Das Wesen von Beziehungen?
Habe heute gerade meine Lektüre von Frank Schätzings "Lautlos" beendet. Wie "der Schwarm" aus meiner Sicht ein äußerst spannend geschriebenes und lesenswertes Buch.
Dabei bin ich über eine Stelle gestolpert, in der der Autor seinen Hauptcharakter über das Wesen von andauernden Beziehungen nachdenken läßt, weil der gerade dabei ist, sich zu verlieben.
Dabei charakterisiert er es folgendermaßen.
Zitat:
"Jedes Mal aufs Neue hatte er sich gefragt, warum nicht alles aus Anfängen bestehen konnte, aus beliebig gedehnten ersten Malen? Er hatte die flüchtige Natur des Lichts gezähmt. Warum konnten Liebesgeschichten nicht im Beginn verharren, konnte man ihr Fortschreiten nicht abbremsen wie Photonen? Warum unterwarfen sich Gefühle nicht der Physik? Das Chaos gebar den Augenblick, die Attraktion, die Reise ins Unbekannte, die Außerkraftsetzung von Regeln und Formen. Hierin lag etwas Großartiges. Aller Verbindlichkeiten ledig vollzog sich Einzigartiges, nie Dagewesenes, ungemein Elektrisierendes. Wie aufregend war es, Amerika zu entdecken! - Wie zäh und freudlos, es zu besiedeln!
Was folgte waren gemeinsam verbrachte Stunden wie Perlen auf einer Schnur, sauber aufgereiht, von zunehmender Häufigkeit und Regelmäßigkeit. Man bemächtigte sich der Zeit des anderen und damit seiner Lebensumstände und seiner Person. Statuten wurden aufgestellt, feste Tage, an denen man sich sah und anderes dafür einschränkte. Dem Außergewöhnlichen folgte das Gewöhnliche. Es begann die zementartige Verdichtung zu dem, was sich irgendwann Beziehung nennen würde und mit dem Fortissimo des Auftakts nicht wesentlich mehr zu tun hatte als das repetetive Verstreichen von Minuten mit dem Urknall. (...)
War es nicht genau das, was ihn immer abgestoßen hatte? Wie aus einer wilden, explosiven Leidenschaft ein domestiziertes Feuerchen wurde, auf dem der Alltag dahinköchelte. Wie der eine versuchte, dem anderen all das abzugewöhnen, weswegen er sich in ihn verliebt hatte. Feste Beziehungen liefen dem Wesen der Faszination zuwider. Das war so. Der andere begann, darüber zu befinden, was für einen wichtig war und was nicht. Man möblierte sein Leben, der andere möblierte es um. Er richtete sich so lange in der Persönlichkeit des Partners ein, bis er sich wohler darin fühlte als der ursprüngliche Bewohner. Der freie Geist verendete im Wir.
Ja, wir fahren gern in die Berge. Nein, wir gehen nicht gern auf Partys. Ja, wir lieben dieses Auto. Nein, diese Partei wählen wir nicht. Der Film hat uns gefallen. Das Buch hat uns weniger gefallen. Wir gehen jetzt nach Hause, es ist spät genug. Wir finden, wir meinen, wir sind der Ansicht, dass...
Nicht wahr, Schatz?"
Tja und seit ich diese Stelle gelesen habe, läßt sie mein Denken nicht mehr los. Ist es so? Ist es nicht so?
Was meint Ihr?? |
Comments on 'Das Wesen von Beziehungen?'
Refresh
Puh..... also das Zitat is ersma total klasse ;-)!
Hm... wie formulier ich das jetzt...?
Meiner Meinung nach liegt der Grund für das Scheitern so vieler Beziehungen einfach darin, dass sich die Partner anfangs in bestimmte angenehme Seiten und Merkmale des anderen fallen und sich davon tragen lassen, was ja im Grunde nicht verkehrt ist, aber daran festzuhalten und dem Partner keine andere Verhaltens oder Handlungsarten zuzustehen ----> das ist das Problem...
Nach einiger Zeit wenn das erste euphorische Liebesgefühl und Geplänkel vorüber ist, zeigen sich die Partner so wie sie sind! Ohne von diesem ersten "Liebesgefühl" weiterhin geblendet zu sein!
Dann wird sich zeigen, ob die Partner wirklich an sich, an dem Menschen der sie sind, Interesse haben.... oder nur an einem bestimmten Wesenszug des anderen oda etwas, was dieser im Äußeren darstellt!
Wahre Liebe ist auch nicht abhängig von dem wie sich ein Mensch verhält und dem anderen gegenüber gibt! Sie ist ewig, da die beiden Menschen sich nicht von dem Verstand und seinem Verlangen, den anderen Partner und dessen Handlungen zu bewerten, zu verurteilen, zu kritisieren und "umzumissioniern" verleiten und beeinflussen lassen!
Wahre Liebe ist eine sehr tiefe Verbindung zwischen zwei Menschen, die unabhängig ist von dem was im Außen geschieht! Denn sie existiert durch die tiefe lichtvolle Verbindung, die die Partner spürn.... so wie eine ewige Energie die in jedem Menschen pulsiert, und die in solch einer wahren Liebe sich mit der Energie des anderen verbindet und EINS wird :-)!
Wenn eine Liebe vom einen auf den anderen Moment aufgrund irgendetwas was vorgefallen ist in der Beziehung oda einfach auf Grund von tristem Alltag oda Langeweile, außeinanderfällt, dann war es keine wahre Liebe!
Dann war es abhängige Liebe! Bedingte Liebe, die von der Aufrechterhaltung von bestimmten Bedingungen und "Beziehungsbildern" abhängig ist und nur deshalb und dadurch existiert....!
Jaja, die Liebe....
Das is schon so ne Sache ne ;-)?
Liebe Grüße
Ich hau mich jetzt ins Bett
Dein Stefan
:-):-):-)
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