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Und wieder ist es passiert

2007/11/24
| Category: Nachdenkliches | VotesThumbs downVotesThumbs up | Votes: 2

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Mitten in Deutschland ist mal wieder ein Kind verhungert, wie kann so etwas passieren? Ich habe selber keine Kinder, bin aber Onkel und habe ein sehr enge Bindung zu meinem Neffen. Schon als ich ihn das erste Mal auf dem Arm hielt war er etwas ganz besonderes für mich und ein ganz seltener Augenblick der mich zu Tränen gerührt hat. Wie kann es also passieren dass ein Kind unter den Augen der Eltern verhungert und verdurstet und am Ende gerade mal 7,4 Kilogramm wiegt? Das Kind hatte ein schönes Zimmer mit 50 Stofftieren, die ganze Wohnung war aufgeräumt. Ich kann nicht verstehen wie man ein Kind mit 5 Jahren so vernachlässigen kann, habe ein Bild der Kleinen gesehen (gerade eben, deswegen auch der Auslöser für diesen Blog) und war einfach nur fassungslos. Ich hatte schon immer einen guten Draht zu kleinen Kindern und freute mich über jedes Lachen mit dem ich belohnt wurde. Was geht also in den Köpfen solcher Eltern vor, wie konnte es passieren dass sie so sehr abstumpfen und ihr Kind gar nicht mehr wahrnehmen? Sie müssen es ja regelrecht ignoriert haben, es als Störfaktor empfunden haben...
Bin weiterhin fassungslos.
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Comments on 'Und wieder ist es passiert'
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slayer slayer
2007/11/25
Hallo lieber Plato... Ganz schlimm. Wie können Eltern ihre Kinder verhungern/verdursten lassen? Warum passiert so etwas? Ich weiß es nicht. Ich kann nur so viel sagen: Ich nehme seit rund 16 Jahren die gesellschaftlichen Veränderungen in diesem Land wahr und sehe eine massive Häufung solcher Fälle in den letzten Jahren. Also: Haben wir es mit einer "Verrohung" unserer Gesellschaft zu tun? Irgend etwas passiert. Heute kommt es doch schon jeden Monat vor, dass ein Kind vergewaltigt und getötet aufgefunden wird. Jeden Monat haben wir irgendwo in Deutschland ein Kind welches unter grausamen Bedingungen wegstirbt. Das ist unglaublich, aber ich weiß nicht, was man tun kann.

Das einzige was mir einfällt: Führt einen Führerschein fürs Kinderkriegen ein. Wer ein Kind haben will, muss einen Kurs besuchen und beweisen, dass er/sie es "drauf" hat. Dabei werden auch die sozialen Umfelder geprüft - lebt eine Familie in Risiko-Umfeldern, werden dort monatlich Kontrollen gefahren.

Ist das eine Idee?

annianbi annianbi
2007/11/27
Habe gerade einen Bericht dazu gehört, dass genau dieser Eindruck, den Du in Deinem Kommentar äußerst, slayer, sich zwar bei vielen Menschen findet, aber durch die konkreten Zahlen nicht belegen läßt, zumindest was das Sterben der Kinder angeht.
Was sich wohl verändert hat, ist die Intensität der Berichterstattung in diesen Fällen, so dass einem das viel mehr im Gedächtnis haften bleibt.

Dennoch besteht Handlungsbedarf.
Was die Einführung einer Kinderkriegeprüfung angeht, naja, also eine Idee ist es, daran gibt es keinen Zweifel.
Aber in meinen Augen ganz sicher keine gute. Sorry.
Prüfungen, Zwänge, Kontrollen, das ist immer das, was schnell zur Hand ist. Leider glaube ich überhaupt nicht, dass man soziale Kompentenzen abprüfen kann.

Ganz konkret:
1. wer bitte, sollte denn die Kinderkriegen-Führerschein-Prüfung wohl abnehmen, weil er kompetent dafür ist, eine derartige Entscheidung zu fällen? Psychologen, Pädagogen, Beamte, Mütter?
2. wieviel Menschen besitzen einen Führerschein und können doch nicht Autofahren oder nur schlecht??

Ich glaube nicht, dass es uns an gesetzlichen Möglichkeiten mangelt, einzugreifen.
Es stellt sich die Frage, warum es nicht getan wird. Personalmangel oder falsches Personal?
Wenn ich das in diesem Fall richtig verfolgt habe, dann war das Jugendamt doch zwei Wochen vor dem Tod des Kindes in der Familie. Haben die nicht erkannt, wie gefährdet das Mädchen war?? Was nutzt dann so eine Kontrolle?

Es läuft sicher einiges falsch in unserer Gesellschaft. Das Weggucken, Nichteinmischen, keine Fragen stellen, den Weg des geringsten Widerstandes gehen ist einfach schon sehr verbreitet.
Außerdem kommt hier auch erschwerend hinzu, dass man damit in die Privatsphäre anderer Menschen eingreift und dabei sehr genau abwägen muss, ob ein Kind nicht auch in einem nicht perfekten Elternhaus (was es im übrigen ohnehin nicht gibt) noch besser aufgehoben ist, als in einem Heim. Gut, an Unterernährung wird es dort wohl nicht sterben, aber wie sieht es mit seinen seelischen Belangen aus?
Genauso gibt es Familien, deren Kinder super ernährt, gekleidet, erzogen, ausgebildet etc. werden und die doch innerlich "leer" bleiben. Wer kümmert sich um die? Und wie werden sie ihre Kinder aufziehen??

Was oft fehlt, ist aus meiner Sicht, die Einbindung in verläßliche und tragende soziale Strukturen. Aufgaben, die früher von "entfernteren" Familienangehörigen, wirklichen Freunden, Nachbarschaft, Dorfgemeinschaft oder Kirche ausgefüllt wurden.
Wer heute aus dem Arbeitsleben rausfällt, dem bricht leicht auch das soziale Umfeld weg. Sich immer wieder alleine aufzurappeln, ist viel schwieriger, als den meisten, die in einem geregelten Umfeld leben, eigentlich klar sein dürfte.

Mein Plädoyer ist daher, schauen wir doch einfach wieder einmal genauer auf unseren "Nächsten". Scheuen wird uns nicht Hilfe anzubieten, auch wenn der andere sich möglicherweise auf den Schlips getreten fühlt. Haben wir keine Angst für aufdringlich oder neugierig gehalten zu werden, nur weil wir uns für das interessieren, was um uns herum passiert.
Urteilen wir nicht über andere, sondern kehren wir lieber vor unserer eigenen Tür und achten täglich ein bisschen darauf, was wir selbst im Umgang mit anderen besser machen können.

Menschen sind keine Maschinen, man kann sie nicht warten oder über den TÜV bringen und davon ausgehen, dass dann schon alles vernünftig bis zum nächsten Wartungsintervall läuft.
Wir alle brauchen jeden Tag freundliches Entgegenkommen, ein Mindestmaß an Achtung, Anerkennung, eventuell Unterstützung und vor allen Dingen Liebe.
Gerade wenn es uns gut geht, sollten wir in der Lage sein, das auch dem völlig Fremden entgegenbringen zu können, und ich glaube, wir wären über die Resonanz oft erstaunt.

Plato Plato
2007/12/06
Vielen Dank für die Beiträge, vor allem heute wurde ich wieder an diesen Blog erinnert, insgesamt 8 tote Kinder. und annianbis Äusserungen kann man nur beipflichten, sie hat es sehr gut analysiert. Wobei ich immer noch nicht nachvollziehen kann wie die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind verloren gehen kann. Vor allem wenn diese noch so jung sind.

annianbi annianbi
2007/12/10
Lieber Plato, es ist sicher eines der größten Rätsel, warum Liebe entsteht oder vergeht. Ich denke, die Grundschwierigkeit der Nachvollziehbarkeit in diesen Fällen (im Gegensatz zur Liebesbeziehung mit einem Partner) ist, dass man davon ausgeht, dass Mutterliebe automatisch da ist und auch nicht verloren gehen kann. Das aber ist ein Irrtum.

Meine leibliche Mutter hat sich in einem Brief an meine Adoptivmutter mal dahingehend geäußert, wie entsetzlich genervt sie über Schwangerschaft und Geburt war und wie unendlich erleichtert sie war, als die Stillerei nicht klappte und sie mich im Heim zurücklassen konnte.
Sie wollte mich nicht, denn ich war nichts als ein Rechenfehler...

Eine Freundin von mir z.B. ist mit ihrer Weisheit am Ende, was ihre Tochter betrifft... das Mädel ist 17, total verschlossen, macht nur sein Ding und tyrannisiert den Rest der Familie. Wir haben sehr oft über Möglichkeiten gesprochen, da eine Veränderung herbeizuführen, leider ohne Erfolg. Als Antwort auf meine Frage, ob sie denn ihre Tochter noch liebte, kam ein zögerliches Nein, in ihr wäre inzwischen alles tot...

Kinder sind schnell gezeugt, aber die Verantwortung und die Liebe, derer sie bedürfen, ist nun mal nicht in dem Akt mit inbegriffen und es gibt sicher immer wieder Umstände, die es Menschen unmöglich machen, ihre Kinder zu lieben.
Leider.

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