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Eine Nacht in Stuttgart

2006/09/19
So, da bin ich wieder *BU - alle erschreck*!
Ich befürchte nur nach dieser Auszeit wird's mal wieder etwas umfangreicher (Sorry schonmal im Voraus).

Vergangenen Samstag war es nämlich wieder soweit: Bei uns stand die alljähriche Azubi-Party an. Nachdem wir letztes Jahr mit ein paar Gogos, die der Jahrgang über uns engagiert hatte, zu fettesten House-Beats die VIP-Lounge im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion wackeln ließen, wurde dieses Mal unter dem Motto "Rock The Boat" auf ein Partyboot auf dem Neckar eingeladen. 300 Auszubildende und BA-Studenten meines Arbeitgebers mit Begleitung - wer sich zuerst anmeldet, mahlt zuerst. Boarding 18 h, Abfahrt 19 h.

18 Uhr, dachten wir uns, ist schon recht früh, aber wenn schon so früh, warum dann nicht direkt in Stuttgart treffen und uns schon am Nachmittag wo niederlassen. Also verabredete ich mich mit 2 Kumpels aus meiner BA für die Stuttgarter Innenstadt, Treffpunkt "Biergarten Paulaner". Dummerweise verpasste ich ganz kanpp meine S-Bahn, also tippte ich eine SMS "Sry Jungs, Bahn verpasst, komme 'ne halbe Stunde später". Keine 10 Sekunden später kam eine SMS zurück: "wir auch". Solche Grasdaggl. Somit halb so wild. ;) Ließ ich mich also die nächsten 30 Min an der S-Bahn-Haltestelle nähe des Flughafens nieder, wo auch mein Auto stand (man weiß ja nie, ob ich am Sonntag Morgen noch auf die Schnapsidee kommen würde, kurzfristig im Sud irgendwohin zu fliegen, falls ich nicht mehr/noch nicht wieder fahrtauglich sein sollte, da ich neben Sonntag auch Montag frei hatte ;) ), und trank erstmal genüsslich ein Paulaner Hefeweizen naturtrüb.

Endlich kam die nächste Bahn. Da ich sogar noch vor den Kumpels in Stuggi drinnen war, änderten sich die Pläne leicht und ich besetzte schonmal einen Platz am Calwer-Eck-Bräu, einer Stuttgarter Hausbrauerei, und bestellte vor. Dann kamen die Kumpels kurze Zeit später an. Gleichzeitig wurde der Pitcher Bier serviert. Dazu bestellten wir noch Maultaschen - was auch sonst - schließlich bietet sich eine solide Grundlage an solchen Tagen an. Die Zeit verstrich, und es kam der Punkt, als wir Richtung Anlegestelle aufbrechen mussten. Bereits in der U-Bahn begegneten uns neben "hey alter ey, alter"-Gestalten nach und nach immer mehr bekannte Gesichter.

Die nächsten 6-7 Stunden, die ursprünglich den Kerninhalt des Abends darstellen sollten, lassen sich dann jedoch im Zeitraffer darstellen - wobei ich anmerken muss, dass jene 6 Stunden auf dem Boot nur eine Angabe des Optimalfalls waren, da ich mich in Gedanken schon lange vorher über die Railing fliegen sah.. Ich konnte mich jedoch raffen und es sollte nicht dazu kommen. Dennoch, kaum auf dem Schiff, natürlich mit passenden Blumenkränzen geschmückt, die wir beim Check-In erhielten, um Partystimmung aufkommen zu lassen, fragte ich erstmal, ob sie das Bier auch Kastenweise ausgeben würden. Wurde leider verneint, also zischte ich eben so schon mal das erste Hefe an Bord. Viele weitere sollten noch folgen, ab und zu gewann das Programm aber auch durch 'n Jackie Cola oder den ein oder anderen Wodka Bull an Varianz, wobei ich hier sagen muss, dass 5 EUR, jeder ml genau abgemessen, nicht meiner Vorstellung von "schwäbischen Preisen" entsprach. Whatever, vom Betrieb bekam eh jeder einzelne nochmal "Trinkgeld" in Form eines 5 EUR-Scheins quasi als Startguthaben beim Betreten des Partyschiffes in die Hand gedrückt. Auf der Tanzfläche sah man uns dagegen weniger, aber die Unterhaltungen oben waren auch ziemlich amüsant. Wobei ich im Nachhinein gar nicht mehr genau weiß, mit welchen Themen wir eigentlich die ganzen Stunden rumgebracht haben. Merke ich irgendwie erst grad beim Verfassen dieses Blogs..

Wie dem auch sei, was danach kam, weiß ich noch ganz genau: Kurz nach 0 h waren wir wieder am Dock angelangt und verließen gut gelaunt als Letzte das Schiff, da wir unter Deck noch 'ner Freundin und Kollegin freudig zum Geburtstag gratulierten. Die große Masse war schon weg. Als wir dann wieder auf festen Grund waren, kam jedoch einer der Partygesellschaft wild auf uns zugerannt, und war der festen Überzeugung, wir hätten seine Mutter beleidigt. Plötzlich schrie einer von uns aus der zweiten Reihe scherzhaft "Deine Mutter klaut bei Kik" (ich geb's zu: Der Wahnsinnsspruch überhaupt :D ), und damit war die Eskalation perfekt. Tumulte! Plötzlich standen mehr von der Sorte aggressiver Leute vor uns auf der Matte. Lustigerweise war das Erste, was dem Eskalator einfiel, erstmal zum Handy zu greifen. LOL, wie primitiv, erst stressen, dann aber sofort Kumpels anrufen :D. Ein weiterer meinte darüber hinaus noch furchteinflößender zu wirken, wenn er vor uns oben Ohne rumtanzt. Köstlich, nur noch lächerlich. Als die Jungs jedoch gegenüber einer Kollegin, die nur dazwischen gehen wollte, handgreiflich wurden und wir "sche*ß BAler" alles mögliche geheißen wurden, hatten sie es doch geschafft eine eher seltene aggressive Grundstimmung auch in mir zu wecken - Glückwunsch! Als ich dann vor ihm stand und nur darauf wartete, dass er den ersten Zug macht, um mir einen direkten Grund zu geben aktiv einzuschreiten, kamen jedoch (leider?) die Ausbildungsleiter hinzu, worauf dann recht schnell die Ausrast-Anfälle in ihrer Anzahl reduziert wurden. Auf das mahnende Argument der Leitung es würden immer zwei Seiten dazu gehören, wurde nur von der Person mit der "Kik"-Aussage sarkastisch erwidert "und Polen war auch schuld, dass sie überfallen wurden..". Wir stiegen kurz darauf jedoch in den Partybus ein, der in die Innenstadt zum Schlossplatz fahren sollte, und sahen im Hintergrund nur noch, wie der Eskalator irgendwie beim hinterher Rennen auf die Schnauze fiel und kräftig angep*sst auf eine unschuldige Mülltonne eintrat. Herrlich - wie im schlechten Film.

Am Schlossplatz angekommen war leider durch diese Aktion einigen der Spaß am Abend vergangen, andere mussten zudem die Freundinnen trösten (kennen glaube ich einige, wenn die angetrunkene Freundin weint, weil sie zusehen muss, wie der Freund und die Kumpels dumm angemacht werden, es ausartet und sie womöglich selbst noch was abbekommt - zugegeben normal keine Sache, auf die man stolz sein müsste.). Nichts desto trotz hatten der Kik-Sprüchereißer, bei welchem es sich um einen Kollegen aus Ulm von der BA Heidenheim handelte, und ich die Sache abgehakt und wollten uns den doch noch jungen Abend in einer Partystadt nicht entgehen lassen.
Darum gingen wir einfach erstmal mit paar Mädels, die auch aus dem Partybus ausstiegen, zum Subway mit. Bekanntlich kommen einem ja die besten Ideen beim Essen. Wir stellten uns an, jedoch am vorderen Ende der Schlange. Aus unerklärlichem Grunde fühlte sich der junge Mann hinter der Theke also veranlasst erstmal alle anderen Leute dran zu nehmen. Als wir dennoch nicht nach hinten wichen, wurde nun auch die Bestellung derer abgefertigt, die komplett nach uns den Laden betraten. Frechheit ;) . Wir gaben nach und nahmen ein großes Thunfischsandwich zusammen. An dem Preisaushang hinten an der Wand stand jedoch nur der Preis für die normale Größe. Als der Kassier dann einen Preis nannte, meinte mein Kumpel protestierend, wo denn dieser Preis stünde, und er könne doch nicht einfach so etwas erfinden. Dazu sei gesagt, dass die Stimmung im Laden unter allen Anwesenden sehr scherzhaft war. Einen geschockten Blick machte der Angestellte dennoch, als er tatsächlich einfach keinen Preis dazu finden konnte. Nun begannen sich die Unterrichtsstunden in "Recht" auszuzahlen. Einige Gesetzesparagraphen und Fachgesimpel aus dem HGB kamen zur Sprache. Als das fertige Sandwich noch unbezahlt auf der Theke lag, sich aber am Preis noch nix änderte, schritten wir erstmal richtig gemein zur Ausgangstür. Als wir bereits draußen waren, wurde uns schließlich dann doch noch von den netten Menschen ein guter Preis gemacht, den Rest legte der Verkäufer aus seinem eigenen Geldbeutel in die Kasse :P .

Das Mahl war verschlungen. Die anwesenden Damen schlugen jedoch einen anderen Weg ein, vermutlich den Nach-hause-Weg. Die Idee, die aus dem Essen resultierte, war dann lediglich die, dass mein Kollege kurzerhand sein Telefonbuch durchging, und von paar anderen Mädels die Nummer rausfischte. Diese saßen letztlich direkt um die Ecke im McDonalds. Wir hin, uns mit ihnen getroffen. Aber sie waren nach einem Hin und Her auch mehr in Aufbruchstimmung. Jener Kumpel und Kollege versuchte noch bei einer von ihnen über Nacht unterzukommen, aber es wurde abgelehnt, auch mit der Begründung, dass im Auto nicht Platz für alle sei und im Zweifel ich dann ja allein da stehen würde. Soweit so gut. Wir liefen durch die Innenstadt, um auf weitere Gedanken zu kommen, bis wir am Rande der Fußgängerzone vor'm Hauptbahnhof standen. Die einzigen, die wir aber dort trafen, waren Leute, welche auf dem Boden schliefen. Alle Gitter waren unten, keine Bahn fuhr mehr. Ich legte mich also mal mehr oder minder mal dazu, bis meine Begleitung meinte ich solle mich mal raffen. Mittlerweile zeigte das große Rund am Bahnhofsturm 2 h an. Wenn eh keine Züge mehr fahren, mussten wir ohnehin in Stuttgart bleiben. Also warum nicht in eine Disco? Hm, vielleicht weil die Türsteher der Discos um diese Uhrzeit meißt nur noch Männer hineinlassen, bei denen die weibliche Begleitung, die wir nicht mehr hatten, in Überzahl ist. Zudem wird zwei jungen Männern um diese Uhrzeit eh häufig auch noch Angetrunkenheit unterstellt, so dass die Club-Pforten für uns wohl verschlossen bleiben sollten. Wir wollten dennoch schauen, wo noch was Passendes geht, liefen also durch diverse Straßen und Seitenstraßen in der Landeshauptstadt. Plötzlich hörten wir Musik, die immer lauter wurde. Wir kamen also näher. Rechts von uns eine Gasse, ein halboffenes Stahlgittertor an dem ein großes Schild befestigt war mit der Aufschrift "Privatgrundstück - Zutritt verboten!". Klasse, wir also erst recht durch, immer der Musik nach. Plötzlich waren wir in einem Innenhof, vor uns eine offene Tür, dahinter ein Raum mit vielen tanzenden Menschen. Wir gingen hinein, mischten uns unter die Menge, sahen uns um, waren erstaunt dass es keine Kasse gab. Da merkten wir es. WTF?? Wir waren mitten im "Bett", einem der angesagtesten Clubs in Stuttgart! Durch die Hintertür waren wir wohl reingekommen und kamen direkt neben dem DJ Pult raus. FETT! :D
So verbrachten wir bis 4 h die Zeit also hier an der Bar, auf der Fläche und im bequemen Chill-Out-Bereich mit weichen Kissen. In der Zwischenzeit ereilten den Kumpel aber noch zahlreiche SMS von dem Mädl, welches ihn zuvor nicht mit zu sich heim genommen hatte. Inhalt gestaltete sich jedes Mal nach dem Schema "Dumm, dass ich Dich nicht mitgenommen habe. Hättest auch bestimmt nicht auf dem Boden schlafen müssen...". Er wiederum schrieb zurück "Bin jetzt im Bett", worauf das Ganze sein Ende fand mit der Rückantwort "Gut dass Du doch noch heimgekommen bist". Amüsantes Missverständnis :D . Als sich der Laden nun aber leerte, wurden uns von zwei Mädels zu allem Überfluss auch noch unsere Hawaii-Blumenkränze abgenommen, die wir immer noch vom Partyboot umhängen hatten. Zum Ladenschluss verließen wir den Club und trafen vor der Tür promt die Damen mit unseren Kränzen. Es stellte sich im Übrigen heraus, dass sie bei mir fast um die Ecke wohnten. Mitgefahren bin ich aber nicht. Stattdessen wurde meinem Kumpel die Handynummer von einem der Mädels quasi richtig aufgedrängt. Was geht'n ab? Er kommt aus Ulm und hat bald die halbe Stuttgarter Frauenwelt in seinem Telefonbuch. Zu meinem Trost hatte ich aber eh auch schon leicht Attraktivere Damen gesehen ;) . Das Auto fuhr also ohne uns weg, als es in diesem Moment leicht zu regnen begann. Jener Kumpel schaute in den Himmel, breitete die Arme aus und scheufzte in die Nacht "Und für diese Nummer habe ich jetzt meinen Blumenkranz hergegeben?! Ich hätte heute 5 Frauen haben können, stattdessen stehe ich mitten in Stuttgart im Regen!" :D

Also zog unsere 2-Mann-Karawane weiter zurück Richtung Schlossplatz, als beim Kollegen wieder eine SMS eintraf "hey, hab gehört Du bist in Stuttgart. Bin grad mit 'ner Freundin vor'm Palais (Anm.: Disco direkt am Schlossplatz). Kommt doch vorbei!". Spätestens jetzt begann ich mich tiefsinnig zu fragen, warum ein Reingeschmeckter mehr Leute kennt, die um die Zeit noch unterwegs sind, als ich. Was sind meine Freundinnen (im Sinne von Kumpels) denn da dagegen für Pfeifen :P . Wir jedenfalls hin, und da standen die Damen, und hatten sogar noch 'ne Mischung Wodka-O dabei. Was ein Glücksfall. Zudem war die Freundin, mit welcher die SMS-Schreiberin unterwegs war, auch noch eine richtig heftige Schönheit (erster Gedanke: WHOOAAA!!), die seit genau diesen Stunden wieder solo unterwegs war (wenn mir der Kumpel das Vid seiner Handykamera zukommen lässt, könnt ich Näheres zeigen ;) ). Kurzum: Es passte endlich alles ;) . Da wurde uns wieder die "Symbiose der Frauen" praxisnah vor Augen geführt: Es hat immer eine (bestenfalls) durchschnittliche Freundin - was jetzt auschließlich das Aussehen betreffen soll - eine überaus Attraktive an ihrer Seite. Die weniger Hübsche profitiert davon, dass sie so auch Männer kennenlernt, die "Granate" wird am Ende wieder bestätigt, weil sie die Typen abbekommt ;) .
Wir unterhielten uns eine ganze Weile, bis endlich die McDonalds wieder aufmachten. Gemeinsam schlenderten wir die Königsstraße entlang, ließen uns hier und da für einige Minuten nieder, bis wir zuletzt wieder am Bahnhof angelangt waren. 6 h morgens, die Tore wieder geöffnet. Drinnen trafen wir nur etliche Herren, welche die Nacht unverkennbar auch im Freien verbracht hatten. Am lustigsten war dabei ein Norddeutscher, richtig heruntergekommen, aber einfach nur kultig mit seinem nordischen Seemannsdialekt. Auf die Frage, was er in Stuttgart mache, meinte er trocken "einen guten Eindruck" :D . Auch machte er der zauberhaften Dame an "meiner" Seite ständig Komplimente - zurecht wohlbemerkt - aber ließ dann mit den Worten davon ab "jetzt müsse er aufhören, sonst würde er von mir sicherlich noch eine fangen", da er mich für den Freund hielt.
Schließlich gingen wir im HBF rein in den Mac und verschlangen einige Burger; jene Dame langte dabei zu wie'n Scheunendrescher, was ihr aber nichts auszumachen scheint - wenn's passt, dann passt's halt ;) . Gegen 7 h morgens jedoch fuhr des Kumpels Zug nach Ulm und die Wege unserer vier Personen trennten sich. Zum Abschluss verabredete man sich aber noch für den Wasen - das Canstatter Volksfest in Stuttgart, beginnend am nächsten Wochenende - schließlich will man da weitermachen, wo man aufgehört hat..

Auch meine S-Bahn sollte bald fahren, wenngleich meine Odysee damit noch keineswegs beendet war. Dummerweise verschlief ich nämlich meine Haltestation und fuhr eine zu weit direkt zur Endstation Flughafen. Deshalb durfte ich weitere 35 Minuten warten, bis sich die Bahn wieder in Bewegung setzte und mich eine Station zurück fuhr.
Fragt mich also besser nicht, wann ich letztlich daheim war. In jedem Fall war es aber wieder ein durchweg derb amüsanter Abend mit einer echten Klimax zum Schluss. Stuttgart ist und bleibt eben ein empfehlenswertes Abenteuer! :)
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Comments on 'Eine Nacht in Stuttgart'
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Plato Plato
2006/09/19
Was ist denn ein Grasdaggl, ein kiffender Hund? ;-D

maxpower maxpower
2006/09/19
welcome back Virtual, war wie immer herrlich zu lesen. Genauso wie der Grosse Haufen Blog von Frolic :)

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