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Alltag

2006/09/04
Da dachte ich, wenn die Ferien vorbei sind, kehrt hier endlich wieder Ruhe ein, und ich kann mich ein bisschen mehr auf logwave konzentrieren, aber das war bislang nix.
Kaum ist mein Mädel weg, fangen meine Männer an zu schwächeln... Nachdem ich letzte Woche erst meinen Holden verarzten durfte und sich der Hund danach eine seiner Krallen angerissen hat, so daß ich ständig acht geben mußte, dass er nicht zuviel daran herumleckt und es sich nicht entzündet, wartet nun auch noch Sohnemax mit einer fiebrigen Erkältung auf. Es ist doch zum Mäusemelken. Pfffff.

Doch jetzt ist einfach eine Auszeit nötig und wo könnte ich sie mir besser gönnen als hier?!

Unsere Tochter ist wohlbehalten in Frankreich gelandet und hatte noch eine Woche frei, ehe es heute auch für sie mit dem Schulalltag losgeht.
Die Zeit vor der Abreise war für sie mit reichlich Beziehungsproblemen beladen, und als ihr Süßer am Abreisetag nicht zur verabredeten Zeit bei uns aufschlug (er hatte die Nacht vorher auf einer Party bei einer Klassenkameradin verbracht und sich morgens um halb fünf per SMS bei ihr gemeldet, dass sie immer noch feierten ;-)), sah ich schon die "grande catastrophe" auf uns hereinbrechen.

Doch zum Glück hatten wir alle zu früh geunkt, und so konnten wir sie dann gemeinsam nach Hamburg zum Flughafen bringen.
Ein kleines Abschiedsgeschenk von ihrem Liebsten (das erste Geschenk überhaupt seit sie zusammen sind, und das sind inzwischen schon 7 Monate), in der letzten Sekunde bevor sie ins Flugzeug stieg, machte ihr Abschiedsschmerzglück dann perfekt.

Dafür durfte ich mich zuhause mit einem vollkommen aufgelösten Brüderchen beschäftigen. Während er auf dem Flughafen noch "cool" war und seine Schwester tröstete, lag er nachmittags in ihrem Bett und weinte bittere Tränen. Er meinte, dass er sich nie hätte vorstellen können, dass es ihm so schwerfallen würde, seine Schwester herzugeben...
Nun hat er ihr Bett zu seinem erkoren, damit er sie nicht sooo sehr vermissen muss, denn es "riecht" ja so schön nach ihr. Witzigerweise schnuppert er immer an dem Kissen, dass Annikas Meinung nach vorher die ganze Zeit nach ihrem Freund gerochen hat... Schmunzel.

Dabei sind wir im Zeitalter des Internets doch nur einen Mausklick von ihr entfernt und haben das in der letzten Woche weidlich ausgenutzt und eigentlich jeden Abend gechattet oder telefoniert. Ich kann nur sagen: ich liebe diese Technik (wenn sie denn funktioniert ;-)

Zum Glück scheint ihre Gastfamilie ähnlich chaotisch zu sein wie wir, so dass sie sich nicht zuviel Mühe geben muss "perfekt" zu wirken.
Anstrengend ist es wohl, die netten französischen Jungs auf Abstand zu halten, und da ihre Austauschpartnerin anscheinend nur männliche Freunde hat, gibt es da einiges zu tun ;-)

An die "Jugendsprache" muss sie sich aber erst noch gewöhnen und auch die eigene Hemmschwelle wirklich französisch zu sprechen, ist doch viel größer, als sie es sich vorher vorgestellt hat. Nun versteht sie die Probleme ihres Gastes hier deutlich besser...
Dafür unterhält sie sich recht viel mit dem Vater, der der Ansicht ist, dass sie noch viel zu jung für einen festen Freund sei. Zumal er tatsächlich noch der Überzeugung ist, dass seine Tochter bisher noch nicht einmal richtig geküßt hätte... (wie weltfremd kann man eigentlich sein??)
Das Gespräch von den beiden hätte ich gern live erlebt!! Ich wäre an Annikas Stelle jedenfalls geplatzt.

Die erste richtige Party hat sie auch schon hinter sich. Leider ist die genau so ausgefallen, wie sie es vorausgesagt hatte. Es war ein elendes Besäufnis und sie hatte alle Hände voll zu tun, Deby in einen halbwegs präsentablen Zustand zu versetzen, als der Vater sie abholte (Vodka und Whiskey im Wechsel waren wohl doch ein bisschen viel des Guten). Gepeilt hat er es dennoch und nun herrscht erst einmal Ausgehsperre, was Annika sehr entgegen kommt.

Auch ihre Verbindung zur hiesigen Schule und der Informationsfluß, was an Stoff durchgenommen wird, funktioniert reibungslos. Boa, was habe ich doch für ein vernünftiges Mädchen...
Abgesehen davon, dass ich mich in dem Alter nie von Zuhause weggetraut hätte, diese Konsequenz und Disziplin, die sie bisher an den Tag legt, hätte ich mit Sicherheit nicht aufgebracht.
Stolz..., grins.
Sie ist eben ganz der Vater...

Ich dagegen habe völlig vergessen beim ersten Elternabend dieses Schuljahres zu erscheinen, peinlich.
Aber den vom meinem Sohn am Donnerstag werde ich hoffentlich nicht verpassen...



Blog replies
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Comments on 'Alltag'
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Plato Plato
2006/09/04
Wie habe ich doch deine Geschichten vermisst, schön dass du wieder für uns schreibst. :-)))

annianbi annianbi
2006/09/04
Hi Plato... freue mich, dass Du Dich freust :-)

Eigentlich dient meine Schreiberei doch wohl erst mal mir selbst ... und wenn´s dann noch jemandem gefällt - perfekt, nicht? ;-)

Fand Deinen "Tanzenden Gay" heute sehr nett, abgesehen vom rein "aesthetischen" Aspekt, werfen solche Videos bei mir auch immer die Frage nach dem Warum auf -
aber vielleicht sollte ich da lieber nicht so genau nachdenken, sonst müßte ich mein eigenes Bloggen hier ja auch kritisch hinterfragen und ob ich den Antworten gewachsen wäre??

Plato Plato
2006/09/04
Mach dir mal lieber keine Gedanken über Menschen im Internet, da gibt es kaum etwas dass es nicht gibt... und um deine Blog-Vorlieben brauchst du dir erst recht keine grauen Haare wachsen zu lassen... du stehst ja mit beiden Beinen fest im Leben ohne alles zu verbissen zu sehen. ;-)

annianbi annianbi
2006/09/04
ha... genau das ist es aber, was ich verstehen möchte: warum es tatsächlich nichts gibt, was es nicht gibt ;-) ... ich mache mir Gedanken über Menschen, wo auch immer ich ihnen, ihren Gedanken, Gefühlen, Aktionen oder auch ihrem Nichthandeln und vor allem den in meinen (beschränkten) Augen "merkwürdigen" begegne.
Und immer wirft es mich auch auf mich zurück... auf mein Denken, Handeln, Fühlen...
Stehe ich fest im Leben? pfff... ich fühle mich eher wie ein Schilfrohr im Wind, denn wie ein Fels in der Brandung ;-)

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