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All Blog entries from category Zitate

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Anam Cara

2008/01/11
| Comments: 2
Ausgelöst durch Nachtzaubers letzten Beitrag möchte ich Euch heute ein Zitat aus einem Buch, das ich derzeit lese, vorstellen, das mich deshalb nachdenklich gestimmt hat, weil es auf sehr eindrucksvolle Weise eine Erkenntnis ausdrückt, die ich selbst niemals so hätte formulieren können, obwohl sie eigentlich elementar ist. Natürlich interessieren mich auch Eure Gedanken dazu!!

"Wir gehen viel zu leichtfertig davon aus, wir hätten mit anderen Menschen ein und dieselbe Welt gemeinsam. Es stimmt natürlich, dass wir objektiv mit allen Menschen denselben physikalischen Raum bewohnen; der Himmel ist schließlich eine visuelle Konstante jeglicher Wahrnehmung. Die äußere Welt besitzt aber keinerlei Zugang zur Innenwelt des Individuums. Auf einer tieferen Ebene ist jeder Mensch der Hüter einer vollkommen privaten individuellen Welt. Manchmal sind unsere Überzeugungen, Ansichten und Gedanken lediglich Möglichkeiten, uns das tröstliche Gefühl zu geben, dass wir mit der schweren Bürde einer einzigartigen Innenwelt nicht allein sind. Es bedeutet für uns eine große Hilfe, so zu tun, als gehörten wir alle ein und derselben Welt an - aber sobald wir diese Selbsttäuschung durchschauen, sind wir nur um so mehr allein. Dieses Alleinsein ist nicht lediglich durch unsere Unterschiedlichkeit bedingt; sie rührt im stärkeren Maße daher, dass jeder von uns in einem anderen Körper wohnt. Die Vorstellung, dass menschliches Leben in einem Körper wohnt, ist faszinierend. Wenn uns beispielsweise jemand besucht, kommt er leibhaftig zu uns. Er trät seine gesamte Innenwelt, seine Erfahrungen und Erinnerungen durch das Vehikel seines Körper in unser Haus. Solange er bei uns zu Gast ist, weilt sein Leben nirgendwo sonst; es ist vollständig da, vor unseren Augen und geht auf uns zu. Wenn der Besuch beendet ist, steht der Körper auf, verläßt das Haus oder die Wohnung und trägt diese verborgene Welt wieder fort."

aus: Anam Cara, John O´Donohue

P.S.: Anam ist das gälische Wort für Seele, Cara heißt Freund.
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Kam mir gerade in den Sinn

2007/06/12
| Comments: 6
Tags: No Tags available
Auch wenn´s zur Jahreszeit nun gar nicht passen will, auf meinem Streifzug in Sachen Lyrik bin ich heute zufällig (?) mal wieder auf ein Gedicht gestoßen, dass mich schon sehr lange begleitet und immer wieder ins Nachdenken bringt.

Sicher kennen es einige von Euch.
Ich mag es sehr.

Nichtsdestotrotz Euch einen sonnigen und schönen Abend!


Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Hermann Hesse

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Fremdling ;-)

2007/06/12
| Comments: 8
Blog reply on: Vorsicht, lyrisch ;-) from annianbi
Tags: No Tags available
Heute veröffentliche ich hier zum ersten Mal für einen anderen, nämlich meinen mir in meiner Zeit hier sehr wertvoll gewordenen Buddy Benzin, einen Blog.
Das ist für mich schon ein echt eigenartiges Gefühl... mein Gedicht "Bitte" war Mit-Auslöser für das Folgende.
Jedenfalls war es für mich bewegend, dieser Art Resonanz auf meine Gedanken zu erleben und das Ergebnis gefällt mir richtig gut. Außerdem bin ich sicher: einigen von Euch dürften ähnliche Gedanken nicht fremd sein.

Natürlich erfolgt die Veröffentlichung mit dem Einverständnis des Urhebers, vor allem auch deswegen, weil es für ihn technisch recht aufwendig wäre, das hier in der entsprechenden Form einzustellen.
Nun aber zum Eigentlichen!! ;-)


verdammnis

hier ists nur hell, wenn man brennt,
die lüge um sich herum erkennt.
und dann brennt man, weil man sieht,
und schreit hinaus ein böses lied.

lösch das licht, verfolg die schatten,
die mal eine seele hatten.
reih dich ein zum geistertanz,
verblute unterm dornenkranz.
nimm den stahl und schneid dich auf,
sing das dunkle klagelied.
fall hinunter, schrei hinauf,
bete, daß gott dir dich vergibt.

schwarze engel, deserteure,
verbannt von gott, verbrannt im licht,
flohen einst in dunkle sphären,
entzogen sich dem standgericht.
sie ächzen leidvoll in verliesen,
während du von erlösung sprichst.
die ist nicht hier, und auch nicht oben,
denn licht und dunkel sind verwoben.
die wahrheit ist nicht im schattenreich,
sie ist auch nicht hell und weich.

bist du mutig, nach ihr zu fragen?
bist du stark, sie zu ertragen?
dann greif zum schwert, und spann den bogen,
sieh, man hat auch dich betrogen.

doch glaubst du lieber an den gott,
der blinde heilt, und schwache liebt,
dann träum weiter von erlösung,
anstatt bitter zu erfahren,
daß es vielleicht keine gibt,
sondern nur den hauch der ahnung,
daß gott dir zweifel nie vergibt.

so bete zu dem mann am kreuz,
senk dein haupt, bewein sein leiden,
während wölfe um dich herum
dir reissen raus die eingeweide.

du hast recht, es war ein traum,
meine seele zu berühren.
denn wär das wahr, würd ich erblinden,
oder dich zum abgrund führen.
von was willst du mich befreien,
von mir selbst? wir sind nur schatten.
das was du hörst, ist nicht mein schreien,
das bist du selbst, die zu mir schreit,
weil wir nie ein leben hatten.

ich will erkennen, nicht zerstören,
doch kann ich die lüge nicht mehr hören,
von erlösung im sklavenhimmel,
lieber verdammt sein, als lüge schwören.

ende.
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Lieblingsgedicht

2006/05/19
| Comments: 0
Tags: No Tags available
Seit ich es das erste Mal im Studium gelesen habe, kehre ich immer wieder zu diesem Gedicht zurück.

Vor allem, die letzte Zeile ist es, die mich zum Nachdenken anregt. Verhält es sich wirklich so??

---

Das Wort

Wunder von ferne oder traum
Bracht ich an meines landes saum

Und harrte bis die graue norn
Den namen fand in ihrem born –

Drauf konnt ichs greifen dicht und stark
Nun blüht und glänzt es durch die mark ...

Einst langt ich an nach guter fahrt
Mit einem kleinod reich und zart

Sie suchte lang und gab mir kund:
›So schläft hier nichts auf tiefem grund‹

Worauf es meiner hand entrann
Und nie mein land den schatz gewann ...

So lernt ich traurig den verzicht:
Kein ding sei wo das wort gebricht.

(Stefan George)

---



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