Ein unerwarteter Fussball-Genuss
Da meine Freundin überraschenderweise im Internet die letzte – von ihr verpasste – Folge von Germany’s Topmodel aufstöberte und die dann gern im Wohnzimmer auf dem Laptop gucken wollte, durfte oder musste ich (auf ihr Geheiß) nicht Criminal Intend schauen, sondern das deutsche Länderspiel in der Schweiz. Mit Bild, aber ohne Ton, da sie ja hören wollte, was die Heidi Klum so zu erzählen hat.
Während Christoph Metzelders Bartgestrüpp groß eingeblendet wurde, ich von rechts nur „Wir stylen euch um“. Gomez und Klose stürmten nach vorne und das fand die Jury nicht so toll „Dein Walk war einfach nur schlecht.“ Ich versuchte auch Durchzug zu schalten und konzentrierte mich mehr auf das Spiel. Dort sah ich einen holpriges Start der Deutschen, die einfach keinen Druck aufbauen konnten und der Schweiz damit ins Spiel halfen. Ein großer Gegner hätte uns ein verspätetes Osterei ins Nest zu sein. Aber Alex Frei war die fehlende Spielpraxis deutlich anzusehen. Besser machte es Miro Klose, der nach einem Fehlgriff des Wolfsburger Torhüters Benaglio am richtigen Ort stand. Da erwarte ich einen Stürmer. Wenn es schon mit Einzellleistungen nicht klappt, muss wenigstens mal ein Abstauber her. Bemühter war da schon sein Nebenmann Mario Gomez. Doch nach einigen halbherzigen Schüssen packte er dann doch noch seinen Torkiller aus und versenkte zwei Mal eiskalt. Der Junge hat einen Lauf und gerade deshalb ist er aktuell die Nummer Eins im deutschen Sturm. Da kann selbst er irgendwann nicht mehr leugnen…
Völlig von der Rolle ist Schweinsteiger. Seinen Frust über mangelndes Vertrauen und fehlenden Spielpraxis beim FCB ließ er in der Nachspielzeit (!) der ersten Hälfte raus, als er einem Gegenspieler total überflüssig an die Gurgel ging. Ansonsten sieht man gar nichts von ihm. Löw sollte ihn schützen und Deutschland einen Gefallen tun und ihn einfach zu Hause lasse. So hilft er keinem, aber auch wirklich niemandem!
Lange fehlte den Männern in Schwarz-Rot-Gold der nötige Punch, um der Schweiz den Todesstoß zu verpassen. Gegen eine große Nation hätten wir es in der Form wesentlich schwieriger gehabt. Doch am Ende knipste Gomez und durfte selbst Poldi noch mal ran und irgendwie ist alles Friede, Freude, Eierkuchen. 4:0. Alles ist bestens. Doch ohne die beiden Patzer des ansonsten guten Benaglio hätte es „nur“ 2:0 gestanden und dass ist gegen die Schweiz eigentlich zu wenig. Trotzdem wird es schnell in den Hintergrund rücken. Hoffen wir, dass Löw aus diesem Spiel trotzdem seine Lehren gezogen hat. Nicht, dass ein blauäugiger Titelfavorit zum dritten Mal am Stück ohne EM-Sieg in der Vorrunde ausscheidet.
Die Schweiz wartet jetzt seit 51 Jahren und 4 Monaten auf einen Sieg gegen Deutschland und es werden ständig mehr. Gute Nacht, Marie |
Blog replies
- No related Blogs yet