Abreise
Brr.
Es ist gerade mal nach fünf und meine Nacht war entschieden zu kurz. Knappe drei Stunden Schlaf sind selbst für mich ein bisschen wenig, zumal die letzten Nächte alle nur unwesentlich länger waren.
Gähn.
Ich fühle mich ausgesprochen matschig und habe mein stilles Vorhaben, mich mit dem Hund gleich in den jungen Morgen hinauszubegeben und das Erwachen des Tages endlich mal wieder live zu erleben, ad acta gelegt. Obwohl es wahrscheinlich klüger wäre, mir meine dunklen Gedanken von der kühlen Morgenluft vertreiben zu lassen, anstatt sie hier runter zu tippen. Aber ich bin nun mal nicht klug... seufz.
Mein Holder ist gerade auf dem Weg zum Flughafen und wird heute abend in Jerusalem ankommen.
Normalerweise macht mir seine gelegentliche Reiserei nicht viel aus, denn ich bleibe ja in meinem gewohnten Umfeld, kann mich einrichten wie ich mag und muss zwar ihn entbehren, aber sonst nichts von dem, was mir vertraut ist.
Heute morgen indes ist mir der Abschied extrem schwer gefallen. Israel ist derzeit wohl kaum als Traumziel anzusehen.
Mein gewohntes "Gottvertrauen", dass alles glatt und gut verläuft und ich ihn bald wieder in meine Arme nehmen kann, fühlt sich heute ein wenig flau an.
Normalerweise kann meine Vernunft mein Gefühl in solchen Situationen beruhigen oder auch umgekehrt, aber diesmal ziehen die beiden zur Abwechslung mal an einem Strang, und ich fühle mich hilflos.
Was ist, wenn?? Bloß nicht drüber nachdenken.
Das Haus ist friedlich und still, die Kinder schlafen noch, der Hund hat die Hoffnung aufgegeben, dass hier in der nächsten Zeit noch was passiert und sich wieder nach unten getrollt, und ich tigere in mir hin und her auf der Suche nach einem Ausweg, der mir die gewohnte Sicherheit und Gelassenheit eines ganz normalen Abschieds eröffnete.
Wenn mein Mann Gelegenheit dazu hat, wird er u.a. bestimmt wieder die Grabeskirche besuchen, die ihm beim letzten Mal so sehr beeindruckt hat. Schade, dass ich ihn dabei nicht begleiten kann...
aber ich stelle gerade erstaunt fest, dass es mir jetzt irgendwie besser geht.
Alle Schatten verscheucht ;-)
Zur Erläuterung:
The Church of the Holy Sepulchre
umfaßt das Gebiet von Golgotha, dem Ort an dem Jesus gekreuzigt und jenes des Grabes, in dem er beigesetzt worden war. Seit dem 4. Jahrhundert ist sie eine wichtige Pilgerstätte und bis heute der heiligste Ort der Christenheit. |
Comments on 'Abreise'
Refresh
Israel wäre auch nicht unbedigt ein Land in das ich zu dieser Zeit reisen wollte, vor allem wegen der Spannungen und jetzigen Militärintervention der Israelis. Auge um Auge... :-/
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