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Abendliches

2007/10/23
Da ich ja ein Zottelfell mein eigen nenne, mich aber oft mit allem Möglichen und unmöglichen zuhause heillos vertüdele und meine imaginäre Zeitplanung dadurch torpediere, fallen unsere gemeinsamen Abendspaziergänge doch häufig auf einen recht späten Zeitpunkt des Tages. Inzwischen hat der Hund sich fast daran gewöhnt und seine Abneigung gegen die Dunkelheit aufgegeben, und mir selbst hat es noch nie was ausgemacht, mich im Düsteren auf den Weg zu machen.
Wenn ich unser Wohnviertel hinter mir lasse, komme ich recht schnell zu Feldern, die vor allem im Mondlicht für mich unwiderstehlich sind, leider aber auch für die Rehe aus den umliegenden Wäldchen und denen wiederum kann der Hund nicht widerstehen, so dass der Genuss halt nicht immer ungetrübt ist. Wende ich mich der anderen Richtung zu, dann komme ich erst an einen kleinen Bachlauf und kann entweder dem folgen oder durch die angrenzende Schrebergartenkolonie toben.
Als ich mich gestern abend so gegen halb zehn auf den Weg machte, war es recht frisch und es ging ordentlich Wind, so dass das restliche Laub - unsere Bäume hier haben noch ganz schön Blätter an ihren Ästen - heftig raschelte. Der Hund fand das nicht ganz so toll und suchte dann und wann nach vermeindlichen Auslösern des Geraschels - Rehe sind auch an der Au vertreten, mich dagegen mutete es zusammen mit dem Licht des zunehmenden Mondes beinahe wildromantisch an ;-).
Nach einer ausgiebigen Runde gelangte ich zu einem meiner Lieblingsplätze. Ein wenig versteckt, hangabwärts am Rande der Schrebergärten gibt es eine idyllische Stelle, an der nette Menschen zwei Bänke aufgestellt haben, und wo wir eigentlich immer eine Weile bleiben, um die "Abgeschiedenheit" zu genießen und ein bisschen zu Ruhe zu kommen. Naja gut, ich hänge meinen Gedanken nach oder freue mich einfach daran, dass ich dort sein kann, während der Hund sich eher langweilt und auf ein Leckerli wartet. Jedenfalls war ich dort angekommen und mußte feststellen, dass sie "meine" Bänke abmontiert hatten. Toll. Und das wo der Mond gerade so schön schien und ich gern eine Weile bleiben wollte. Während ich noch überlegte, ob ich mich einfach auf die verbliebenen Steinstreben setzen sollte, hörte ich plötzlich ein merkwürdiges Geräusch. Um diese Zeit verirrt sich dort eigentlich niemand mehr hin, und ich fürchte weniger die Menschen als die Vierbeiner, die selbige normalerweise dazu bringen, sich in Kälte und Dunkelheit noch rauszubegeben.
Das ist für mich ein wenig nervig, weil mein Blödhund andere Rüden nun mal einfach nicht soo toll findet, und leider die meisten so spät durch die Gegend rennenden Menschen davon ausgehen, dass außer ihnen niemand mehr unterwegs ist, sie also ihre Viecher nicht anzuleinen bräuchten.
Ich scheue nichts so wie nächtliche unkontrollierbare Hundekontakte und warf also ein lauschendes Ohr, ob Schritte oder Geraschel nahendes Unheil verkündeten.
Es war zwar nun wieder ganz still, doch auch die Haltung meines Hundes verriet ganz deutlich, dass irgendwas in der Nähe war, was nicht zur Standardausstattung des Ortes gehörte. Rein prophylaktisch habe ich den Hund also ein bisschen aus dem Mondlicht in Richtung der umstehenden Büsche gezogen, weil andere Hunde in der Regel eher auf Sicht reagieren. In dem Moment kracht und prasselt es keine zwei Meter entfernt von mir wie verrückt. Mann, da ist selbst mir der Schreck mächtig in die Knochen gefahren. Wenigstens konnte ich meine Stimme im Zaum halten und habe nicht hysterisch rumgekreischt.
Erst nachdem sich das Geräusch zwei oder dreimal wiederholt hatte, habe ich mich ein bisschen vorgewagt, um zu gucken, was es damit auf sich haben könnte.
Klar, es war eine ganz naheliegende Geschichte: jemand entledigte sich auf nicht ganz legale Weise seines Gehölzschnittes im Landschaftsschutzgebiet.
Ich bin dennoch stocksteif an Ort und Stelle stehengeblieben und habe gewartet, bis derjenige seinen ganzen Abfall abgeladen hatte - es war ziemlich viel - und sich mit einer Schubkarre wieder von dannen trollte. Man weiß ja nie, wie die Menschen reagieren, wenn man sie bei was Verbotenem ertappt.
Ich war sehr erleichtert, dass mein Hund gerade seine ruhigen fünf Minuten gehabt hatte und sich weder an dem Geräusch noch an meinem wildpochenden Herzen störte und einfach nur friedlich neben mir sitzend auf das nächste Leckerlie wartete.
Wie auch immer, ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass ich bisher jemals so froh war, die Lichter unserer Siedlung zu erreichen und dem auschließlichen Geraschel der Natur zu entkommen.
Heute bin ich wohlweißlich erstmal in Richtung Felder unterwegs gewesen und da war es zum Glück friedlich.
Gute Nacht ;-)
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