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Sonntagsfreuden

2006/06/26
Nachdem sich hier eine Weile nichts wirklich Berichtenswertes zugetragen hatte, war es gestern mal wieder soweit.
An sich hätte es ein ruhiger Tag werden können, denn mein Männe mußte sich mit seiner Präsentation für eine Strategiesitzung quälen, es gab keine Termine außer der am Nachmittag stattfindenden Tanzparty, zu der mein Töchterlein gefahren werden wollte und so stand außer den Hundespaziergängen nichts auf meinem Zettel. Super, viel Zeit also für meine Lektüre "Die Frau des Zeitreisenden" mit der ich schon lange geliebäugelt hatte, mir aber nicht sicher war, ob der Kauf lohnt, und die sich zufällig bei einem Besuch der Bibliothek anbot.
Doch erstens kommst es anders, zweitens als man denkt.
Sohnemax war am Vortag auf einer Geburtstagsfeier eingeladen und verschwunden, ehe wir Alten von unserem Einkaufsbummel zurück waren. Als er gegen 22 Uhr wieder nach Hause kam, klagte er über Schmerzen in seinem rechten Bein, das er dick verpflastert hatte, weil er sich wohl irgendwelche Blasen aufgerissen hatte. Hm. Das klang ja sehr merkwürdig, aber er verschwand sofort im Bett und schlief auch gleich ein, also hatte ich keine Gelegenheit mehr, mir das genauer anzugucken.

Das große Erwachen erfolgte bei mir am nächsten Morgen, als ich das Bein sah... wäre ich nicht noch nüchtern gewesen, dann hätte es mir glatt den Magen umgedreht.
Er erzählte, dass ganz plötzlich dicke, scheinbar mit Wasser gefüllte Blasen auf dem Schienenbein auftauchten und natürlich hatte er nichts besseres zu tun, als sie aufzuschneiden, weil dann der Druck verschwinden würde. Toll gedacht.
Der Erfolg war, dass er nun große, siffende, wunde Stellen hatte, die rundum von ganz stark geschwollenen und geröteten, neue Blasen bildenden Regionen umgeben waren. Durch das Spannungsgefühl tat ihm jeder Schritt weh.
Was zum Teufel konnte das sein, das so plötzlich, so heftig und auf einen so begrenzten Bezirk eingeschränkt auftauchte? Eine allergische Reaktion? Würde zu ihm passen, nur worauf?
Über den Vormittag rettete er sich noch mit einem Freund, doch Schmerzen, Schwellungen und Sifferei nahmen zu...
Konnte ich bis heute warten, um zur Ärztin unseres Vertrauens zu gehen oder sollte ich doch lieber zum Notdienst???
Da er auch sonst zu ungewöhnlichen Krankheiten neigt, das Ganze ziemlich gefährlich aussah, und ich es mir nicht erklären konnte, beschloss ich mit ihm in die Ambulanz der Uniklinik zu fahren. Lieber einmal zu viel als zuwenig.
Also erst die Mädchen zum Tanzen und dann gleich weiter, da es quasi auf dem Weg lag.
Da ich das Gelände um die Klinik gut zu kennen glaubte, wollte ich das Geld für die Parkerei sparen, denn die paar Schritte brächten uns ja nicht um.
Hahaha. Ich lag meilenweit daneben und mußte mit meinem Sohn noch durch die Wallachei kraxeln. Der Arme. Das hatte ich ja prima vergeigt.
Die Ambulanz war zwar ganz gut besucht, aber die meisten Kleinkinder und Babies mußten zum Röntgen, so dass wir ausgesprochen schnell dran waren. Die fassungslosen Blicke der Schwestern, als sie das Bein in Verbindung mit meiner Auskunft, dass er sich weder verletzt noch verbrannt habe, ließen nichts Gutes ahnen.
Eine junge Ärztin warf kurz einen Blick drauf, schüttelte den Kopf und schickte uns in die Hautklinik.
Zwar hatte ich der Wegbeschreibung so gut es ging zugehört, aber wir marschierten unter meiner Führung dennoch ziemlich ins Irr, bis mein Sohn anzumerken wagte, dass wir das Hauptgebäude vielleicht ganz verlassen müßten ... danach fanden wir unseren Bestimmungsort relativ schnell, peinlich.

Auch in der Hautklinik das gleiche Bild... ratlose Gesichter bei den Schwestern, das machte ungemein Mut. Dabei war ich mir ziemlich sicher gewesen, die hätten so was schon tausendmal gesehen... während wir warteten, kam noch eine junge Frau, die sich am Knöchel eine Zecke eingefangen hatte und sich nicht getraut hatte, sie selbst zu entfernen. Ich mußte mir ja ein leises Grienen verkneifen, aber als Hundehalter sieht man das wohl gelassener.
So. Rein zum Arzt. Auch noch relativ jung, aber er wirkte ein bisschen überarbeitet.
Prüfender Blick auf das Bein. Was hast Du gemacht? - Nichts. - Das gibt es nicht. - Doch. - Nein.
Aha??
Wo bist Du gewesen? - Tja, zuhause und in der Stadt. - Nein, das kann nicht sein. - Doch. (Ich werde innerlich ungeduldig...)
Warst Du auf einer Wiese?? - Nein. - Doch, bestimmt. - Nehein.
In dem Moment fallen mir die nassen Strümpfe und Schuhe ein, die Freitag (?) einen Ausflug zur Au gekrönt hatten. Da gab es jede Menge hohe Gräser und andere seltsame Pflanzen. -
Triumphgefühl beim Arzt. Ja, na also. Das könnte sein. Eine allergische Reaktion auf einen Pflanzenkontakt, der erst verspätet und unter Einwirkung von Sonnenlicht erfolgt. Er hätte ja gleich auf eine "Wiesengräserdermatitis" getippt.
Klingt netter als es ist, ich muss grinsen.
Bein schonen, Rezept für Creme und - ach, darf ich davon Fotos machen?? - Klar. Ist ja ´ne Uniklinik, die brauchen Anschauungsmaterial (da bei Nico vor Jahren erstmals eine
Auto-Immun-Thrombozytopenie aufgetreten war, bei der seine Thrombozyten auf Null abgefallen waren und sein Körper bei jeder etwas festeren Berührung sofort mit roten Pünktchen - Petechien - reagierte, war er auch schon als lebendes Anschauungsobjekt in entsprechenden Vorlesungen)
Das Fotoarrangement dauerte locker dreimal so lange wie die Untersuchung, und es kommen so nette Kommentare wie - schade, dass Du die Blasen weggerissen hast, die hätte ich gern auch gehabt (auf dem Foto versteht sich).
Ich liebe Hautärzte!

Immerhin waren wir so schnell fertig, dass wir die Mädels auf dem Rückweg gleich wieder einsammeln konnten -
Und bei Lichte besehen war die Diagnose, wenn sie denn stimmt, ja auch nicht soo schlimm... wir werden sehen.

Freut Euch also, wenn Ihr gesund und munter seid und bleibt aus den Wiesengräsern, wer weiß, was da auf Euch lauert!! ;-))))
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Comments on 'Sonntagsfreuden'
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benzin benzin
2006/06/26
puh, das sieht aus, als ob es schlimm wehtut.

annianbi annianbi
2006/06/26
Ja, es ist heftig.
Mein Kleiner war heute nicht in der Lage in die Schule zu gehen. Er konnte nicht mehr auftreten, ohne dass ihm die Tränen in die Augen schossen, ihm war schlecht vor Schmerz und er hat den ganzen Vormittag geschlafen... hoffentlich irrt der Typ sich mit seiner Diagnose nicht, seufz.

drb drb
2006/06/26
sieht heftig aus ... aber die idee, sich die blasen aufzuschneiden, damit es weniger wehtut, wenn der fuss sooo aussieht, ist auch krass. tapferer sohn!! wobei ärzte doch nicht sooo schlimm sind;)

annianbi annianbi
2006/06/26
Ehrlich, ich finde das nicht tapfer, ich finde das ausgesprochen blöd... aber was will man tun... das Kind hat schon immer zur "Selbstverstümmelung" geneigt ;-)))
Dafür ist er in wirklichen "Katastrophenfällen" immer ausgesprochen ruhig und vernünftig, selbst wenn wir mal nicht zugegen sind, während meine Tochter schon beim geringsten Anlaß absolute Panik hat... also vielleicht doch tapfer?? ;-)

Plato Plato
2006/06/26
Auweia, von dieser Stelle aus gute Besserung!

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