlich nahe an meine Vorstellung von "Blümchensex" heran. Hach!
Aber irgendwann wurde mir klar, dass ich dem Schmetterling gar nicht gut tat. Er hatte sich so auf mich ausgerichtet, dass er die anderen Blumen gar nicht mehr wollte! Er verlor auch zusehens an Farbe und wenn ich mal böse auf ihn war, dann gab er sich knitterig und mimte den Nachtfalter.
Und ich fand auch, dass das jetzt reichte mit der Verliebtheit. Ausserdem war es anstrengend, immerzu die Mimose zu spielen. Ich gehöre nämlich eher zur Familie des Sonntentaus...und das sind Fleischfresser. Habt ihr eine Ahnung, wie schwer das ist: ankucken aber nicht essen?!!!Und er war sooo lecker! Hach!
Irgendwann bin ich schwach geworden und hab mich auf das "Darf ich mal naschen?!"-Spielchen eingelassen. Der Schmetterling hat danach nicht mehr so richtig fliegen gekonnt und sah auch nicht mehr wirklich so toll aus. Und er traute sich auch nicht mehr so recht an mich heran. Auf der anderen Seite liess er mich auch nicht in Ruhe. Es war verrückt. Und das mit der Verliebtheit war auch irgendwie ausser Kontrolle geraten.
Er versuchte ein paar mal, sich fressen zu lassen. Seine Art, mir zu zeigen, wie gern er mich hatte. Und ich zeigte ihm, wie sehr ich ihn mochte, indem ich ihn eben nicht frass. Immer, wenn er am nächsten Morgen noch einigermassen unversehrt davontaumelte, waren wir beide froh. Es war eine sehr anstrengende Zeit.
Inzwischen flattert der Schmetterling wieder von Blüte zu Blüte, und immer wenn er in meine Nähe kommt, dreh ich mich weg und tu so, als würde ich ihn nicht sehen.
Aber manchmal frag ich mich schon, ob ich ihn nicht vielleicht hätte fressen sollen...
Hach... Read entry » |
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Der gestrige Tag war ja eigentlich nicht so toll, aber trotzdem: alles Schlechte hat ja auch was Gutes. Das Gute daran, dass ich gestern verschlafen habe, war der Blick ins Schaufenster des Buchladens gleich an der Bushaltestelle, an der ich ein paar Minuten warten musste. Normalerweise habe ich nie die Zeit und komme dort eigentlich auch selten vorbei, weil ich die Strecke zwischen S-Bahn und Arbeit ja meistens zu Fuss und auf anderen Wegen gehe. Aber gestern konnte ich mir den Luxus des morgendlichen Spaziergangs nicht erlauben. Also warf ich einen Blick in das Schaufenster. Und siehe da, mir haben gleich drei Bücher zugewinkt! Ich komme eigentlich zur Zeit nicht wirklich zum Lesen, und es liegen immer noch drei oder vier Bücher hier herum, für die ich bis jetzt einfach nicht den Nerv hatte, aber Bücher werden ja nicht schlecht, wenn sie im Regal stehen. Die drei im Schaufenster müssen meine, meine, MEINE werden! Vor allem werde ich sie selbst kaufen!
Das verstehe jetzt einer oder auch nicht, aber es ist für mich ein Unterschied, ob ich mir Bücher bestelle oder sie im Laden kaufe.
Online ist das freilich toll: du gibst einen Suchbegriff ein, meinetwegen den Autor oder das Genre...und peng: da hast du dann alles auf einmal vor dir, was es zu diesem Begriff gibt. Und du kannst den netten Warenkorb anklicken und anschliessend dein Bestellungsformular ausfüllen und abschicken...fertig. Dann kommt dein Paket.
Im Buchladen ist das anders. Ich schleiche um die Regale wie eine Katze um den Rahmtopf und bis ich mit EINEM Buch dann an der Kasse stehe, habe ich bestimmt zwanzig gestreichelt und in etliche hineingeschaut, von denen ich vorher noch nicht mal wusste, dass es sie gibt. Buchläden machen mich glücklich.
Bei uns zuhause gab es zwei Buchläden in meinem Stadtteil. Den einen gab es schon, da war ich noch ein Kind. Es war eben DIE Buchhandlung im Ort. Und nach der Wende wurde sie im Gegensatz zu vielen anderen Geschäften nur noch grösser und schöner. Irgendwann zog er ein Geschäft weiter (als der Kurzwarenladen, das reinste Paradies für Kinder, die auf Knöpfe und Reissverschlüsse in allen Regenbogenfarben standen...also für mich, die ich dort meinen ersten Stickrahmen und mein geliebtes Strickliesel gekauft bekam, auch wenn ich weder sticken noch stricken kann..., pleite ging und zumachte, weil die Leute heutzutage irgendwie nicht mehr so viel nähen oder handarbeiten) Jetzt kann man dort seltene Bücher im Antiquariat kaufen, und ich meine wirklich seltene Bücher... und ausserdem haben sie auch einen Weinkeller, in dem sie zu dem wirklich seltenen Buch dann auch gleich noch den passenden wirklich teueren Wein verkaufen.Und ich meine wirklich teueren Wein. Der grösste Teil des Ladens ist schrecklich nobel; immer wenn ich mal zuhause und in diesem Laden bin, traue ich mich gar nicht, dort ein Buch anzufassen, weil immer gleich jemand gerannt kommt und es mir aus der Hand nimmt, als wäre ich eine über und über mit Schokolade verschmierte Vierjährige...
Den zweiten Laden gibt es erst etwas über zehn Jahre. Er ist ganz klein und nennt sich "Bücherecke" und das passt auch zu ihm, denn er ist ganz verwinkelt und befindet sich an der Strassenecke, nur einen Steinwurf weit von der grossen Buchhandlung entfernt. Am Anfang lief es da gar nicht gut, denn die Einheimischen waren natürlich auf den altbekannten und vertrauten Namen der alten Buchhandlung fixiert. Und die kleine Bücherecke, die früher mal ein Tabak-und Zeitschriften-Kiosk war (glaube ich jedenfalls), wurde geradezu übersehen...
Ich ging da aber gerne hin. Duch die viel zu vielen und viel zu eng gestellten Drehständer, wie sie meist vor kleinen Zeitungskiosken oder ansonsten in den Buchläden nur vereinzelt stehen, war das ganze wie ein Labyrinth, und wenn ich erst mal drin war, dann kam ich da so schnell nicht mehr raus. Ausserdem war es so klein und nett. Die Inhaberin hatte ein wahnsinnsliebes Lächeln und redete mit jedem Kunden...und sie tat mir immer ein bisschen leid, wenn sie etwas nicht hatte und sagte: "Ja, dann gehen sie am besten mal rüber in die Buchhandlung S.- die haben das bestimmt." Ich meine, der Laden war so winzig, die konnten einfach nicht alles am Platz haben. Ich mochte den Inhaber der grossen Buchhandlung nicht, weil er mich mal dumm angemacht hatte (Ich habe Englisch nicht in der Schule gelernt, aber so mit neunzehn oder zwanzig konnte ich es trotzdem gut genug, um auch englischsprachige Bücher zu lesen, also kaufte ich mir The Catcher in the Rye, und als ich mir ein paar Wochen später dann die deutsche Ausgabe kaufte, weil ich wissen wollte "wie nah ich dran war", lachte er mich aus und sagte, sowas sei doch blöd) und wenn ich manchmal dort hin ging und sie mal wirklich ein Buch nicht hatten und mir anboten, es zu bestellen, dann sagte ich: "Ach, wenn Sie es nicht da haben, dann kann ich auch rüber ins Büchereck gehen und es dort bestellen. Ich kenn die da persönlich..." Ätsch!
Ich glaube, ich habe aus purer Solidarität angefangen, nur noch dort einzukaufen. Meist hab ich Bücher bestellt (dass ich irgendwann mal selbst einen Computer haben würde und mir Bücher, die ich im Laden nicht finde, auch selbst bestellen könne, wusste ich damals ja noch nicht), und sie hat sich fast ein Bein ausgerissen für mich. Als ich ein Buch über Velvet Underground bestellt hatte, blieb die Lieferung damals im Schnee stecken, irgenwo in der Lausitz, und als es endlich da war, freute sie sich fast mehr als ich mich...und ich freute mich schon wahnsinnig! Und dann, als ich schon nicht mehr da wohnte, ging ich jedesmal, wenn ich zuhause war, dort hin, weil sie etwas hatten, worauf ich ganz scharf war und nur dort bekam. Sie hatte inzwischen ein paar Geschenkartikel im Sortiment, darunter Briefpapier und Notizbücher mit einem ganz bestimmten Motiv drauf. Es gab sogar die passenden Kugelschreiber dazu...von einer kanadischen Firma...und es gab sie nur dort. Und einmal, als ich wieder da war und so ziemlich den ganzen Bestand an Notizbüchern aufkaufte, den sie hatten, sagte ich ihr, dass ich "extra von München" käme, nur dafür und für ihren Laden. Dass sie "sich fühlte", vor allem vor den anderen Kunden, war nicht zu übersehen...
Inzwischen geht das kleine Büchereck ziemlich gut, glaube ich. Hauptsächlich kannst du da eben Bücher bestellen, aber während du wartest, bis sie nach deiner Bestellung geschaut und dir deine Lieferung rausgesucht hat, kannst du dich gemütlich in dem kleinen Regal-Labyrinth umsehen und die Leute beobachten. Es ist ein kleiner Laden für kleine Leute mit kleinen Geldbeuteln in einer kleinen Stadt voller kleiner Leute mit kleinen Geldbeuteln. Du kriegst dort dein Taschenbuch und dein Reclam-Heftchen, und das Bilderbuch zu Katrinchens fünften Geburtstag kriegst du da auch...oder auch den Helden der Bilderbuchgeschichte als Plüschtier, falls Katrinchen das Buch schon hat. An der Kasse muss man manchmal auch schon mal etwas warten. Und komischerweise macht das gar nichts, denn wenn du da hineinkommst, kriegst du automatisch das Gefühl, dass du alle Zeit der Welt und es überhaupt nicht eilig hast, und meist kommen die Leute in der Warteschlange auch immer irgendwie ins Gespräch, denn schliesslich ist das eine kleine Stadt, in der man sich kennt.
Aber wenn es schnell gehen soll, kannst du ja rüber in die grosse Buchhandlung gehen.
Dort ist nie viel los... Read entry » |
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Gestern lief im Fernsehen mal wieder "The Crow". Tut sie ja ab und zu, aber doch nicht so oft, wie beispielsweise der erste "God's Army"-Film, den ich inzwischen bestimmt schon...wenn nicht noch öfter gesehen habe. Und obwohl ich "The Crow" (ich hab schliesslich einen Ruf zu verteidigen) auf Video oder DVD habe (keine Ahnung...), sehe ich mir den JEDESMAL an, wenn er im Fernsehen kommt. Nicht wegen Brandon Lee übrigens. Ich steh eher auf Michael Wincott als Top Dollar...*schmacht* . Und ich liebe diesen Film. Und auch den zweiten Teil, muss ich zugeben...der ist so schön kitschig...
Naja. Ich kann mir, was Filme angeht, überhaupt kein Urteil erlauben. War dieser Film nun ein guter, anspruchsvoller Film? Oder eher mittelprächtig. Oder fürchterlich? Hm? Kitsch? Blöd?
Ich denke, gut ist relativ. Es gibt Leute, die halten den Herrn der Ringe in all seiner filmischen Pracht für schlechtes Kino. Und es gibt andere, die lieben ihn abgöttisch. Und dann gibts natürlich noch die, die ihn nie gesehen haben. Ich wäre, wenn Jackson den Stoff versaut hätte, unter die Briefbombenbastler gegangen. Ich liebe das Buch. Und es gibt schon genug schlechte Romanverfilmungen. Aber Mister Jackson hat von mir nichts zu befürchten. Nur King Kong werd ich mir nicht ansehen. Ich habe diesen Film mit Fay Wray (hiess die so?) gesehen. Ich brauch keine Neuverfilmung.
Es gibt auch Leute, die fanden "Dawn Of The Dead" toll. Hm. Mir war es peinlich, als ich aus dem Kino kam. Ich...und die anderen fünf Leute. Aber ich werde tapfer in "Land Of The Dead" gehen. Jawohl. Komme da, was wolle. (Hab ich auch inzwischen gesehen. Naja...der Mensch ist also so menschlich, dass er die Zombies ziehen lässt, weil sie ja auch nur einen Platz zum Leben suchen? Ach ja...und die halten jetzt auch immer Diät oder was? Und kann mir bitte mal einer erklären, nach welchen Kriterien die Zombies nun eigentlich entschieden haben, wen sie nur beissen und "verzombien"...und wen sie auffressen???)
Es gibt auch Leute, für die ist "Matrix" das NON PLUS ULTRA. Nur die filmische Androhung der Rückkehr von Neo entlockte mir am Ende des letzten Teils ein "Och nö, bitte nich!". Im vollbesetzten Kinosaal. Schäm.
Naja. Horrorfilme sind auch so eine Sache. Ich gehöre, und ich glaube, ich hab das auch schon mal erwähnt, zur schlimmsten Sorte von Horrorfilm-Ansehern. Ich bin dafür, dass man im Kino Kissen verkauft. Zum Dahinter-Verstecken. Wär doch eine gute Idee. Man könnte ein Bild vom Film drauf drucken. Und den Namen des Kinos. Ich hätte von jedem noch so schlechten Film der Kategorie "Blutig" so ein Kissen zuhause. Den Kinobesuch freilich vorausgesetzt. Die müssten auch nicht gross sein, diese Kissen. Nur eben gross genug, damit sich solche blutgierigen Memmen wie meinereine dahinter verstecken können.
Ich will aber den Film auch immer sehen. Doch, im Ernst. Ich zwinge Leute, mit mir dahin zu gehen. Anders geht es ja auch nicht, denn einer muss mir ja die Szenen erzählen, die ich mit zugehaltenen Ohren und fest geschlossenen Augen verpasse. Sonst weiss ich doch gar nicht, worum es geht.
Der untote Filmbösewicht, unschwer zu erkennen am Aussehen, demzufolge er sein Verfallsdatum schon lange überschritten hat, schwingt unter viel Gezisch, Gekrächz und Gesabber...reden oder so richtig schreien kann er mit den verrotteten Stimmbändern ja nicht mehr, eine Axt und versenkt sie dann in - keine Ahnung. Ich höre und sehe ja nichts. Ich mag solche Szenen nicht. Ich schau nicht hin. Statt dessen beginne ich unmittelbar nach dem Augenblick, da ich mich audiovisuell (Danke, S., für das schöne Wort) ausklinke, mit einer, alle in Hörweite sitzenden und nicht mit mir befreundeten oder bekannten Kinogäste absolut nervenden, hochnotpeinlichen Befragung zum aktuellen Geschehen auf der Leinwand.
Das hört sich in etwa so an... und ich mache darauf aufmerksam, dass es sich hier NICHT um einen Kinobesuch mit La K. handelt. Es könnte La K. natürlich anwesend sein, doch in dem Falle sitzt sie eben kerzengerade mit aufgesperrtem Mäulchen (du hättest die Nachos ruhig vorher runterschlucken können, aber ach, es ist ja dunkel und ich hab sowieso die Augen zu) und untertassengross aufgerissenen Äuglein regungslos in ihrem Sessel und...keine Ahnung, sie ist jedenfalls ruhig. Im Gegensatz zu mir:
"Oh mein Gott! Oh mein Gott! Oh Gott! Renn weg! Renn doch weg! Neiiiiin, nicht stehenbleiben....da! Da...da ist er...oh mein GOTT!!!"
An dieser Stelle wickle ich mir die Jacke, um den Kopf, verkriech mich hinter dem Popcornbecher oder versuche, meinem Nachbarn auf den Schoss und unter seinen Pullover zu klettern. (So der Betreffende ein Bekannter ist...obwohl das natürlich auch eine interessante Art der Anmache wäre...) Die nächsten Worte sind daher etwas gedämpft: "Und? UND? Hat er sie umgebracht? Ist sie tot? Ich kann da gar nicht hinsehen....hat er???? Wie?"
Die mir bekannten oder auch nur mir freundlich gesinnten Kineasten in meiner Umgebung versuchen nun, einerseits dem Film zu folgen und mir andererseits auch zu erzählen, was sich gerade abgespielt hat. Da ich immer noch nicht wieder auf die Leinwand schaue...oder höchstens nur gaaaanz kurz, geraten sie infolge der sich entwickelnden Handlung, so der Film eine aufzuweisen hat, die über mehrstündiges Gemetzel hinausgeht, in Schwierigkeiten, weil sie besagter Handlung nicht so recht folgen können.
"Wie, er hat ihr den Kopf gespalten? Durchs Gesicht? Hat man das Gehirn gesehen? Sind die Augen rausgefallen? Viel Blut??? Igitt! Wie eklig....und was geschieht jetzt???"
Das weiss dann so richtig keiner mehr...
Ich finde auch, man sollte für schwer verständliche Filme ein Programm schreiben, etwa wie bei italienischen Opern. Oder bei Ballett. Da wird Akt für Akt erklärt, was da gerade geschieht. Würde man die Handlung bei Filmen zum besseren Verständnis genau wiedergeben, würden manche Filme überhaupt nicht ins Kino kommen, weil man beim Versuch, zu beschreiben, was da eben aus welchem Grund wie geschieht, feststellen würde, dass der ganze Film Schwachsinn hoch viel ist. Sowas kommt ja vor. Ich meine, manche Filme haben weniger Sinn in der Handlung, als ein schlechter Porno (einer Frau, die aus unerfindlichen Gründen ihr Auto mitten auf der Strasse einer nahezu verlassenen Ortschaft halten lässt und die Tür öffnet, damit ihr winziger Hund - Fifi oder Pupu oder wie auch immer die kläffende Ratte heisst- völlig UNERWARTET weglaufen kann, worauf sie mit sichtbarer Verzweiflung auf High Heels um das Auto stöckelt. Dieses winzige Tier kommt keine zehn Meter weit, ohne vor Erschöpfung zusammenzubrechen, aber es braucht vier gestandene Männer, das blöde Vieh einzufangen. Besagte Männer sassen da so rum und werden zum Dank für die Wiederbeschaffung des Wauwaus von Frauchen ins Auto verfrachtet. Und aus diesem dann in Frauchens Bett. Und dann kommt der Ehemann nach Hause. Und alle sind glücklich. Ende.
...und bevor ihr fragt: Ich habe einen jüngeren Bruder, der früher meinen Videorecorder mit benutzt hat. Tja, und nicht jeder Film landete danach wieder in seiner Hülle.)
So...und jetzt weiss ich nicht mehr, wie ich von Horrorfilmen auf Porno-Plots gekommen bin... Read entry » |
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Ghost und ich waren heute noch mal im Baumarkt. Ich bin ja gerade im Renovierwahn und dabei, sämtliche Möbel, deren ich habhaft werden kann und die sich nicht wehren können (was so ziemlich bei allen der Fall ist, lediglich Polstermöbel sind derzeit vor mir sicher) schwarz zu lackieren. Ausserdem haben wir...hat Ghost...die Küche blau gestrichen. Blau. Dieser Farbton war ja eigentlich auch für das Badezimmer vorgesehen...aber das wäre wohl doch eine Spur zu deep blue. Also denken wir noch mal drüber nach und werden darüber diskutieren, bis wir uns einig sind, dass türkis perfekt passt. Und heute haben wir nun die Farbe für mein Zimmer gekauft. Im Baumarkt, wie schon gesagt.
Ich lege im Baumarkt ja meist ein Verhalten an den Tag, das man Frauen normalerweise in Schuhgeschäften oder Designer-Boutiquen nachsagt: ich muss ALLES ankucken und ALLES anfassen und eigentlich kann ich auch immer ALLES brauchen oder habe zumindest eine Idee, wozu man es gebrauchen könnte. Nur die Haushaltwaren-Abteilung mit ihren ganzen Salatschüsseln und der Frischehaltedosen-Batterie finde ich endsfad. Wäschekörbe... Stapelboxen... gähn...
Ich finde sämtliche Werkzeuge interessant und versuche schon seit Jahren Ghost dahingehend zu überzeugen, dass man einen RICHTIGEN Werkzeugkasten braucht und nicht nur eine Tüte voller Schraubenschlüssel und Zeugs, das von diversen Möbelaufbau-Aktionen übriggeblieben ist, welche die Angewohnheit hat, sich immer dann, wenn sie gebraucht wird, auf geheimnisvolle Art aus dem Staub zu machen. Ich vermute ja, sie verkriecht sich an jenem mysteriösen Ort, an dem sich auch die ganzen linken Socken verstecken, die nach der Wäsche immer fehlen... Ich versuche Ghost auch immer mal wieder für so nette Dinge wie Bohrmaschinen und dergleichen zu begeistern...oder eine Stichsäge... oder eben sowas. Aber es ist ja auch bald Weihnachten, also könnte ich mir...ähm, ich meine natürlich IHM ja etwas derartiges schenken.
Ich kann mich ewig lange bei Fliessen und Fussboden-Laminat aufhalten. Oder in der Holzabteilung. Oder bei den Schrauben und Dübeln. Ich will auch immer welche kaufen. Man weiss doch nie, vielleicht braucht man die ja mal??? Ghost lässt sowas ja kalt. Wenn der, wie schon geschehen, für eine Sitzecke wegen fehlender Schrauben losgeht und mit einer Tüte voll wiederkommt, die dermassen offensichtlich zu lang sind, dass sie beim Montieren der Stühle einen guten Zentimeter auf der anderen Seite wieder herausragen, dann ignoriert er das eisern. Muss man eben beim Hinsetzen aufpassen - ist es seine Schuld, dass nicht genug Holz an dem Stuhl ist??? Mir würde bestimmt auch etwas Nettes für 500 Unterlegscheiben einfallen... Und am Gang mit den Farben und Lacken kann man mir getrost noch mal zuwinken und mich dann für zwei Stunden vergessen. Ghost ist da wesentlich praktischer: während ich noch grüble, wieviele Flaschen Abtönfarbe ich wohl brauche, um einen Eimer Weiss auf Idealton zurecht zu panschen und mir angesichts all der möglichen Buntheit in ihrer ganzen Vielfalt gerade auch schon gar nicht mehr so sicher bin, WELCHE Farbe ich denn eigentlich wirklich will, hat er schon längst die fertige Farbe gefunden, locker die zu bearbeitende Quadratmeter-Fläche überschlagen und ausgerechnet, was mich der Spass kostet, wenn ich auf dieses ganze Eingerühre verzichte. Er benimmt sich wie ein Mann, den man an einem Samstagnachmittag zum Hosenkauf verschleppt hat. Er will nicht kucken...Ghost will raus, er will weg, er will heim, er hat noch Wäsche in der Maschine, die in den Trockner muss... hm... Read entry » |
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ist die ARD. Und dann veröffentlichen sie auch auch noch versehentlich die falsche Meldung
...*g*
...hab ich grad geblognappt... Read entry » |
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Wieso können sich manche...viele Leute nicht selbst wahrnehmen?
Ich meine, da lässt eine ihr Kind nicht mit den Kindern einer anderen spielen und bringt als Begründung an, dass das nicht der rechte Umgang für die lieben Kleinen sei. Im Gegensatz zu "denen" wüsste man schliesslich, was sich gehört und ist eine anständige Familie... Und eine Woche später tönt es durchs Treppenhaus: "Du Drecksschlampe hast schon wieder nicht die Hausordnung gemacht, vermutlich bist du vor lauter Rumgehure nicht dazu gekommen, und wenn ich deine Mistbrut noch mal sehe, dass sie auch nur ein Wort mit meinen Kindern spricht, dann tret ich denen in den Arsch, dass sie drei Wochen nicht sitzen können." Jeder Versuch der Angesprochenen, sich zu verteidigen wird abgewürgt mit einem "Halt die Fresse, du Mistsau, sonst komm ich rüber. Solche wie dich kenne ich!"
Und ich muss jetzt nicht extra erklären, welche Mutter das war...
...ähm ja. Ich denke mir sowas nicht aus...
Nicht so krass aber doch ähnlich war es neulich in einem Blog.
Gelegentlich lande ich auf meinen Streifzügen auch in den mehr oder weniger dieser Bezeichnung gerecht werdenden "Erotikblogs". Manche Menschen können wirklich schön über die schönste Nebensache der Welt schreiben. Die einen werden geradezu poetisch, während sie irgendwelche Gipfel der Lust erklimmen, die anderen bleiben auf dem Teppich, auf dem sie sich gerade herumrollen. Was dem einen sein Seidenstrumpf, das ist dem anderen sein Fesselspielchen. Erlaubt ist, was gefällt. Und vielen gefällt sowas. Mir mitunter auch. Zwar würde ich dem einen oder der anderen mitunter doch besser das "Geniessen und Schweigen" empfehlen...oder dass sie sich noch ein bisschen um ihre schriftstellerischen Fähigkeiten bemühen sollten...und einmal hab ich gedacht: also, wenn du der letzte Mann auf der Welt wärst und das Fortbestehen der Menschen von meiner Willigkeit abhinge, würde ich mich mit zusammengepressten Knieen auf einem Hügel eingraben und auf das Ende der Welt warten...irrgs!...aber grundsätzlich finde ich nichts dabei, wenn jemand seine sexuellen Abenteuer und/oder Phantasien irgendwo aufschreibt und anderen ermöglicht, daran teilzuhaben. Man muss ja nicht. Aber man kann...
Und neulich landete ich in einem Blog, in dem sich eine Leserin dermassen über einen Eintrag aufregte, dass der Eigentümer dieses Blogs den Geifer dieser Person wohl im Leben nicht mehr aus der Kommentarspalte rausbekommt. Das Blog gehört desinfiziert. Bäh...
Wenn ich mich entscheiden müsste, ob ich meine Kinder fortan entweder mit den Kindern des Sex-Abenteuerers (so er welche hat) oder mit denen der ach so anständigen und daher über den Schweinkram so empörten Frau spielen lasse...ich würde mich für IHN entscheiden. Bei ihm würden meine Kinder zumindest keine Wörter zu hören kriegen, die sie nicht schon kennen.
Aber ich frag mich, ob die Frau ihre Kommentare überhaupt noch mal gelesen hat. Sie wurde natürlich sowohl von dem Blogger als auch anderen Lesern dort mächtig hochgenommen. Der Ton war frivol aber nicht beleidigend. Sie hingegen...für das Niveau benötigt man einen Spaten und Gummistiefel... Read entry » |
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