Vater- Dasein
Ich danke dir.
Ich danke dir dafuer, dass ich heute so bin wie ich bin.
Ich danke dir dafuer, dass ich heute so denke wie ich denke.
Ich danke dir auch dafuer, dass ich heute so fuehle wie ich fuehle.
'Verhätschel deinen Kleinen nicht so! Sonst wird er irgendwann noch arrogant!', sagte ich zu meinem Arbeitskollegen Thomas, der von dem ersten Schultag seines Sohnes auf dem Gynasium erzaehlte.
Dabei hatte er strahlende Augen und war permanent am Lächeln und ich konnte erkennen, wie stolz er auf seinen 'Kleinen' ist.
'Ja aber was soll ich machen? Er ist mein EIn und ALles und das Beste was mir in meinem Leben passiert ist!', erwiderte er. Und ich schwieg.
Vater sein.
Eine perfekte Lebenseinstellung fuer die Einen.
Eine Illusion fuer die Anderen.
Ich fuehle einen leichten Stich.
'Der Kleine war alles fuer mich, bis sie mich verlassen hat. Meinte wir sollten nur Freunde sein. Es tat mir leid, vorallem um den Kleinen. Er hatte Papa zu mir gesagt. Kein Wunder, ich war ja auch der, der in den ersten drei Lebensjahren fuer ihn da war. Wir waren eine richtige Familie.', sagte mein Freund.
Ein Stich.
'Hurraaa! Gestern, am 18.08.2006 um 09.00 Uhr früh hat mir meine Frau unsere wunderschöne Tochter zur Welt gebracht!
Sie heißt Kimberly Chiara hatte 49 cm und 3630 Gramm!
Danke mein Schatz, Du warst während Deiner Schwangerscha ft soooo Tapfer!', sagte Sascha ueber die Geburt seiner Tochter zu mir.
Ein Stich.
'Wenn du Geld brauchst oder sonst irgendwelche Sorgen hast, dann kannst du mir das sagen. Auch unter vier Augen. Die Oma oder deine Mama braucht davon ja auch nichts zu wissen. Ich bin ja fuer euch da wenn ihr etwas braucht!', sagte mir mein Opa.
Ein Stich.
Was laeuft bei mir nur falsch?
Ich habe Menschen um mich, nicht viele, sehr wenige, aber die sind fuer mich da.
Doch meine Gedanken bleiben hier in mir.
Auch wenn es schwer ist, werden sie da auch wohl bleiben.
Hier und da werde ich etwas verlieren, doch im Großen und Ganzen werde ich sie fuer immer in mir behalten.
'Ich sage dazu nichts, ich kenne deinen Vater nicht, ich kann das nicht beurteilen. Ich kann dich verstehen, aber auch ihn', sagte mein Freund.
Ein Stich.
Entschuldigung.
Es tut mir leid. Es tut mir leid fuer jeden den ich mit meinem Inneren ab und an belaestige. Es tut mir unendlich leid, doch auch ich bin nur ein Mensch, den Gefuehle ab und zu ueberkommen.
DU verstehst ihn auch?
Ja?
Das macht mich rasend. Nichts versteht er.
Nichts WILL er verstehen.
Nichts will irgendwer verstehen.
Wut. Gepaart mit Traurigkeit. Gefaehrliche Mischung.
Ich werde kein Verstaendnis aufbringen.
Wann darf ich das Kind sein?
Wann darf ich der Jugendliche sein?
Hab ich das ueberspringen muessen wegen jemand, der sein Leben nicht auf die Reihe bekommt?
Soll ich dafuer gerade stehen? Soll ich etwa dafuer Verstaendnis aufbringen?
Nein ganz bestimmt nicht.
Ich bin nicht Mutter Theresa.
Ich zeige meine Wut.
Ich zeige meine Enttaeuschung.
Und doch bin ich verletzt.
Nichts in der Welt wird etwas an der Situation aendern koennen.
Nichts bringt mir all das Verlorene zurueck.
Und jetzt?
Jetzt hat er die Chance verpasst.
"Ich bin da, wo vor mir keiner war.
Nicht faehig zu lieben oder liebe ich die Qual?
Liebe ich den Schmerz bin ich nicht normal?"
Nichts bringt mir die Zeit zurueck.
Mir bleibt nur, stark zu sein.
Frech, keck, ungezogen und skrupellos zu sein.
Die Maskerade fuer alle aufrecht zu erhalten.
Fuer meine Familie, fuer meine Freunde, fuer meinen Erzeuger.
Was sie denken? Mir egal.
Doch dann ueberkommt es mich manchmal.
Mir gehen all die Dinge durch den Kopf, was ich verpasst habe. Allerdings was auch er verpasst hat.
Und dann ueberkommt mich wieder der Gedanke, dass es diese ekelhafte Gleichgueltigkeit gibt.
Es ist einfach egal! Es ist unerheblich! Es war, es ist so.
Beiderseits.
Mittlerweile bei mir auch.
Rückblick:
Mein erstes Wort 'Papa'.
Ich springe auf der Couch herum und freue mich wie wild, weil mein seltener, lieber Superpapa zu Besuch ist. Mich nach Hause gebracht hat. Er sitzt auf der Couch und stoesst mich weg.
Ich falle mitm Kopf gegen den Tisch. Ich schreie wie wild. Ich heule.
Die Mutter kommt angerannt und troestet mich.
Er geht zur Tuer raus 'Habe noch einen Termin'.
Ich weine und weine. Aber nicht wegen dem Schmerz. Sondern weil er einfach geht.
Später: 'Der Termin' war ne ekelhafte Blondine.
Rückblick:
Meine Kommunion. Alle lieben Menschen da. EIner fehlt.
Rückblick:
Jeder einzelne Tag, an dem ich Geburtstag hatte,
jeder einzelne Tag, an dem ich mit Grippe im Bett lag.
Der Tag an dem ich mir den Gipfel meines Zeigefingers abgeschnitten habe, ein kleiner Vulkan.
Wer ist da? Meine Mutter und mein Opa fahren mich ins Krankenhaus.
Wer ist da, wenn es mir schlecht geht?
Meine Mutter, meine Großeltern.
Mehr gibt es dazu nichts zu sagen.
Viele, unzaehlige Momente in meinem Leben, die sich auf einen Punkt manifestieren.
Enttaeuschung. Die geballte Enttaeuschung. Konzentrat.
Letzter Rueckblick:
2004
Ich gehe ins Krankenhaus, sage keinen etwas davon. Ich spuere, dass etwas in meinem Gesicht nicht stimmt. Ich kann meine Mimik kaum noch ausdruecken. Habe Angst.
Gehe rein, warte. Und komme dran.
Diagnose: Verdacht auf Borreliose.
Sofortige Einweisung in die Neurologie der Uniklinik.
Ich weine und heule.
Fahre heim und packe. Informiere die Familie.
Ich bin da fuer ca 1,5 Woche. Werde behandelt.
Wer weiss nicht Bescheid?
Wen interessiert das nicht?
Wer ist anderweitig beschaeftigt?
Wer will ein Teil sein, will ein 'Freund' sein, wird immer abgelehnt, hat sich immer bemueht...??
Ganz bestimmt nicht der, der das von sich behauptet. Luegner.
Luege. Ales Luegen.
Ich stehe darueber.
Wir sehen uns.
Vorm Gericht.
Heute 2006. Der Beginn vom Rest. |
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